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08
Apr
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Die Inflation lieben lernen…

Geschrieben von Klaus G. Singer
Klaus G. Singer
Klaus Singer (Jg 1947) arbeitet seit 1997 als unabhängiger Industrieberater und
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in Singers Finanz-Blog

Das mediale Trommelfeuer zur Einstimmung der Deutschen auf Inflation geht weiter. Kürzlich schrieb Joachim Fels, Chefvolkswirt von Morgan Stanley Deutschland, in der FAZ, es sei sehr wichtig, die deutsche Öffentlichkeit darauf vorzubereiten, dass höhere Inflation in diesem Jahrzehnt unausweichlich ist.

Fels weiter: Selbst wenn die EZB tatsächlich das Inflationsziel von jährlich zwei Prozent Geldentwertung im Euroraum erreichen kann, bedeutet das, dass die Preise in Deutschland stärker steigen werden müssen. Die Krisenländer hingegen könnten nur durch Lohn- und Preiszurückhaltung wieder wettbewerbsfähig werden.

Das wäre die Umkehr der Verhältnisse im ersten Jahrzehnt dieses Jahrtausends, als die Inflationsrate in den anderen Eurozonen-Ländern, insbesondere in den PIIGS, höher war als in Deutschland. In Spanien und anderen Euroländern zogen die Löhne an, die Inflationsraten lagen dort lange Zeit über dem europäischen Durchschnitt, an den Immobilienmärkten gab es deutliche Preissteigerungen. Deutschland hingegen wuchs über weite Strecken nur langsam, die Arbeitslosigkeit war hoch, die Lohnsteigerungen gering. (Zum Thema auch “Europhorie“!)

Deutschland werde für längere Zeit mit einer höheren Inflation leben müssen, so Fels. Diese Phase werde mit kräftigem Beschäftigungswachstum und beschleunigten Lohn- und Rentensteigerungen einhergehen. Auch sei ein Höhenflug der Immobilienpreise zu erwarten. Woher er den Glauben an Wachstum von Beschäftigung und Löhnen nimmt, schreibt er nicht.

Fels ist jedenfalls optimistisch. Das Inflationsgespenst in Deutschland werde viel von seinem Schrecken verlieren, wenn…, ja wenn es der Finanzpolitik und -aufsicht gelänge, Kredit- und Immobilienblasen zu verhindern. Und woher er den Optimismus diesbezüglich hernimmt, sagt er auch nicht.

Der ehemalige Chefvolkswirt der EZB, Stark, hatte in einem der letzten Interviews seiner Amtszeit gesagt, die Zentralbank habe rechtzeitig gewarnt vor den Fehlentwicklungen in der Eurozone, die zu der gegenwärtigen Krise geführt haben. Instrumente für die fälligen Anpassungen wären auf den nationalen Ebenen vorhanden gewesen. „Der Immobilienboom in einigen Ländern hätte ohne weiteres mit aufsichtsrechtlichen und steuerlichen Instrumenten gebremst werden können“, sagte Stark in Anspielung auf Entwicklungen in Spanien und Irland.

Wenn das so ist, was ich nicht bezweifele, dann dürfte die Hoffnung von Fels, dass es diesmal gelingt, eine Asset-Blase zu verhindern, doch ziemlich irreal sein. Denn geändert hat sich nichts am politischen Umfeld, auch nicht an der EZB – im Gegenteil. Die tut mit ihren LTROs alles, um eine neue Schuldenblase zu erzeugen.

Der vor kurzem gestorbene Volkswirt Roland Baader hatte die aktuelle Lage der Weltwirtschaft in seinem letzten Buch mit dem Titel „Geldsozialismus“ so zusammengefasst: „Was wir in den letzten Jahrzehnten im Kreditrausch vorausgefressen haben, werden wir in den nächsten Jahrzehnten nachhungern müssen. Es wird furchtbar werden.“

Schulden sind im Kapitalismus heilig. Sie müssen immer zurückgezahlt werden – wenn auch nicht unbedingt von denen, die sie verursacht haben. Denen werden die Ihrigen auch schon mal erlassen. Umso stärker müssen dann andere bluten, die Sparer und Steuerzahler und die kommenden Generationen.

