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Bildung boomt in Wien

Geschrieben von Markus Glassl
Markus Glassl
Markus Glassl ist zertifizierter SAP-Consultant mit den Schwerpunkten ABAP-Workb
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in Mensch und Karriere

Innovative Ansätze und Kongresse im ersten Halbjahr 2012.

Es tut sich was in Wien, das kann, erstaunlicherweise und auch gerade als Reaktion auf das Bildungsvolksbegehrens und kritischen Anmerkungen zu Pisa, gesehen werden: Es beginnt sich eine andere Art des Unterrichts und eine neue Art des Lernens in den Köpfen der Betroffenen zu etablieren. Ich denke hier vor allem an die Ergebnisse für gehirngerechtes Lehren und Lernen von Prof. Gerald Hüther oder Prof. Manfred Spitzer. Mindestens ebenso aktuell wie spannend sind für mich aber auch Konzepte zur realitätsnahen Aus- und Weiterbildung, wie z. B. Blended Learning in Kombination mit Coaching on the Job.

Das WIFI Wien veranstaltete am 23. und 24. März erstmals einen eigenen Trainerkongress. Diese Veranstaltung wurde gemeinsam mit dem WIFI Management Forum und dem Team der WIFI Trainer Aus- und Weiterbildung heuer im März abgehalten. Ziel war es innovative und kreative Lehr- und Lernkonzepte, aktuelle Entwicklungen der Didaktik und des Trainingsmarktes kennenzulernen, sich auszutauschen und Synergien zu nutzen.

Auf der "[aha]-Konferenz – Lernen gestaltet Zukunft" am 13. und 14. April wurden Erkenntnisse der Didaktik nicht nur theoretisch weiter gegeben, sondern in zahlreichen Workshops auch in die Praxis umgesetzt. Ziel der Veranstaltung war es einem Forum Gelegenheit zu schaffen, unterschiedliche Zugänge, Methoden und Anwendungen diskutieren und mit der eigenen Praxis vergleichen zu können. Der wichtigste Punkt aus der Key-Note-Speach von Prof. Hüther war für mich: „Die Wissenschaft weiß bereits, wie optimales Lernen funktioniert. Dieses Wissen müßte nur noch angewendet werden!“

Erster Wiener Kongress für Mentale Stärke am 29. und 30. Juni 2012
Dieser Kongress will, wenn man die offizielle Ausschreibung durchliest, seine Besucher vor allem mit den neuesten Forschungsergebnissen der Hirnforschung und der dadurch möglichen mentalen Trainingstechniken konfrontieren:

„Vieles geschieht in unseren Köpfen, von dem wir nicht das Geringste mitbekommen. Dennoch führt es zu Lernprozessen und hat große Auswirkungen auf unser Leben. Diese von manchen Wissenschaftlern als unheimliche Automatizität des Daseins bezeichnete Eigenschaft unseres Geistes war gerade in jüngster Zeit Gegenstand intensivster Forschungsbemühungen.“ Prof. Manfred Spitzer hält eine Key-Note zum Thema "Gedanken, Gefühle, Bilder und Handlunge".

Mehr dazu unter www.mentalkongress-wien.at


Für Report-Leser gibt es einen 15-%-Rabatt auf den Tagungspreis mit folgendem Gutscheincode: „ICErfolg15“


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Von der Vision zur Realität

Geschrieben von Axel Dick
Axel Dick
Axel Dick ist Prokurist für den Bereich Marketing der Quality Austria. In seinen
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in Qualität und Effizienz

Ressourceneffizienz systematisch managen – von der Vision zur Realität. Faktor 4, Faktor 5 oder auch Faktor 10 waren prominente und visionäre Buchtitel in den letzten Jahren. Gefeierte Wissenschaftler wie Ernst Ulrich von Weizsäcker und Friedrich Schmidt-Bleek forderten radikale Effizienzrevolutionen. Wie ist der Status-Quo? Haben die Revolutionen stattgefunden?

