Studie: Rentenpolitik sollte Wohlstandspolitik sein

Studie: Rentenpolitik sollte Wohlstandspolitik sein Foto: Sabine Klimpt

Die Pensionspolitik muss sich weg von Klientel- bzw. Wahlinteressen hin zu einer nachhaltigen Pensions- und damit zu einer Wohlstandspolitik wenden. In der neuesten Renten-Studie der Allianz sind Schweden, Dänemark und Norwegen, die schon lange eine Pensionsreform umgesetzt haben, unter den Spitzenreitern in der Nachhaltigkeit ihres Systems. Obgleich Österreich den fünften Rang bei den Pensionsausgaben innehat, liegt man hier abgeschlagen auf dem 28. Platz.

Dieses System ist auf Dauer nicht finanzierbar, die Wichtigkeit der betrieblichen Altersvorsorge (BAV) muss von der Politik anerkannt und gefördert werden. Diesem Schwerpunkt widmet sich der ‚Institutionelle Altersvorsorge Herbstdialog‘. Initiatorin der Konferenz ist Barbara Bertolini, die sich ganz dem Thema Altersvorsorge verschrieben hat. Der Herbstdialog ist bereits eine Folgeveranstaltung des im Frühsommer dieses Jahres stattgefundenen Institutionellen Altersvorsorge- und Investorengipfels. Der Diskurs geht nun weiter ins Detail, mit der Erwartung erster Arbeitsergebnisse.

„Der Mittelstand hat Angst vor dem Abstieg im Alter und Angst ist Gift für eine Gesellschaft. Den Menschen aus politischem Kalkül vorzugaukeln, alles sei in Ordnung, ist politische Illusion“, so Heribert Karch, Vorsitzender der aba-Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersvorsorge, Berlin, im Rahmen der Pressekonferenz zum ‚Internationalen Altersvorsorge Herbstdialog‘. Karch fordert ein, dass sich die Politik mehr über Wohlstand im Alter, als über Altersarmut unterhalten sollte. „Eine gute Rentenpolitik hält die Gesellschaft stärker zusammen als viele andere Politikfelder“, mahnt Karch.

Rentenpolitischer Konsens in Deutschland und Österreich besteht weitgehend darin, dass die Politik hier nicht mehr Gestalter, sondern Getriebener der Pensionspolitik ist – einer Politik, die mit Wohlstandsförderung nichts zu tun hat. Aber es gibt keinen Grund warum Wohlstand im Alter, wenn man die zweite Säule stärkt, in einer reichen Gesellschaft nicht möglich sein sollte. Die Weltbank hat dazu bereits 1996 in ihrem Bericht die betriebliche Altersvorsorge als Wohlstandsbringer und als probates Mittel für die Meisterung der demographischen Herausforderungen bezeichnet. Es geht um einen neuen Finanzierungskonsens, – eigentlich um den konsequenten Ausbau von Vorhandenem, also einer ganzheitlichen Sicht und nicht um ein Ausspielen der Säulen untereinander.

Karch plädiert, dass der Staat den Bürger dort unterstützen soll, wo er auch etwas zurückbekommt. Steuerliche Förderungen der BAV schaffen dem Staat anstatt Verlusten aufgeschobene Steuereinnahmen – eine Art risikofreies Investment in die Zukunft. Dabei muss man lediglich über die nächste Wahlperiode hinausblicken. Denn die steuerliche Veranlagung der Betriebsrente, die der Staat heute gewährt, erhält er im Alterseinkommen verzinst wieder zurück. Da der demografische Alterungsprozess mit großer Sicherheit eintritt, wäre die Investitionssicherheit höher als bei jedem Unternehmen.

„Die betriebliche Altersvorsorge in Österreich muss in den kommenden Jahren weiter stark ausgebaut werden. Die Angebote der so genannten 2. Säule des österreichischen Pensionssystems sollten als Ergänzung der staatlichen Pension gefördert werden, stellen sie doch ein probates Mittel dar, eine Pensionsnachhaltigkeit zu erzeugen, die wir dringend brauchen. Es muss uns rasch gelingen, möglichst viele Österreicher – insbesondere die heutige Jugend – ins System der betrieblichen Altersvorsorge aufzunehmen, um auch künftigen Generationen den Erhalt ihres Lebensstandards im Alter zu ermöglichen“, ergänzt Andreas Zakostelsky, Obmann des Fachverbands Pensionskassen der WKÖ und Generaldirektor der VBV-Gruppe. Er erinnert auch daran, dass man bei der Altersvorsorge nicht ausschließlich auf die kurzfristige Performance-Maximierung achten sollte. Die Pensionskassen, mit einer durchschnittlichen Rendite von 5,07 Prozent in den letzten drei Jahren, zeigen vor, dass auch in einem Niedrigzinsumfeld Rendite zu erzielen ist.

Rendite auch im Niedrigzinsumfeld

Das Nullzinsumfeld stellt Pensionskassen, Versicherungen und andere institutionelle Anleger vor erhebliche Herausforderungen: Ertragszusagen, die – als sie eingegangen wurden – noch unproblematisch erschienen, sind jedoch im aktuellen Umfeld mit risikoarmen Staatsanleihen nicht mehr erfüllbar. „Während täglich alte Hochkupons im Portfolio abreifen, sinkt der durchschnittliche Garantiezins aus den Verpflichtungen nur sehr langsam. In dieser sich rapide öffnenden Schere sind Standardportfolios mit ihrer Mischung aus Euro Renten und Aktien überfordert. Gefragt sind jetzt sowohl Beimischungen komplexerer Produkte (Infrastruktur, asiatische Hochzinsanleihen, Kredite) und Standardlösungen als auch maßgeschneiderte, z.B. Solvency II optimierte Lösungen. Da ist auch die Politik gefordert, das zu verstehen. Man kann nicht Rendite fordern und ein sich Anpassen an die Finanzmarkt-Realität gesetzlich unterbinden“, so Dr. Adam Lessing, Head of Central and Eastern Europe Fidelity International.

Alle waren sich einig: Altersvorsorge bedarf politischen Mutes und Gestaltungswillen. Eine kapitalgedeckte Wohlstandspolitik für eine gute Pension sollte die neue Benchmark sein, um Gesellschaften zusammenzuhalten.

 

 

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