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Smart Grids im Praxistest

Beim Smart Grid Dialog diskutierten Roland Wernik, Salzburg Wohnbau; Michael Strebl, Salzburg Netz; Brigitte Bach, AIT; Chris King, Siemens USA; Robert Tesch, Siemens CEE; und Dominik Engel, Josef-Ressel-Zentrum Salzburg, über die erste Phase des Smart Grids in Salzburg. Beim Smart Grid Dialog diskutierten Roland Wernik, Salzburg Wohnbau; Michael Strebl, Salzburg Netz; Brigitte Bach, AIT; Chris King, Siemens USA; Robert Tesch, Siemens CEE; und Dominik Engel, Josef-Ressel-Zentrum Salzburg, über die erste Phase des Smart Grids in Salzburg.

Im Schloss Residenz zu Salzburg präsentierte die Salzburg AG gemeinsam mit den Partnern Siemens, AIT und dem Josef-Ressel-Zentrum, wie Smart-Grid-Systeme Erzeugung und Verbrauch in Einklang bringen können.

In der Modellregion Köstendorf, einer Ortsgemeinde mit 2.550 Einwohnern im Norden Salzburgs, unterzieht die Salzburg AG neue intelligente Energienetze einem Praxistest. 43 Photovoltaikanlagen erzeugen den Strom, der von fünf Energiespeichern gesammelt wird. Bei Bedarf steht der gespeicherte Strom wieder zur Verfügung. Alle fünf Speicher wurden vom Land Salzburg gefördert. Zur Kontrolle des Energieverbrauchs ist das System an einen IKT-Service gekoppelt: Wer seinen Energie­fluss mitverfolgen möchte, ruft über eine App Informationen zur Einspeisung und zur Speicherkapazität in Echtzeit ab. »Mit dem Speicher kann der Kunde die selbst erzeugte Energie selbst verbrauchen. Ziel ist es aber, dass die Speicher ins Netz eingebunden werden und die Kunden dadurch gegenseitig profitieren«, erklärt Michael Strebl, Geschäftsführer der Salzburg Netz GmbH.

Die Kosten für den Batteriespeicher teilen sich die Salzburg AG, das Land Salzburg und die Kunden. Bisherige Ergebnisse von Modellregionen zeigten, dass durch intelligentes Netzmanagement die Erzeugungskapazität von Strom um etwa 20  % gesteigert werden kann. Auch bei der Frage, ob in Netzausbau oder intelligente Lösungssysteme investiert werden soll, zeigte ein Projekt in Lungau, dass die Kos­ten für zusätzliche Einspeiseleitungen bei Smart Grid um 50 % geringer sind als bei klassischem Leitungsausbau. Aufgrund der hohen Anzahl an Erzeugern und Verbrauchern sind die technischen Herausforderungen bei Smart Grid komplexer.

Rosa Zukunft
Ein weiteres Smart-Grid-Projekt in der Hauptstadt Salzburg ist mitten in der Praxisphase. Im Stadtteil Taxham werden in der Wohnanlage »Rosa Zukunft« sowohl neue gesellschaftliche als auch energietechnische Konzepte erprobt. Das Mehrgenerationenprojekt umfasst 130 Wohneinheiten. Neben dem Austausch von Informationen zum Energieverbrauch können die Bewohner per Eco-Button überflüssigen Verbrauch abschalten oder den Raumtemperaturregler in den Urlaubsmodus schalten. »Gerade im Wohnbau sind auch entsprechende Feedbackmethoden für die Bewohner von großem Vorteil, um das Thema Energie besser zu verstehen. Durch gezieltes Nutzerverhalten kann Einfluss auf den eigenen Energieverbrauch genommen werden«, erklärt Roland Wernik, Geschäftsführer Salzburg Wohnbau. Der Strom wird über eine Photovoltaikanlage produziert, der Wärmespeicher sorgt über eine Wärmepumpe und ein Blockheizkraftwerk für die notwendige Temperatur in kalten Stunden. Darüber hinaus verfügt der Speicher über eine Doppelfunktion: Neben der Speicherung stellt er über das Blockheizkraftwerk und die Wärmepumpe eine Flexibilität für das elektrische Netz dar. Mit dieser Backuplösung ist er der Kern des Energiekonzepts der Wohnanlage. Auch Rosa Zukunft wird vom Klima- und Energiefonds gefördert. Der Gesamtförderbetrag für die Smart-Grid-Projekte umfasst 3,1 Millionen Euro.

Neue Schlüsselrolle für Verteilnetzbetreiber
Durch das komplexe Zusammenspiel zwischen Kunden, Erzeuger und Netz kommt im Smart Grid dem Verteilnetzbetreiber eine Schlüsselrolle zu. Ähnlich einer Verkehrsleitzentrale sorgt der Betreiber für das reibungslose Funktioneren der Netze. Das umfasst mehrere Aufgaben: Durch die intelligente Steuerung des Energieflusses kann er einen unnötigen Leitungsausbau im Stromnetz vermeiden und gleichzeitig für die Frequenzstabilität sorgen. Auch die Sicherheit im Übertragungsnetz fällt unter seine Aufgaben.

Fokus Verbraucherverhalten
Neben dem Verteilnetzbetreiber kommt auch dem Stromkonsumenten eine zunehmend wichtige Bedeutung zu. Aktuell muss der Netzbetreiber seinem Kunden Strom bereitstellen, wann immer er diesen nutzen will. Bei den intelligenten Energienetzen kümmert sich der Konsument selbst um seine Stromversorgung. Er kann aktiv zu den Stromkosten beitragen, indem er zum Beispiel das E-Auto nachts statt tagsüber lädt oder die Steuerung der Wärmepumpe in günstigere Tarifzeiten verlegt. »Kunden können in Zukunft wesentlich dazu beitragen, die bestehenden Netzkapazitäten bestmöglich auszunutzen, um einen unnötigen Netzausbau zu vermeiden. Hierfür sind klare finanzielle Anreize notwendig, damit die Kunden auch erkennbare Vorteile aus ihrem optimierten Verhalten haben«, betont Michael Strebl. Damit wird der Ruf nach einer Anpassung der herkömmlichen Stromtarifmodelle immer lauter. Die klassische Einteilung in Sommer- beziehungsweise Wintermonate oder in Tag und Nacht verliert im Smart Grid ihre Bedeutung. Das nächste Ziel ist, regulatorische Rahmenbedingungen den notwendigen Tarifmodellen anzupassen. Dazu sollen bereits konstruktive Gespräche mit der österreichischen Regulierungsbehörde E-Control in vollem Gange sein, heißt es in Salzburg. 

 

 

Last modified onFreitag, 17 Juni 2016 14:20
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