Rohstoffe im langfristigen Trend mehr als doppelt so teuer geworden. Die Analyse der Deutschen Bundesbank zeigt die Entwicklung der Rohstoffpreise in Form des HWWI-Rohstoffpreisindex "Euroland" ohne Energie sowie inkl. Energierohstoffe. Die Basislinie 100 % liegt im Jahr 2010. Die Betrachtung des letzten Jahrzehntes macht klar, dass sich die Rohstoffpreise im Gesamttrend deutlich verteuert haben. Im Jahr 2001 liegt der Index bezogen auf das Jahr 2010 bei 59,6 %, im Jahr 2011 bei 114 %. Dies entspricht einer knappen Verdoppelung seit Jänner 2000. Der Index HWWI Rohstoffpreis inklusive Energierohstoffe zeigt im Zeitverlauf ein ähnliches Muster, allerdings ist er volatiler und die Steigung der Trendlinie ist insgesamt steiler. Jänner 2000 lag dieser Index bei 40,9 % und stieg auf 135,7 % im September 2011. Der Trend der letzten elf Jahre zeigt aber insgesamt eine deutliche Verteuerung der Rohstoffe und der Energierohstoffe.

Die deutsche demea Materialeffizienzagentur hat für einen typischen Gewerbebetrieb die Kostenstruktur analysiert. Die Materialkosten liegen gerundet bei 45 %, die Personalkosten 19 %, die Kosten für Handelsware bei 12 %, die Kosten für Steuern über 3 %, für Abschreibungen bei knapp 3 %, für Lohnarbeiten bei über 2 % und für Energie ebenso bei 2 %. Die Differenz auf 100 % setzte sich zusammen aus Dienstleistungen, Fremdkapitalzinsen und Sonstiges.

Laut Statistik Austria lag der der Energie-Endverbrauch in Österreich im Jahr 2000 bei 943.904 Terajoule (TJ), erreichte im Jahr 2005 ein Maximum mit 1.125.089 TJ und betrug im Jahr 2009 1.057.271TJ. Laut Statistik Austria sank im Jahr 2009 der Energetische Energieverbrauch gegenüber 2008 um 4,0 % auf 1.057.271 TJ und damit unter das Niveau von 2003 (1.066.323 TJ). Die Wirtschaftskrise führte zu einem Rückgang des Energieeinsatzes in der Industrie um 3,3 % auf 307.730 TJ, der damit unter dem Niveau von 2005 (308.451 TJ) liegt. Beim Verkehr war der Rückgang mit -3,4 % sogar noch etwas höher. Im Gegensatz dazu stieg der Energiekonsum der privaten Haushalte um 0,3 % auf 260.932 TJ leicht an. Der Energie-Endverbrauch im Jahr 2009 setzt sich vor allem aus den Bereichen Transport mit 33,8 % sowie Sachgüterproduktion mit 29,1% zusammen, dicht gefolgt von den Haushalten mit 24,7 %. Auf den Dienstleistungsbereich entfallen 10,3% und auf die Landwirtschaft nur 2,1 %.

Erste Schritte zur Energieeffizienz
Laut Statistik Austria konnte auch das Wirtschaftswachstum vom Energieverbrauch bereits etwas entkoppelt werden. In der Sachgüterproduktion ist die Energieintensität (Energetischer Endverbrauch je Bruttowertschöpfung real) von 100 % im Basisjahr 1990 auf 93 % im Jahr 2009 gesunken. Das ist ein erster wichtiger Erfolg, aber noch weit weg von der geforderten Effizienzrevolution.