Der Betrug der Inflation beginnt nach Baader mit dem „fiat-money“-System an sich. Beim ungedeckten Papiergeld ist die Teuerung systemimmanent. Die zur Geldvermehrung betriebene Niedrigzinspolitik verbilligt den Einsatz von Kapital gegenüber dem Faktor Arbeit. Die Preise von Vermögensgütern steigen, ihre Besitzer können sich gegen Inflation dadurch besser schützen als die arbeitende Bevölkerung. So vergrößert sich die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter.

EZB-Draghi zieht mit Charme-Offensiven durchs Land und Fels versucht, die schönste aller Welten herbeizureden – es wird heftig daran gearbeitet, die Inflation in Gang zu bringen. Die nächste Blase entsteht und auch diese platzt.

Fels verstieg sich in seinem FAZ-Artikel sogar zu der Forderung, die Deutschen müssten die Inflation lieben lernen. Das ist doch eher zweifelhaft – insbesondere nachdem die nächste Blase geplatzt ist.

Zum Thema des Inflationsgleichgewichts in der laufenden Angleichungsphase der Eurozone hat Goldman Sachs übrigens ausgerechnet, dass bei einem Inflationsziel von 2% für die gesamte Eurozone die Preissteigerungen in Deutschland über zehn Jahre bei 3,3 bis 4,7% liegen müssten.



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26
Mär
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Wo ein Weg ist, ist noch lange kein Wille

Geschrieben von Klaus G. Singer
Klaus G. Singer
Klaus Singer (Jg 1947) arbeitet seit 1997 als unabhängiger Industrieberater und
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EZB-Chef Draghi scharwenzelt um die Deutschen herum und bemüht selbst preußische Traditionen, um Ängste vor (zu viel) Inflation zu nehmen. Alle schönen Worte in der Bild-Zeitung und anderswo ändern nichts: Mit den beiden LTROs und mit dem (mittlerweile unterbrochenen) Ankauf von PIIGS-Staatsanleihen betreibt die EZB indirekt das, was ihr in den europäischen Verträgen als direkte Maßnahme verboten ist – Staatsfinanzierung.

An der Quittung für diese Politik wird noch gedruckt. Immerhin musste die EZB schon ihre Prognose für die Inflationsrate 2012 hoch setzen – auf 2,4%. Zur Erinnerung: Ihr Inflationsziel liegt bei 2%. Beobachter warnen vor einer inflationären Bewegung, wie etwa Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank: Erste Anzeichen liefere der deutsche Immobilienmarkt, jetzt komme es auf die nächsten Tarifabschlüsse an. Eine Lohn-Preis-Spirale könnte sich in Bewegung setzen.

Draghi und sein Chefvolkswirt Praet haben alles im Griff, sagen sie und verweisen auf ihr Instrumentarium. Solche Mittel gibt es, sie laufen im Kern darauf hinaus, dass die EZB Kredite bei den Geschäftsbanken aufnimmt. So wie sie zuvor etwa durch die LTRO-Kredite Geld in den Finanzsektor gepumpt hat, so kann es auch wieder eingesammelt werden („sterilisiert“) werden. (Die Fed diskutiert etwas Ähnliches, um die Gemüter zu beruhigen).

Wo ein Weg ist, ist noch lange kein Wille.

Wenn die EZB anfängt, Liquidität mehr als nur in homöopathischen Dosen einzusammeln, gibt es einen Aufschrei. Großbanken werden damit drohen, Kredite an die Realwirtschaft einschränken zu müssen, Asset-Preise kommen schon mal vorsorglich unter Druck, um zu zeigen, was alles passieren könnte. Nicht zuletzt werden die PIIGS-Staaten aufschreien, weil ihre Schuldzinsen anziehen.

