Abschied vom eigenen Auto

Mit jedem Tag, den Firmenwagen ungenutzt herumstehen, rechnet sich ein eigener Fuhrpark weniger - zumal viele Betriebe nicht über ausreichende Stellplätze verfügen. Mit jedem Tag, den Firmenwagen ungenutzt herumstehen, rechnet sich ein eigener Fuhrpark weniger - zumal viele Betriebe nicht über ausreichende Stellplätze verfügen. Foto: Thinkstock

Experten gehen davon aus, dass Mobilität in Zukunft individueller und vielfältiger gelöst wird. Das Auto spielt nach wie vor eine Rolle – es muss aber nicht das eigene sein. Das gilt auch für Fuhrparks von Unternehmen.

Firmenwagen sind eine zeit- und kostenintensive Angelegenheit. Die reinen Fahrzeugkosten machen nur einen Teil der Total Cost of Ownership (TCO) aus – Nutzung und Instandhaltung fallen ebenso schmerzlich ins Gewicht. Verfügt ein Unternehmen über einen eigenen Fuhrpark, ist der organisatorische Aufwand enorm und erfordert Fachwissen. Gerade Klein- und Mittelbetrieben, die personell ohnehin meist sehr schmal aufgestellt sind, wächst die administrative Arbeit rasch über den Kopf.

Abzuwickeln sind nicht nur Wartungstermine, sondern auch Reparaturen, Reifenwechsel, Tankkarten und Versicherung. Pro Firmenwagen fallen pro Monat drei bis sieben Belege an, die verbucht werden müssen. Fuhrparkmanagementsysteme helfen, den Betriebs- und Prozessaufwand zu optimieren. T-Mobile bietet beispielsweise eine integrierte Lösung, bei der fest eingebaute Blackboxes in den Fahrzeugen alle Standortdaten und Bewegungen erfassen und zeitnah in einem Webportal darstellen. So behält die Unternehmensleitung stets den Überblick und kann bei Änderungen der Routen rasch die betreffenden Mitarbeiter informieren. Zudem schützen automatische Benachrichtigungen bei unerlaubter Entfernung vor Diebstählen. Sensoren, die Geschwindigkeitsübertretungen und scharfes Bremsen aufzeichnen, wirken sich erfahrungsgemäß positiv auf das Fahrverhalten aus – Unfallgefahr und Spritverbrauch werden reduziert, manche Versicherungen belohnen mit niedrigeren Prämien.



Foto: Gwénael Cevaer, Arval Österreich: »Der Großteil der Kunden entscheidet sich immer noch am Ende für einen Verbrennungsmotor.«

Mieten statt kaufen
Doch mit jedem Tag, den ein Firmenauto ungenutzt steht, rechnet sich ein großer, eigener Fuhrpark weniger – zumal viele Betriebe keine ausreichende Anzahl an Stellplätzen zur Verfügung haben. Angesichts der Parkplatzsituation in den größeren Städten überlegen viele Betriebe, die Zahl der Firmenwagen zu minimieren. Mietautos oder Carsharing bieten sich als praktikable Alternative an, wenn die Flotte nicht regelmäßig in diesem Umfang gebraucht wird oder nach Bedarf kurzfristig aufgestockt wird. Die Vorteile liegen auf der Hand: Der bürokratische Aufwand ist gering. Fahrten in die Waschanlage, zur Tankstelle oder in die Werkstatt entfallen. Bei Leihwagen ist die Auswahl an repräsentativen Marken und Modellen groß und kann je nach Termin individuell getroffen werden.

Carsharing überzeugt mit punktgenauer Abrechnung nach Zeit oder Kilometern. Mit speziellen Firmenaccounts kommt der flexibel angemietete Dienstwagen oftmals güns­tiger als ein klassisches Firmenauto. Bei Dienstreisen ermöglicht die internationale Präsenz von Carsharing in vielen Städten die Überbrückung der ersten bzw. letzten Meile vom Flughafen oder Bahnhof zum Geschäftstermin und wieder zurück.