Ressourceneffizienz um Faktor 2,5 gesteigert
Der erste Bericht „Ressourcennutzung in Österreich 2011“ kommt zu folgenden Ergebnissen: Der österreichische Ressourcenverbrauch ist ab 1960 von 114 Millionen Tonnen um 83 Millionen Tonnen auf 197 Millionen Tonnen im Jahr 2008 angestiegen. Dies entspricht einem Pro-Kopf-Verbrauch von 24 Tonnen pro Jahr. Die wesentlichen Verbraucher sind die Entnahme im Inland, der Bergbau und die Landwirtschaft. 88 Millionen Tonnen wurden dabei im Jahr 2008 importiert, vor allem fossile Energieträger und Metalle. Wenn man in Folge der internationalen Arbeitsteilung berücksichtigt, dass für die österreichische Wertschöpfung auch materialintensive Verarbeitungsprozesse im Ausland erfolgen, erhöht sich der Gesamtressourcenverbrauch weiter. Dabei sind bereits Exporte in der österreichischen Materialflussrechnung berücksichtigt worden. Der Pro-Kopf-Verbrauch in Österreich steigt damit von 24 Tonnen auf 30 Tonnen pro Jahr. Der Bericht zeigt aber auch auf, dass der Ressourcenverbrauch in Österreich insgesamt deutlich höher ist als bisher angenommen. Dies ist eine Erkenntnis aus der besseren Datengrundlage. Der Ressourcenverbrauch stieg um über 70% in den letzten 50 Jahren, die Wirtschaftsleistung stieg im gleichen Zeitraum um 325 %. Die Ressourceneffizienz stieg um 146 %. Die Ressourceneffizienz konnte damit um einen Faktor 2,5 gesteigert werden. Die Richtung stimmt, aber der Faktor müßte mindestens doppelt so hoch liegen, um den wissenschaftlichen Vision zu genügen.

Eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts beschäftigt sich mit der Materialeffizienz in produzierenden Betrieben. Durch effizienteren Einsatz seien Materialeinsparungen von durchschnittlich sieben Prozent möglich. Die Betriebe könnten so in Deutschland pro Jahr etwa 48 Milliarden Euro einsparen. Betriebe setzen dabei vermehrt auf Konzepte zur Steigerung der Materialeffizienz wie die Verwertung von Reststoffen zur Energieerzeugung, Einsatz von Recyclingmaterialien, Rücknahme von Produkten nach ihrer Nutzungsphase, Trockenbearbeitung oder  neuartige Werkstoffe wie nachwachsende Rohstoffe. Bei Investitionsentscheidungen werden die gesamten Lebenszykluskosten betrachtet.

Eine Verbesserung der Materialeffizienz ist daher sowohl betriebs- als auch volkswirtschaftlich sinnvoll. Trotzdem schöpfen viele Betriebe die Potenziale zur Materialeinsparung bei weitem nicht aus. Folgende Hemmfaktoren wurden identifiziert:

*      mangelnde Kenntnis über das in den Betrieben vorhandene Einsparpotenzial

*      mangelnde Informationsverfügbarkeit über Ansätze zur Materialeffizienz

*      fehlende Personalkapazität

*      hoher organisatorischer Aufwand

*      hoher Investitionsbedarf und zu lange Amortisationszeiten

Der erste Schritt wäre eine klare Input-Output-Analyse entlang der Wertschöpfungskette. (Energiebuchhaltung, Stoffstromanalyse,…). Es lohnt sich.

Quelle: Geschichte der Umweltpolitik in der Europäischen Union Die Beiträge von Managementsystemen und speziellen Umweltprogrammen zur Realisierung der EU-Umweltpolitik in Österreich; Wolfgang Hackenauer, Axel Dick, 1. Auflage, Wien 2012, Herausgeber: Quality Austria


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USA: Rezession im zweiten Halbjahr?

Geschrieben von Klaus G. Singer
Klaus G. Singer
Klaus Singer (Jg 1947) arbeitet seit 1997 als unabhängiger Industrieberater und
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Das ECRI-Institut hat erneut die Erwartung bestätigt, dass es in der zweiten Jahreshälfte 2012 zu einer Rezession der US-Wirtschaft kommt. Darauf weist u.a. der Weekly Leading Indicator des Instituts hin, der eine beachtliche Treffsicherheit aufzuweisen hat.