Die EZB hat sich mit ihrer LTRO-Politik den „Märkten“ ausgeliefert (siehe hier und hier!). Es spielt keine Rolle, ob sie (notleidende) Staatsanleihen direkt in ihrer Bilanz hat oder ob sie bei den Geschäftsbanken lagern, die diese wiederum gegen Kredite an die EZB verpfändet haben. Durch die LTRO-Politik ist die EZB sogar noch viel abhängiger von den „Märkten“ geworden, als wenn sie PIIGS-Bonds direkt gekauft hätte. Von der LTRO-Summe floss nur ein Teil in Staatsanleihen, ein nicht unbeträchtlicher weiterer Teil dient zur Refinanzierung der Banken.

Zur Angleichung innerhalb der Eurozone gibt es nur zwei Wege: Inflation in der Nord- oder Deflation in der Südzone. Die Südländer haben im EZB-Rat die Mehrheit. Damit ist klar, was im Zweifelsfall geschieht: Wenn es für Deutschland z.B. notwendig wäre (bzw. schon ist), die Zinsen zu erhöhen, wird das nicht geschehen. (Historisch gesehen ist das die (invertierte) Wiederholung des Fehlers bei Einrichtung der Eurozone, als der einheitliche Zinssatz für die Süd-Länder zu niedrig war). Aber auch ohne PIIGS-Mehrheit im EZB-Rat wird die EZB zu spät reagieren, weil steigende Zinsen die Rückzahlung der von ihre ausgereichten Kredite gefährden könnte (so zumindest die „überzeugende“ Argumentation der „Märkte“, wenn es denn eines Tages auf der Agenda steht).

Inflation ist für hoch verschuldete Staaten der leichteste Weg, sich zu entschulden. Damit das funktioniert, müssen letztlich auch Kapitalverkehrskontrollen her. Eine Art Kapitalverkehrskontrolle gibt es schon: Die Schweizer Notenbank hat den Franken gegen Euro bei 1,20 festgetackert. Weitere werden folgen.

Der andere Weg der Entschuldung wären höhere Steuern. Das ist bei den Politikern unpopulär, sie wollen schließlich nach all dem Desaster, was auch sie angerichtet haben, wieder gewählt werden. Die kalte Enteignung der privaten Geldvermögen ist da schon „eleganter“.

Eine nachhaltig inflationäre Entwicklung ist auch makroökonomisch gefährlich. Sie führt zu einer Verzerrung der Preise. Die Preise der „notwendigen“ Güter steigen stärker als andere. Das sieht man aktuell z.B. bei den Energiekosten. Im nächsten Schritt unterbleiben dann Investitionen in Bereichen, die die Produktivität der Wirtschaft und ihre Innovationskraft bestimmen. Und daher wichtig wären für den künftigen Bestand unserer Wirtschaftsräume.

Noch hält sich die Inflation in Grenzen – die Wege aber werden bereitet. Und ein Wille fehlt.



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Feb
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EZB: Frankfurter Müllschlucker

Geschrieben von Klaus G. Singer
Klaus G. Singer
Klaus Singer (Jg 1947) arbeitet seit 1997 als unabhängiger Industrieberater und
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Die Zinsen im Euroraum bleiben auf dem Rekordtief von 1,0%. Das hat die EZB gestern wie erwartet beschlossen. Entscheidend ist das nicht, denn längst sind andere Mittel angesagt, um den Finanz-Sektor mit Liquidität zu fluten: Stichwort LTRO. Der nächste ist für den 29. Februar angesetzt, Beobachter erwarten, dass europäische Banken dann um Zentralbankkredite von bis zu einer Billion Euro anstehen könnten.

