Gute Reise, lieber Heinz

 

Heinz van Saanen ist nicht mehr. Am 23. März hat er den Kampf gegen den Krebs verloren. Mit ihm geht ein guter Freund, der die Entwicklung unserer Medien geprägt hat - durch seine immer hervorragend recherchierten und amüsant formulierten Artikel und die vielen Cover-Stories, die er in den vergangenen zwei Jahrzehnten im REPORT verfasst hat, aber auch durch seine Einstellung.

Er war ein Aufklärer, ein schreiberischer sowieso, aber auch einer im Leben. Er konnte hart und unbequem sein, und er ging bis an die Grenzen. Er hat mich als Herausgeber immer wieder in Situationen gebracht, die herausfordernd waren und die auch weh taten, kommerziell.

Alle lieben die Wahrheit, die über andere geschrieben wird, keiner mag sie über sich selbst lesen. Aber Heinz war unerbittlich, auch sich gegenüber. Als sein behandelnder Arzt die Diagnose in Watte packen wollte, macht Heinz ihm klar, dass er als Patient nicht anders sein werde als als Journalist. Die Wahrheit ist zumutbar, auch wenn sie weh tut. Und sie tat weh, sehr sogar.

Die meisten Krebspatienten leiden an schweren Depressionen. Dafür hatte Heinz kein Talent, stattdessen machte er sich ans Lesen. Es war noch so viel da, was er lernen wollte, und er schöpfte daraus Kraft, dass er sich als Teil eines immer expandierenden Wissensuniversums verstand. Da blieb kein Platz für Selbstmitleid. Alle, die ihn betreuten, waren überrascht, wie gut er sich für so lange Zeit schlug.

Doch die Zeitfenster, die ihm blieben, aktiv zu sein und auch Freunden zu begegnen wurden immer kleiner. Als wir uns im Cafe Amacord, in der Rechten Wienzeile, zum Frühstück trafen, wussten wir beide, dass es wohl unsere letzte Begegnung sein werde. Wir redeten über die Ukraine, darüber, dass der Journalismus sich von seiner erbärmlichsten Seite zeige, weil er sich instrumentalisieren ließe. Nach 30 Jahren hatte Heinz sein Spiegel-Abo gekündigt, aus Protest gegen die neue Blattlinie.

Wir redeten über die letzte Cover-Geschichte, die wir gemeinsam verfasst hatten. Wir stellten uns die Frage, wie es mit den USA weitergehen würde. Er war extrem kritisch, ich glaubte daran, dass sich das Land neu erfinden werde. Wir diskutierten stundenlang und ich merkte allmählich war Heinz am Ende seiner Kräfte. Da bestellte er sich einen Campari Orange, den ersten seit seiner Diagnose. Aber es passte, er hat den Moment genossen, denn die Diskussion und die Auseinandersetzung mit den wirklich wichtigen Themen gab ihm Kraft.

Heinz, Du fehlst uns und auch wenn Du nichts davon hielst, irgendwie glaub ich, Dein Geist ist da, denn die Aufklärung kann nicht untergehen.

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