Das klingt zunächst überraschend, schreibt das ECRI, aber Rezessionen beginnen oft, wenn das BIP-Wachstum noch positiv ist. So der Fall bei vier der zurückliegenden sechs Rezessionen. Das gilt auch für 72% aller Rezessionen der zurückliegenden 94 Jahre.

Zum Beispiel zeigte das Start-Quartal der großen Rezession 2007 bis 2009 noch ein BIP-Wachstum von 1,7%, die heftigen Rezessionen der Jahre 1973 bis 1975 und 1981/1982 begannen mit einem BIP-Wachstum von 3,9%, bzw. 4,9%.

Außerdem kommt es häufig zu nachträglichen Revisionen der BIP-Daten, so dass erst im Nachhinein klar wurde, dass eine Rezession bereits begonnen hat. In den sechs zurückliegenden Rezessionen dauerte es rund ein halbes Jahr, bis die BIP-Veränderungen negativ wurden. Es dauerte sogar mehr als ein Jahr, bis klar war, dass das BIP schon während des ersten Quartals der Rezession 2001 um 1,3% kontrahierte. Ursprünglich war ein Zuwachs von 2,0% berichtet worden. Der BIP-Zuwachs für das erste Quartal 2012 wird mit 2,2% errechnet – folgt hier auch bald die Abwärtsrevision?

Im August 2008 –kurz vor dem Lehman-Pleite- wurde das BIP für die ersten beiden Quartale noch aufwärts revidiert. Das hatte seinerzeit zu einem Freudensprung bei den Aktienindices geführt. Jetzt wissen wir, dass das BIP im ersten Quartal 2008 schrumpfte und für das zweite um zwei Prozentpunkte abwärts revidiert wurde, schreibt das ECRI.

Als Daumenregel gilt oft, dass eine Rezession vorliegt, wenn das BIP zwei Quartale hintereinander schrumpft. Zwei der zurückliegenden acht Rezessionen erfüllten diese Daumenregel nicht – und doch lag eine Rezession vor.

Vor vier Jahren, im Mai 2008, hatte das ECRI schon einmal eine Rezession angekündigt. Damals zweifelten viele. Sie wurde sogar die schwerste der zurückliegenden mehr als 50 Jahre.

Es gibt vier Schlüsselelemente, die entscheiden, ob eine Rezession aufzieht: Output, Beschäftigung, Einkommen und Umsätze. Aktuell macht das ECRI die Rezessionserwartung v.a. am schwachen Arbeitsmarkt fest. Seit Februar hat sich der Job-Zuwachs abgeschwächt. In den zurückliegenden 60 Jahren haben wir keine wirtschaftliche Abschwächung gesehen, bei der der jährliche Job-Zuwachs so deutlich zurückgegangen ist, ohne dass es bisher zu einer Rezession gekommen ist. Das sei „ominös“, schreibt das ECRI.

Gleichzeitig ist das jährliche Wachstum des realen persönlichen Einkommen niedriger als beim Start jeder der zurückliegenden zehn Rezessionen. Bei der populären Erwartung, mehr Jobs führten zu mehr Konsum, fehle das Bindeglied „Einkommenswachstum“, schreibt das ECRI.

Die folgenden Charts untermauern die Bemerkungen des ECRI:

Das reale verfügbare persönliche Einkommen (DSPIC) untermauert das, was das Institut zum Einkommenswachstum ausführt. Der Chart zeigt dies zumindest für die drei jüngsten Rezessionen. Per März 2012 lag der Jahreszuwachs bei 0,61%. Die Zahlen im einzelnen für das jährliche DSPIC-Wachstum zu Beginn früherer Rezessionen: Dezember 2007 1,53%; März 2001 2,12%; Juli 1990 2,87%; Juli 1981 4,25%; Jan 1980 1,94%; November 1973 3,87%.