Damit soll eine Kreditklemme verhindert werden, was die ohnehin schwächelnde Konjunktur weiter belasten würde. So die offizielle Begründung. Entscheidend dürfte aber sein, dass dadurch die Banken in die Lage versetzt werden, hochverzinsliche europäische Staatsanleihen zu kaufen, was die Rendite drückt und den PIIGS-Ländern den Schuldendienst erleichtert. Und die reicht man dann beim nächsten LTRO als Sicherheiten ein gegen neue Kredite, mit denen man dann hochverzinsliche… (Hat da jemand was von Schneeballsystem gesagt?)

EZB und nationale Zentralbanken der Eurozone senken die Qualitätsanforderungen an die Sicherheiten weiter, die sie im Rahmen ihrer Ausleihungen an Geschäftsbanken verlangen. Mit anderen Worten: Sie werden sich zukünftig (noch) stärker als Müllschlucker betätigen. Die Entscheidung erweitert das Volumen der in Betracht kommenden Sicherheiten um rund 600 Mrd. Euro. Bei schlechteren Sicherheiten soll ein Abschlag von etwa 2/3 angesetzt werden. So könnten beim LTRO am 29. Februar immer noch zusätzliche 200 Mrd. Euro geliehen werden. Allein in Italien könnten es zusätzliche 90 Mrd. Euro sein, heißt es.

Die nationalen Zentralbanken können jetzt nach Bedarf unterschiedliche Anforderungen an die Qualität der Sicherheiten stellen. Das Ausfallrisiko soll bei ihnen verbleiben und nicht auf das Eurosystem übertragbar sein. Schöne Worte – im Fall der Insolvenz einer nationalen Zentralbank und des dazugehörigen Staates fallen die Belastungen in jedem Fall auf das Eurosystem zurück.

Die FT berichtet, „Insidern zufolge wollen unter anderem Italien, Frankreich, Portugal und Österreich entweder Kreditforderungen als Sicherheiten einführen oder ihre Sicherheitsstandards senken. Die Länder hoffen, dass sich ihre Banken dann mehr Geld bei der EZB beschaffen können.“

Der Aufkauf besicherter Bankanleihen, die zusätzlich mit Immobilienkrediten oder Staatsschulden besichert sind (Covered Bonds), durch die EZB soll die Geschäftsbanken bei der Refinanzierung unterstützen.

Bis hierher ging es um Müllbeschaffung, nachfolgend geht es um Müllentsorgung.

Die EZB überträgt ihre griechischen Staatsanleihen im Wert von etwa 45 Mrd. Euro ohne Gewinn oder Verlust an den Rettungsfonds EFSF, die sie im Mai 2010 mit einem Abschlag von rund 25% gekauft hatte. Wenn die EFSF diese eins zu eins an die griechische Regierung durchreicht, dürfte das die ausstehenden Schulden des Landes um rund 11 Mrd. Euro senken.

Der Schachzug entlastet die EZB in zweifacher Hinsicht. Einerseits entgeht sie dadurch der Diskussion um eine Beteiligung am griechischen Schuldenschnitt, zweitens vermeidet sie, einen Verlust ausweisen zu müssen. Das würde nämlich die Politiker-Parole entlarven, dass die Staatenrettungen nichts kosten, weil auf Kredit finanziert. Und drittens entgeht die EZB dem Vorwurf, sich an der Staatsfinanzierung zu beteiligen, was formal nicht zulässig ist.

Draghi sagte auf der gestrigen EZB-Pressekonferenz, er lehne weiterhin „jeden Trick“ ab, die EZB-Verträge zu umgehen, die die direkte Finanzierung von Staatsschulden durch die EZB verbieten. Wenn der LTRO kein Trick ist

Die Börsenzeitung schreibt laut Eurointelligence dazu: Das Eurosystem geht zu Ende. Die EZB-Entscheidung, die Sicherheitsanforderungen zu lockern und die genaue Festelegung den einzelnen Länder-Zentralbanken zu überlassen, bedeutet, dass die Geldpolitik der EZB keinen einheitlichen Rahmen mehr hat.

