Schiiiiiifoan

Schiiiiiifoan Foto: Thinkstock

Der majestätische Nationalsport der Alpenrepublik ist aus dem Winter nicht wegzudenken. Eine Ode ans Skifahren von Rainer Sigl.

Freuen Sie sich auch schon so? Nein, nicht auf den alljährlichen Konsumterror zum Weihnachtswahnsinn – ich rede von jener Magie, die der kalten Jahreszeit überhaupt ihre Berechtigung gibt! Jener Rückkehr zur Natur, wo sich der gequälte, überzivilisierte Mensch wieder ganz in der erhabenen Bergwelt unserer schönen Heimat selbst finden kann! Von der gesunden, einfachen Bewegung mit den Elementen, die den Kopf frei macht und den Körper stählt! Wei i wü – Schiiiiiiiiii-foan, foan, wowowowwwwoooww ... hach.

Ich mein, ich hab ja jetzt eh drei Saisonen quasi aussetzen müssen, weil zuerst war ich wegen der Kreuzbänder, dann die Irmi, dann noch dieser blöde Meniskusriss wegen diesem einmal Snowboard-Ausprobieren am Gletscher im August, bitte, das kann jedem passieren, aber heuer, hat mein Osteopath gesagt, heuer kann ich mich wieder endlich ins weiße Vergnügen stürzen! Ich freu mich so! Endlich wieder was für den Körper tun!

Das Wichtigste ist halt schon dieses Naturerlebnis. Also dieses Naturerlebnis ist immer ein Wahnsinn. Die Berge! Der Himmel! Der Schnee! Also ja, gut, der Schnee, früher war halt schon mehr, aber der Kofler Ernst, unser Hüttenwirt mit drei, vier Skiliften, der hat mir gesagt, dass sie’s nächstes Jahr probehalber mal als Service probieren werden, den Wald links und rechts der Piste und bei den großen Hotels die Umgebung mitzubeschneien. Wegen der Optik. Weil wenn man da in der Früh so in der beheizten Vierergondel rauffährt, schaut das halt schon einfach besser aus, wenn im Wald auch ein Schnee ist, sagt er. Das ist halt schon wichtig, dass das ein authentisches Naturerlebnis ist, ich mein, wenn ich da aus der Zirbenpanoramasauna im Hotel rausschau und überall hupfen die Eichkatzerl ganz munter im grünen Wald herum, ja, eh lieb, aber ich mag’s halt ein wenig … wie soll ich sagen … ursprünglicher. Naturerlebnis halt.

Überhaupt: ursprünglich. Dem Echten nahe sein, nicht nur auf dem Berg, nein, auch nachher! Weil, es ist schon furchtbar, was da im Après-Ski inzwischen für eine Scheinwelt existiert! Garnelenspieß auf der Liftstation! Drum’n’Bass-Hüttengaudi! Bitte, wenn die Hipster-Touristen so eine Musik hören wollen, sollen’s doch bitte in der Stadt bleiben! Drum, psst, mein Geheimtipp: Bei der Talstation im Ort im Tankstellenstüberl trifft sich die original echte Ureinwohnerschaft, voll authentisch – Liftwart, ungarische Zimmermadln, die Burschen von der Mautstation, kein Piefke, kein Russe weit und breit! Radio Steiermark, Leberkässemmel, Jagatee, Flüchtlingsdiskussion am Stammtisch, hin und wieder wackelt einer raus zum Speibn – ich sag’s Ihnen, diese Authentizität, diese Ursprünglichkeit, da werd ich ganz einwendig!

Aber ja, es ist auch ein bissi teuer. Die neue Ausrüstung. Und die Liftkarten. Und das Hotel. Eine Woche – zack, vorbei. Und dann montier i die Ski, und sag mir halt, ja, okay, ich krieg natürlich nächstes Jahr diesen Bausparer raus, aber eigentlich wär’s vernünftiger, jetzt heimzufahren, damit ich vielleicht doch nur drei Stunden im Stau steh. Und i schau nu amoi auffe. Und i denk ma: Aber wo.

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