USA: Verfügbares persönliches Realeinkommen

Die jährliche Steigerungsrate der Arbeitsplätze in der US-Wirtschaft zeigt seit 1995 abnehmende Zuwächse, repräsentiert durch die abfallende blau gestrichelte Linie im unteren Chart. Zuvor waren die Spitzen der Zuwächse 40 Jahre gleich groß (Linie verläuft waagerecht). Die sogar gegen die Rezession 2001 schwache Erholung der Zahl der Jobs ist aus dem großen Chart ersichtlich.

Verbindet man die Spitzen der jährlichen Zuwächse beim Konsum (PCE), so erhält man seit 2000 eine fallende Linie – die Zuwächse nehmen im Zeitablauf ab. Die US-Wirtschaft ist zu mehr als zwei Dritteln vom Konsum abhängig.

Schließlich bewegt sich der „Diffusionsindex“ aus der Industrieproduktion (INDPRO), der Entwicklung der Arbeitsplätze (PAYEMS), dem verfügbaren realen Einkommen (SPIC) und den Konsumausgaben (PCE) seit Juli 2011 unter der Scheidelinie von 50%. Im langfristigen Verlauf fällt zudem auf, dass sich der Index immer weniger über die 50%-Linie erhebt.

Der eingeschlagene Trend führt sehr deutlich in Richtung weiterer wirtschaftlicher Agonie. Wie schon die Phase zwischen 2003 und 2007 zeigte, ist das allerdings keineswegs gleichbedeutend mit einer entsprechenden Ansage etwa für die Aktienmärkte.

Um den eingeschlagenen makroökonomischen Trend umzukehren, würde wahrscheinlich auch die größte Liquiditätsflut aller Zeiten nicht ausreichen. Erforderlich sind gravierende strukturelle Reformen des gesamten Wirtschaftssystems.

Wenn schon Liquidität kein Medikament gegen makroökonomische Agonie ist – was sie an den Finanzmärkten bewirken würde, steht auf einem anderen Blatt. Wann beginnen die Akteure hier, auf weitere QE-Maßnahmen der Fed, bzw. LTROs der EZB zu wetten?



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Warum wird Testen als zu teuer wahrgenommen?

Geschrieben von Wolfgang Kuzel
Wolfgang Kuzel
Geb. 1959 in Wien, 2 Kinder (Stefanie 25, Sebastian 20) abgeschlossene Ausbildun
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in Qualität und Effizienz

Sie haben sicherlich auch schon Projekte erlebt, die bis zur Zielgeraden scheinbar gut liefen, dann aber Termine und Budget gesprengt haben.

Beim Blick aus hoher Flughöhe stellt man fest, daß die Phase des Testens deutlich länger gedauert und viel mehr gekostet hat als ursprünglich geplant. Bleibt man auf diesem Detaillierungsgrad, setzt sich der Eindruck fest Testen würde zu lange dauern und zu teuer sein. Geht man aber die nächsten Schritte und analysiert die Probleme genauer, stellt man meistens fest daß in früheren Projektphasen Arbeitsergebnisse die unvollständig oder fehlerbehaftet waren als Input für die nächste Projektphase benutzt wurden. Das Testen wird somit zum wahrgenommen Root Cause, da es die Probleme ans Tageslicht bringt.

Erinnern wir uns an die Böhm’sche Kurve, die besagt, daß Fehler immer teurer werden je später sie behoben werden. Das wirft natürlich die Frage auf, warum nicht bereits in frühen Projektphasen Test-Aktivitäten wie das Review der Anforderungen auf Vollständigkeit, Fehlerfreiheit und Verständlichkeit durchgeführt werden. Dadurch wären sowohl die Wahrnehmung des Problemursprungs verbessert als auch die Kosten des Projektes gesenkt.

Häufig sind solche Projekte aber unter einem extrem hohen Zeitdruck und bereits frühzeitig am Limit Ihres Budgets, so daß diese Qualitäts-sichernden Maßnahmen mit “Dafür haben wir jetzt keine Zeit / Geld” abgelehnt werden. Zumindest für Projekte die nach klassischeren Vorgehensmodellen durchgeführt werden, sollten die Projektverantwortlichen bereits beim Aufsatz des Projektes darüber nachdenken qualitätssichernde Maßnahmen zumindest nach jeder Phase durchzuführen, um Probleme frühzeitig erkennen und gegensteuern zu können.