Ja, das stimmt. Die künftig national unterschiedlichen Regeln stellen die einheitliche Geldpolitik im Euroraum infrage. Verschiedentlich hört man dazu schon das Wort von der „Balkanisierung der Eurozone”.

In der Euro-Krise gehen die Notenbanken zur Stützung der Währungsunion immer größere Risiken ein. Wer trägt die am Ende? Die Bevölkerung.

Kurz zur „großen Hallig“: Die britische Notenbank gibt weiter Gas in der Geldpolitik. Sie will innerhalb der nächsten drei Monate britische Staatsanleihen vor allem mit kürzeren Laufzeiten im Wert von 50 Mrd. Pfund kaufen. Dieser Schritt war erwartet worden, nachdem die britische Wirtschaft Ende 2011 geschrumpft ist. Bislang hat die BoE Anleihen im Volumen von 275 Mrd. Pfund gekauft. Der Leitzins bleibt erwartungsgemäß bei 0,5%, wo er schon seit fast drei Jahren liegt.

War noch was? Ach ja, Griechenland – eine Einigung über Schuldenschnitt und Spardiktat der Troika scheint erreicht. Geld gibt es trotzdem erst mal nicht, die Eurozonen-Finanzminister wollen zunächst Taten der griechischen Regierung sehen. Viel Zeit haben sie nicht. Griechenland droht ohne weitere Notkredite am 20. März die Pleite, dann muss das Land Altschulden in Höhe von 14,5 Mrd. Euro tilgen.

Zum Thema “Müll” fällt mir noch Target2 ein: Die Forderungen der Deutschen Bundesbank gegenüber der EZB aus Target2 stiegen im Januar weiter an, nämlich um fast 35 Mrd. Euro auf nun gut 498 Mrd. Euro. Im Jahresvergleich beträgt die Zunahme fast 65%.


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Jan
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IWF-Wirtschaftsausblick: Hohe Risiken

Geschrieben von Klaus G. Singer
Klaus G. Singer
Klaus Singer (Jg 1947) arbeitet seit 1997 als unabhängiger Industrieberater und
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Der aktuelle Ausblick des IWF (“World Economic Outlook (Update)“) sieht die Weltwirtschaft in einer gefährlichen neuen Phase. Die strukturellen Probleme seien ungelöst, das Vertrauen sei deutlich gesunken, die Risiken nehmen zu, heißt es dort. Weiter ist von einer Reihe externer Schocks die Rede, die das Weltwirtschaftssystem erschüttern können.

Das geschilderte Szenario sei noch relativ optimistisch, sagt der IWF. So sei bereits einkalkuliert, dass es auf der politischen Ebene der Eurozone deutliche Fortschritte in Sachen Lösung der Schuldenkrise gibt. (Welche?)

In den USA hat es die private Wirtschaft laut IWF nicht geschafft, die staatlichen Anreizprogramme in einen selbsttragenden Aufschwung umzusetzen. In Europa gehe die Schuldenkrise weiter. Die Strukturprobleme in den Industrieländern seien hartnäckiger als bisher gedacht (oder gehofft – siehe hierzu auch “Wege aus der Schuldenkrise“).

Der Weltwirtschaft steht laut IWF in 2012 eine deutliche Abkühlung bevor, sie werde nicht um vier Prozent wachsen, wie im September vorhergesagt, sondern nur um 3,3%. Der Eurozone droht mit minus 0,5% Zuwachs eine Rezession, Deutschland ist für ein kleines Wachstums-Plus gut. Bei Spanien und Italien wurden die Wachstumsaussichten gegenüber der letzen Vorhersage am deutlichsten nach unten korrigiert. Hier liegt auch das größte Belastungspotenzial. Davon werden auch die Schwellen- und Entwicklungsländer betroffen, sie müssen mit einem schwächeren Wachstum von 5,4% rechnen.

