Gewappnet für die Zukunft

Foto: »Im DACH-Raum können wir auf mehr als 3.000 BeraterInnen und SW-Engineers zurückgreifen und verfügen darüber hinaus über ein deutschsprachiges Nearshore-Center in Polen und mehrere Offshore-Center in Indien«, weist Bernd Bugelnig auf die Personalressourcen des IT- und Innovationspartners Capgemini hin. Foto: »Im DACH-Raum können wir auf mehr als 3.000 BeraterInnen und SW-Engineers zurückgreifen und verfügen darüber hinaus über ein deutschsprachiges Nearshore-Center in Polen und mehrere Offshore-Center in Indien«, weist Bernd Bugelnig auf die Personalressourcen des IT- und Innovationspartners Capgemini hin.

Um im digitalen Zeitalter richtig aufgestellt und wettbewerbsfähig zu sein, braucht es eine Kombination aus Unternehmens-Know-how und Expertise in Information and Communication Technology, ICT, getrieben von Innovationsgeist. Die Nachfrage nach verschränkter Consulting-Leistung steigt.

Die Geschwindigkeit der Veränderung in der IT nimmt stetig zu, die Wirtschaft ist durch die Vielzahl neuer Technologien gefordert. Damit gewinnt IT-Consulting signifikant an Bedeutung.
»Für den einzelnen Kunden ist es kaum möglich, mit allen Trends und Innovationen Schritt zu halten«, betont Michael Zettel, Country Managing Director bei Accenture, und verweist auf die größere Bandbreite an Know-how externer IT-Servicedienstleister. Diese kennen Betriebssysteme, Applikationslandschaften und spezielle Programme. Ab dem zweiten Kunden derselben Branche sind sie vorinformiert und können mit mehr Wissen betreuen und unterstützen. Ein interner IT-Administrator steht immer das erste Mal vor einer neuen Situation. »Man muss immer die Praxisrelevanz verstehen. Es genügt nicht, theoretisch informiert zu sein«, so Zettel.

Markt wird beobachtet

Gunther Reimoser, Country Managing Partner EY Österreich: »Um das gesamte Potenzial der Digitalisierung für das eigene Unternehmen erfassen zu können, braucht es oft auch eine Außenperspektive, etwa indem man Digitalisierungsprojekte bei Marktbegleitern beobachtet. Wir bieten unseren Kunden mit ›DigiCheck‹ eine strukturierte Methode, den eigenen Digitalisierungsgrad zu erheben, das Geschäftsmodell zu prüfen und weiterzuentwickeln.« Reimoser verweist darauf, dass die technologischen Möglichkeiten bezogen auf die Branche nicht immer gleich sind. Industrie 4.0 spielt etwa im Dienstleistungssektor kaum eine Rolle. Dort sind vielmehr Big Data und Analytics von Kundenverhalten gefragt. Wichtig sei, dass nicht nur technologisch gedacht werde, sondern immer im Zusammenhang mit dem Geschäftsmodell.

Branchenkenntnis gefordert

Auch für Bernd Bugelnig, Vorstandsvorsitzender von Capgemini Österreich, wird neben der Beratungs- und IT-Kompetenz das Branchen-Know-how immer wichtiger. »Es reicht schon lange nicht mehr, ein erfahrener Berater zu sein. Man muss die Besonderheiten der Branche kennen, in der sich der Kunde befindet.«

Mehr als technische Hilfe

IT-Consulting betrifft nicht nur die technologische Seite. Die Herausforderungen finden sich vor allem auf der Strukturebene. Technisch sind die Unternehmen meist gut aufgestellt. »Für uns bedeutet IT-Consulting daher hauptsächlich die Unterstützung von IT-Abteilungen bei ihren Strukturierungsaufgaben«, betont Klaus Jaritz, Geschäftsführer der Hillside IT consulting group. IT-Abteilungen müssen sich selbst organisieren und strukturieren. Zunehmend werde ihnen bewusst, dass Strukturprobleme besser mit externer Unterstützung zu lösen sind.

Consulting ohne Grenzen

Die große organisatorische Bedeutung von IT-Consulting bestätigt auch Gunther Reimoser: »Die Technologie- und IT-Beratung ist heute viel mehr mit der Strategie- und Prozessberatung verschränkt als noch vor einigen Jahren«. Früher hätten Unternehmen Berater für einzelne Bereiche engagiert: Strategieberatung, Unterstützung bei Umstellungen auf Prozessebene oder Organisations-IT-Berater. »Hochwertige Beratung braucht verschränkte und multidisziplinäre Lösungen. Nur so kann der durch die technologische Entwicklung rasant steigenden Komplexität Rechnung getragen werden. Unser Fokus liegt deshalb auch auf ganzheitlicher Transformation und nicht auf einzelnen Systemen«

Dazu kooperiert EY mit Branchengrößen wie SAP, Microsoft, IBM und Procter & Gamble. »Gerade in den letzten zwei Jahren haben wir die Strategie- und Organisationsberatung massiv ausgebaut. Anfang 2016 haben wir uns mit der Contrast Management-Consulting zusammengeschlossen, wodurch die mit rund 200 Mitarbeitern größte Unternehmensberatung Österreichs entstanden ist. Vor wenigen Wochen haben wir im deutschsprachigen Raum mit ›etventure‹ die Innovationsberatung weiter ausgebaut.« etventure ist eine auf digitale Transformation und Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle spezialisierte Strategieberatung.