Ihr Projektbudget wird es Ihnen am Ende des Projektes mit Kosten- und Zeit-Einsparungen im zweistelligen Prozentbereich danken.

 


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Pro-aktiver Dialog

Geschrieben von Wolfgang Kuzel
Wolfgang Kuzel
Geb. 1959 in Wien, 2 Kinder (Stefanie 25, Sebastian 20) abgeschlossene Ausbildun
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in Markt und Marketing

Ich glaube an den Wert des pro-aktiven Dialoges aus dem Web mit Kunden, schließlich bin ich Report-Blogger. Deswegen ist es natürlich naheliegend, diese smarte Kommunikationsform auch Kunden und Partnern anzubieten. Warum tun wir es dann noch nicht im großen Rahmen?

In diesem Punkt unterscheiden wir uns nicht von unseren Kunden – wir haben die gleichen Fragen, Bedenken und auch Hürden. Es gibt Anforderungen für den erfolgreichen und effektiven Einsatz von Chats: Zunächst einmal die Frage, ob es überhaupt genügend Webseitenbesucher gibt. Wie viele verlassen die Webseiten (wo?), ohne direkten Kontakt zu suchen? Für welchen Zweck setzt man am Besten Web-Chats ein? Und schließlich: wie stellt man sicher, dass genügend und die richtigen Mitarbeiter verfügbar sind, um die Anfragen zu bearbeiten?

Rein technologisch ist es kein Problem einen immer präsenten Chat-Button in die Webseiten einzubauen. Übel wird es für den geneigten Benutzer, wenn es dann aber ewig dauert bis er endlich im Dialog ist (oder noch schlimmer: erst nach dem Anklicken erfährt, dass gerade niemand helfen kann). Dafür haben wir eine Lösung, natürlich! Schließlich muss aber auch sichergestellt sein, dass die nachgelagerten Prozesse “sitzen”. Doch wer trägt die Verantwortung dafür – gibt es einen dedizierten Kundenservice, der die Kommunikation steuert? Die Frage ist für große B2C-Firmen leichter zu beantworten als für eine B2B Beratungsfirma wie Tieto! Wie verzahnt man das dauerhaft mit Marketing bzw. Portal, um aus den Einsichten über das Benutzerverhalten auf der Webseite genügend zu lernen und die User Experience weiter zu optimieren?

Meine Frage an Sie: Wenn Sie sich auf Webseiten potenzieller oder bestehender Geschäftspartner bewegen (B2B!), würden Sie auf die Einladung zu einem persönlichen Chat begrüßen? Wollen Sie mit uns chatten können, über was?

Ich freue mich über Ihre Antwort,

Ihr Wolfgang Kuzel ( Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. )


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Fiskalpakt, ade!

Geschrieben von Klaus G. Singer
Klaus G. Singer
Klaus Singer (Jg 1947) arbeitet seit 1997 als unabhängiger Industrieberater und
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Nach den Wahlen in Griechenland und Frankreich mehren sich die Stimmen gegen den Merkelschen Fiskalpakt. Ich hatte ihn ja immer schon als „Lachnummer“ angesehen, weil er letztlich keine stringenten Mittel zur Haushaltssanierung in der Eurozone festgelegt hat. Es wurde lediglich politischer Druck verankert, eine verbindliche Verpflichtung mit Möglichkeiten, bei Zuwiderhandlungen effizient durchzugreifen, gab und gibt es nicht.

Das Ganze diente meiner Meinung nach nur dem Zweck, eine Anpassung innerhalb der Eurozone v.a. durch Deflationierung in den PIIGS-Ländern zu bewerkstelligen. Die Alternative einer Inflationierung in Deutschland konnte so bis jetzt zwar abgewendet werden.

