Video und Kurznachlese: Arbeitsmarkt in Österreich

Gerhard Novak, Anova HR-Consulting; Manuela Vollmann, abz*austria; Thomas Irschik, Wien Energie; Oliver Krizek, Navax; Martin Szelgrad, Report. Gerhard Novak, Anova HR-Consulting; Manuela Vollmann, abz*austria; Thomas Irschik, Wien Energie; Oliver Krizek, Navax; Martin Szelgrad, Report. Foto: Milena Krobath/Report Verlag

Wie gut schneidet der Wirtschaftsstandort im Vergleich mit anderen Regionen ab? Wie sehen hierzulande die Voraussetzungen für Innovation in der Wirtschaft und Flexibilität am Arbeitsmarkt aus? Am 4. November fand ein Report-Publikumsgespräch zu Standortfaktoren, Willkommenskultur und Fachkräftebedarf in Österreich im Wien Energie-Kundendienstzentrum an der Spittelauer Lände statt. Die weiteren Partner des Gesprächs waren NAVAX und Radio Technikum.

Für Thomas Irschik, Vorsitzender der Geschäftsführung Wien Energie, ist die Energiewirtschaft „momentan eine der spannendsten, interessantesten und herausforderndsten Branchen“. In den vergangenen Jahren sind viele neue Berufsbilder entstanden, in denen mehr denn je „smarte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ gefragt sind. „Für uns als Arbeitgeber bedeutet dies, eine gute Durchmischung der besten Leute zu bekommen sowie auch die ständige Weiterbildung und Förderung der Mitarbeiter zu gestalten.“ Irschik sieht einen großen Wettbewerb um Fachkräfte. „Wenn Sie als Unternehmen heute nicht mit Karrierethemen präsent sind und gute Basisfeatures bieten – flexible Arbeitszeiten, gut ausgestattete Arbeitsplätze, Weiterbildungsmöglichkeiten –, kommen Sie gar nicht mehr ins Gespräch. Dazu gehört eine Flexibilität als Unternehmen, die auch Bildungskarenzen und andere Auszeiten erlaubt.“

Oliver Krizek, Eigentümer und Geschäftsführer der NAVAX Unternehmensgruppe, sieht eine Herausforderung für mittelständische Unternehmen im Wettbewerb auf Gehaltsebene mit den internationalen, großen Konzernen. „Auch als IT-Dienstleister mit Tätigkeitsschwerpunkt in der Region Österreich, Deutschland und Schweiz befinden wir uns in einem globalen Wettbewerb um die besten Fachkräfte.“ Für Krizek geht es nicht mehr um „Salzburg gegen Graz oder Österreich gegen Deutschland“. In Zukunft werde sich ganz Europa mit anderen Kontinenten matchen. „Wenn heute nicht genügend in Bildung investiert wird und unser 70 Jahre altes Bildungssystem nicht bald modernisiert wird, dann schaut unsere Perspektive sehr schlecht aus“, warnt er. „Wir haben in vielen Bereichen klar einen Facharbeitermangel in Österreich. Dies betrifft auch das Dienstleistungsgewerbe, die Wissensarbeiter in den Büros.“

Die Höhe des Verdienstes ist gerade bei jüngeren Generationen nicht mehr primäres Thema alleine. „Wir wissen aus Studien, dass der Faktor Einkommen gegenüber anderen Werten in der Wichtigkeit abnimmt. Unternehmen müssen sich heute überlegen, wie sie sich attraktiv für Jüngere ebenso wie für Ältere gestalten können – um gerade auch die vielen Förderungen, die es in Österreich gibt, in Anspruch nehmen zu können“, rät Manuela Vollmann, Geschäftsführerin abz*austria. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund sowie die Beschäftigung Älterer wirken sich auch auf die Produktivität in Unternehmen aus. „Wir müssen eine flexible lebensphasenorientierte Arbeitszeitkultur in Österreich einführen“, fordert die Expertin. „Hier auf die Politik zu warten, ist eine Möglichkeit. Als Unternehmen selbst etwas zu tun, ist noch besser.“

„Ich sehe, wie wahrscheinlich alle, die in der Wirtschaft stehen, die Bildungspolitik in Österreich als dringend veränderungsbedürftig an“, vermutet auch Gerhard Novak, Senior Partner Anova HR-Consulting. Während früher „Unmengen an Controllern“ ausgebildet worden sind, läge der Schwerpunkt der universitären Ausbildung nun bei HR-Themen. „Was der Wirtschaft aber fehlt, sind ausgebildete Vertriebskräfte. Hierzulande hat der Vertrieb kein besonders gutes Image – zu Unrecht“, mahnt er. Für ihn sind „Soft Skills“ heute ebenso wichtig wie fachliche Expertise. Sie sind auch keine Frage des Alters oder des Geschlechts. „Wenn ein 52-Jähriger in einem Unternehmen angestellt wird, hat er laut Pensionsrecht noch 13 Jahre zu arbeiten. Ich kenne keine Firma, die einen Business-Plan über einen solch langen Zeitraum hat.“ Novak berichtet aus Gesprächen mit Bewerberinnen und Bewerbern: Wichtigster Faktor für Arbeitsplatzqualität ist die Wertschätzung.


Fotos zum Event unter diesem Link

{youtube}Y0eGqIerkFc{/youtube}

Last modified onMontag, 09 November 2015 14:53
back to top