Weltweit hat EY mittlerweile 15 Innovationscenter: »EY Wave­spaces«.
Michael Zettel von Accenture verweist auf die Innovationsarchitektur seines Unternehmens, die den Kunden die Möglichkeit bietet, disruptive Ideen zu entwickeln, zu testen und umzusetzen. »In unseren Accenture Technology Labs, Liquid Studios und Innovationzentren wie dem Future Camp Wien gestalten wir gemeinsam mit unseren Kunden die digitale Zukunft von morgen.«

Capgemini bietet die spezielle Plattform Applied Innovation Exchange. »Über das Capgemini Innovation Lab in München haben unsere Kunden Zugriff auf das globale Capgemini-Know-how und holen sich Anregungen aus einer großen Anzahl an Fallbeispielen aus unterschiedlichen Branchen unter Nutzung modernster Technologien«, informiert Bernd Bugelnig. Das Portfolio reicht dabei von der Strategie- und Managementberatung über Prozess- und Organisationsberatung bis zu IT-Dienstleistungen und Outsourcing.

Mehrere Blickwinkel

IT-Consulting hat mehrere Schienen. Accenture deckt das gesamte Leistungsspektrum der Beratung von Strategie, Digital, Technologie und Betrieb ab. »Im Technologiebereichh beraten wir Unternehmen, wie sie etwa künstliche Intelligenz einsetzen oder wie Daten sicher in die Cloud migriert werden können«, informiert Zettel.

Hillside unterstützt mit seinem IT-Servicemanagement bis auf die Tool-Ebene, wie etwa mit Störungen umgegangen werden soll oder wie Hardware Assets verwaltet werden. IT-Controlling betrifft die Schnittstelle zwischen Finanz und IT, im IT-Sicherheitsmanagement wird die IT-Sicherheit gesteuert. In diesem Zusammenhang erwähnt Jaritz die Datenschutzgrundverordnung, die im Mai 2018 für alle Unternehmen verbindlich wird (siehe Kasten).

»Datenschutz muss sowohl rechtlich als auch technisch beleuchtet werden«, fordert Reimoser. Alle Digitalisierungsbemühungen seien obsolet, wenn Kundendaten gestohlen werden. Daher müsse der gesamte Lebenszyklus der Daten geschützt sein – auch Testsysteme, die mit kopierten Daten arbeiten. »Für uns stellt das Thema Datenschutz ein Geschäftsfeld mit sehr viel Aktivität und Wachstum dar. Wir bieten Beratung aus IT-, Prozess- und Strategie-Perspektive, EY Law deckt die rechtliche Seite ab.«

Konsolidierung

IT-Consulter für EPU, für KMU, für Großunternehmen: Vielfach werden eine Mindest-Unternehmensgröße und Angebotstiefe als Überlebensfaktoren für Internet-Consulter genannt. »Wir sind ein Großunternehmen. Ich wüsste nicht, wie man IT-Beratung anders abdecken kann, vor allem da professionelles IT-Consulting große Investitionen in die Ausbildung der Mitarbeiter bedeutet, aber auch in die Technologie. Heute wird datengetrieben beraten«, betont Accenture-Manager Zettel. Ein Blick auf den Consulting-Markt bestätigt die Notwendigkeit der Größe – von klein wird zunehmend auf groß konsolidiert.

Es gibt aber Alternativen, zum Beispiel Oskar Öhlsasser von Oskar IT in Wien mit wenig Stammpersonal. »Wir haben über die letzten Jahre ein starkes und verlässliches Netzwerk zu den verschiedensten Themen aufgebaut, haben Partner für Rechenzentrumslösungen, Apple, Linux, Web-Programmierung, Microsoft-Technologien. So können wir alles aus einer Hand anbieten, der Kunde hat einen zentralen Ansprechpartner.«

Info

Die EU-Datenschutz-Grundverordnung ist ab Mai 2018 verpflichtend umzusetzen. Sie enthält Vorschriften zum Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten, zum freien Verkehr solcher Daten und vereinheitlicht die Regelungen für die Verarbeitung EU-weit. Die EU-DSGVO betrifft kleine Freelancer ebenso wie Großkonzerne. Beschlossen wurde sie bereits 2016 im EU-Parlament, es bestanden Übergangsfristen. Verstöße können hohe Bußgeldforderungen bis zu vier Prozent des Vorjahresumsatzes nach sich ziehen. Oskar Öhlsasser: »Kleine und mittlere Unternehmen haben sich bisher wenig Gedanken über Datenschutz und Security gemacht. Es gibt daher viel zu tun, rechtlich wie technisch.« Gunther Reimoser, EY, bestätigt: »Datenschutz ist ein wesentliches Thema für Unternehmen, das speziell die nächsten ein bis zwei Jahre stark prägen wird.«

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