Pool-Fahrten als Alternative
Eine weitere Variante stellte Andreas Weinberger, General Manager von Uber Österreich, beim AmCham-Business Talk im Mai vor. In New Jersey unterstützt die Stadt in Kooperation mit dem Technologieanbieter Fahrten zur Öffi-Haltestelle, um den Individualverkehr zu reduzieren. Über uberPOOL teilen sich dabei mehrere Personen eine Fahrt und den Fahrpreis. In San Francisco machen Pool-Fahrten bereits rund die Hälfte aller Fahrten bei Uber aus, wodurch es zu einer massiven Entlastung des Verkehrsaufkommens kommt. »Die Einfachheit der Uber App bringt die Menschen dazu, ihr eigenes Auto stehen zu lassen«, meint Weinberger.



Foto: Andreas Weinberger, Uber Österreich: »Ride-Sharing ist der erste Schritt, künftig wird man kein eigenes Auto brauchen.«

Spätestens mit Einzug des selbstfahrenden Autos werden alle Menschen die vorhandenen Fahrzeuge teilen. Für das gleiche Maß an Mobilität wird es dann nur noch ein Zehntel der heutigen Fahrzeuge bedürfen, so der Uber-Chef: »Ride-Sharing ist der erste Schritt, um die Menschen daran heranzuführen, dass man künftig kein eigenes Auto mehr brauchen wird.« Uber strebt an, jede Abholung unter fünf Minuten zu gewährleis­ten, um Usern eine praktikable Alternative zum eigenen Auto zu bieten.

Rollende Visitenkarte
Bei Betrieben mit hoher Mobilität bleibt dennoch die klassische Firmenflotte mit gebrandeten Fahrzeugen – quasi als »rollende Visitenkarte« – das Herzstück des Unternehmens. Hier nimmt die Umstellung auf alternative Antriebe nur langsam Fahrt auf. Ein Großteil der 2016 in Österreich neu zuge­lassenen Elektroautos, nämlich rund 3.300 von 3.800, wurde zwar von Unternehmen angemeldet. Umgelegt auf die gesamten betrieblichen Neuzulassungen entspricht das allerdings lediglich einem Anteil von 1,6 %. Möglicherweise bringt das Förderpaket der Bundesregierung, das am 1. März in Kooperation mit den Autoimporteuren startete, den erhofften Schub. 72 Millionen Euro werden zur Förderung der Elektromobilität zur Verfügung gestellt. Für Elektroautos gibt es 4.000 Euro Prämie, für Hybridfahrzeuge 1.500 Euro, für E-Motorräder und -Mopeds 750 Euro.

Jeder dritte Betrieb plant , in den kommenden drei Jahren ein Elektro- oder Hybridfahrzeug für den Fuhrpark anzuschaffen, wie eine aktuelle Erhebung des Full-Service-Leasing-Anbieters Arval ergab. »Wir spüren zunehmendes Interesse von Unternehmen an Fahrzeugen mit alternativem Antrieb«, sagt Gwénael Cevaer, Managing Director von Arval Österreich. »Trotzdem entscheidet sich am Ende immer noch ein Großteil unserer Kunden für einen Verbrennungsmotor.«

Als Gründe werden vor allem die begrenzte Reichweite und mangelnde Infrastruktur, nicht so sehr die Gesamtbetriebskosten genannt. Nach Berechnungen von Arval legen Firmenwagen pro Jahr durchschnittlich 37.000 Kilometer zurück. Pro Arbeitstag ergibt sich daraus eine durchschnittliche Fahrleistung von etwas mehr als 100 Kilometern pro Tag. In der Theorie würde die durchschnittliche Reichweite der meisten E-Fahrzeuge, die in Praxistests zwischen 150 und 200 Kilometern liegt, dafür ausreichen. Im Alltag schwanken jedoch die täglichen Fahrkilometer oft erheblich. Cevaer ist dennoch davon überzeugt, dass Elektrofahrzeuge eine sinnvolle Ergänzung für den betrieblichen Fuhrpark sind: »E-Fahrzeuge machen vor allem für gleichbleibende, tägliche Fahrten und bekannte, planbare Strecken Sinn. Sie eignen sich besonders als Poolfahrzeuge, für Botenwege oder im Werksverkehr.«

Bei den Betriebskosten liegen E-Pkw meist deutlich unter konventionell betriebenen Benzin- oder Dieselfahrzeugen. Aus Sicht des Klimaschutzes sind Elektrofahrzeuge klar im Vorteil. Sie können mit Strom aus erneuerbaren Energien geladen werden und verursachen in ihrem Lebenszyklus um 75 bis 90 % weniger Kohlendioxid.

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