Gasmarkt im Wandel

Gasmarkt im Wandel Foto: Thinkstock

Die Strategie der Anbieter in Österreich. Wie sich der Gaspreis entwickelt. Welche Trends den Markt prägen. Welche neuen Rollen fossile Energien in Zukunft spielen werden.

Eine kleine, wenig überraschende Wende nimmt der Gaspreis im Herbst. Der Österreichische Gaspreisindex (ÖGPI) steigt im Oktober um 2,3 % auf 67,7 Punkte – im Vergleich zur Basis von 100 Indexpunkten im Jahr 2011. Obwohl der ÖGPI im vergangenen halben Jahr laufend gesunken war, kommt es im Oktober zum ersten Anstieg seit März. »Hauptgrund dafür sind die zuletzt gestiegenen Gas-Großhandelspreise, die unter anderem auch aufgrund der bevorstehenden Heizsaison anziehen«, heißt es bei der Österreichischen Energieagentur.

Der Großhandelspreis ist trotz eines gestiegenen Gasverbrauchs auf einem niedrigen Niveau. Im ersten Halbjahr 2017 erhöhte sich der E-Control zufolge der Verbauch um satte 15,5 % auf 52.100 GWh – ein Plus von 7.000 GWh gegenüber dem Vorjahreszeitraum. »Aufgrund der kälteren Temperaturen im Jänner und Februar wurde mehr Gas zum Heizen von Gebäuden verwendet«, sagt E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch. Auch wurde deutlich mehr Gas für die Stromerzeugung eingesetzt. Gaskraftwerke wie Mellach waren in der ersten Jahreshälfte verstärkt zur Stabilisierung des Stromnetzes im Einsatz und haben dadurch den Gasverbrauch in die Höhe getrieben.

Der Gasmarkt hat auch ein grüne Zukunft – so sehen es jedenfalls Lieferanten und Betriebe. Die heimische Gaswirtschaft erwartet »bis 2050 einen Anstieg von grünem Gas im Gasnetz von bis zu zwei Milliarden Kubikmeter«, heißt es beim Fachverband der Gas- und Wärmeversorgungsunternehmungen. »Grünes«, CO2-neutrales Gas wird aus den Reststoffen der Tier- und Pflanzenproduktion, Klärschlamm und aus überschüssigem erneuerbarem Strom gewonnen – die Mengen würden sogar ausreichen, um den gesamten Gaseinsatz im Raumwärmemarkt – Gasheizungen und Fernwärme – auf erneuerbare Beine zu stellen. Das Ziel scheint ambitioniert, doch ist es genügend weit in die Zukunft gerichtet, um zumindest zum Nachdenken anzuregen. Ob Power-to-Gas-Projekte für die Energiewirtschaft und energieintensive Industrie oder Flüssiggas-Tankstellen, um dem Hype um Elektromobilität mit gasbetriebenen Fahrzeugen zu ergänzen – die Erwartungen an die Rolle von Gas als Energieträger sind groß.

In einem Ausblick von DNV GL heißt es: Bis zum Jahr 2050 wird der Fossil-Anteil am globalen Primärenergie-Mix von heute 81 % auf 52 % zurückgehen. Erdgas wird zu diesem Zeitpunkt die größte einzelne Energiequelle bilden und helfen, die Klimaziele zu erreichen.

Mehr zum Thema:

"Spark spread", Markt in Deutschland

Eduard Maaß (goldgas, VNG Austria): "Starker Wandel"

Harald Stindl (Gas Connect Austria): "Aufbruchsstimmung"

Ludwig Möhring (Wingas): "Es wird zu einer Stärkung der Gaskraftwerke kommen"

 

Last modified onDienstag, 17 Oktober 2017 10:21
back to top