Für Spanien sagt der IWF in einer separaten Mitteilung voraus, dass das Land seine Defizit-Ziele verfehlen wird. Das Budget-Defizit wird für 2011 wahrscheinlich 8% betragen, 6,8% in 2012 und 6,3% in 2013 (vorherige Prognose: 3%). Das Land sollte auch noch nicht einmal versuchen, die alten Defizitziele zu erreichen, das brächte nur zusätzliche Instabilität. Laut IWF falle Spanien in eine zwei Jahre anhaltende Rezession.

Der IWF sieht die Lage damit immer noch positiver als die Weltbank, die in ihren Wirtschaftsausblick für 2012 ein Wachstum der Weltwirtschaft von nur noch 2,5% sieht. (Das liegt nach allgemeinem Verständnis schon nahe bei einem rezessiven Szenario – Rezession hier typisch unter 2,5%).

Beide sind sich aber einig: Die schlechte Verfassung der Eurozone ist hauptsächlich verantwortlich für die globale Wirtschaftsschwäche.

Die Ratschläge des IWF an die Eurozone: Wachstum fördern, zugleich Staatsfinanzen in Ordnung bringen. Außerdem sei wichtig, die Mittel der Euro-Rettungsschirme ausreichend zu dimensionieren. ESM und EFSF sollten aufgestockt werden.

Die EZB soll nach den Vorstellungen des IWF die geldpolitischen Zügel weiterhin schleifen, äh, locker lassen, da noch mehr Liquidität benötigt wird. Zudem soll sie nach wie vor Staatsanleihen von Krisenstaaten wie Italien oder Spanien kaufen, und das „voll engagiert“. Die Banken der Eurozone sollten weitere Kapitalspritzen erhalten -auch aus öffentlichen Quellen– und beim Schuldenabbau nicht “übermäßig schnell” vorgehen, ansonsten droht eine “verheerende Kreditklemme”.

Laut IWF sei jetzt internationale Abstimmung dringend erforderlich. Nicht jedes Land könne die Krise auf die gleiche Weise bekämpfen, die Maßnahmen in den einzelnen Ländern müssten sich ergänzen. So sollten z.B. die Länder der Eurozone mit niedrigen Zinsen und finanziellem Spielraum bei der Haushaltskonsolidierung eher langsamer voranschreiten und stattdessen konjunkturpolitisch „aufdrehen“. Wenn das keine Anspielung auf Deutschland ist, die europäische Konjunkturkarre aus dem Dreck zu ziehen…

Der IWF warnt alle Länder davor, das Sparen zu übertreiben, weil es das Wirtschaftswachstum zu stark bremst. Das geht auch an die Adresse von Schwellenländern wie China und Brasilien, die wenn nötig die Konjunktur stützen sollten.

Der Absturz der Weltwirtschaft in die Rezession kann nur verhindert werden, so der Tenor des IWF, wenn Wachstumsförderung und finanzielle Konsolidierung ausbalanciert würden.

Das Wichtigste zum Schluss: Der beim IWF für Fiskalpolitik zuständige Carlo Cottarelli, vormals Bank of Italy, hat Pressemeldungen zufolge entdeckt, dass die Märkte nicht nur auf ausgeglichene Haushalte schauen.

Ich wage zu behaupten, ausgeglichene Haushalte gehören aus Sichte der „Märkte“ eher zu den uninteressanteren Aspekten. Hauptsache, man kann an Schuldscheinen gut verdienen und findet immer jemanden, der sie einem wieder abkauft – und zwar teurer als man sie selbst gekauft hat. (Und zur Not an eine Zentralbank).

Lassen wir das – nachfolgend zwei Charts aus einer Präsentation von Cottarelli. Der erste zeigt den Zusammenhang zwischen Staatsverschuldung und Defizit, der zweite den Zusammenhang zwischen staatlichem Anreiz und Auswirkung auf die BIP-Entwicklung (wenn Sie so wollen, eine Art Keynessscher Multiplikator).


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