Aber nur zu dem Preis, dass z.B. in Spanien die Industrieproduktion im März im Jahresvergleich um rekordverdächtige 10,7% geschrumpft ist. Der Produktionsrückgang bei langlebigen Verbrauchsgütern betrug sogar mehr als 15%. In Griechenland sind im April die PKW-Neuzulassungen um 56,7% auf unter 4500 zurückgegangen – der schlechteste Wert in mehr als 22 Jahren. Im Januar 2008 waren noch nahezu 34000 PKW neu zugelassen gelassen worden – macht rund 90% in etwas mehr als vier Jahren.

Diese Entwicklungen sind als klar depressiv einzustufen. Jedoch halten sich die deflationären Merkmale in den PIIGS weiterhin in Grenzen (siehe auch hier!). Das liegt u.a. an den Target2-Krediten, die munter weiter sprudeln.

Der Druck auf Merkel wird untragbar werden, sagt FAZ-Herausgeber Steltzner. Nach einem Wachstumspakt kämen die Bank-Lizenz für den ESM oder Eurobonds auf die Agenda, ebenso die nach Art. 123 der EU-Verträge verbotene Staatsfinanzierung durch die EZB, vielleicht sogar das EZB-Mandat hinsichtlich Preisstabilität.

Und so sieht es aus: Erste Sondierungen in Griechenland hinsichtlich Regierungsbildung sind schon gescheitert. Die beiden bisherigen Regierungsparteien wollen die Eurozonen-Diktate neu verhandeln – im wesentlichen geht es um eine zeitliche Streckung der Sparmaßnahmen. Die Wahrscheinlichkeit von Neuwahlen (im Juni) steigt – man will ja wieder gewählt werden.

Sarkozy-Nachfolger Hollande will entweder Eurobonds oder eine Beteiligung der EZB am „primary market“ für Staatsbonds; das eine oder das andere soll in die Verträge eingeschlossen werden. Der Wirtschaftssprecher der italienischen PDL macht denselben Vorschlag und kritisiert Monti wegen dessen „Kungelei“ mit Merkel.

Diese Forderungen laufen darauf hinaus, die Unabhängigkeit der EZB auch formal abzuschaffen und sie politischer Kontrolle zu unterwerfen.

Die Bundesbank hält dagegen: In einem Hearing vor dem Haushaltsausschuss der Bundestags kritisiert die Bundesbank scharf den Trend, auf europäischer Ebene die Risiken zu teilen ohne europäische Kontrolle über die nationalen Budgets. Die Bundesbank widerspricht damit auch dem IWF, der glaubt, der Fiskalpakt biete genügend gemeinsame Kontrolle, um nach und nach Eurobonds einführen zu können. Nach Meinung der Bundesbank bietet der Fiskalpakt eben keine Basis für eine „Fiskal-Union“ und daher sei er auch keine Basis für die Einführung von z.B. Eurobonds. Auch sei der ESM zwar wohl sinnvoll in einer existentiellen Krise, aber auch er weiche den Sinn für die Verantwortung der einzelnen Euro-Regierungen für ihre nationalen Finanzen auf. Merke: Eurobonds sind verfassungswidrig.

„Moral Hazard“ oder „Complacency“ – die Finanzkrise hat gezeigt, wohin das führen kann.

Die Tage des Merkelschen Fiskalpakts sind gezählt. Und damit bricht für Deutschland eine neue Zeit an. Wenn die Anpassung innerhalb der Eurozone künftig vorrangig über Inflationierung in den „Nordländern“ und hier v.a. in Deutschland stattfindet, dann kostet das die deutsche (Export-)Industrie Wettbewerbsvorteile – und das nicht nur beim Handel innerhalb der Eurozone. Da gleichzeitig Länder wie China nur noch in reduziertem Tempo expandieren, ist es nur eine Frage der Zeit, wann die (ohnehin bescheidenen) Wachstumsraten der deutschen Wirtschaft wieder der Vergangenheit angehören.

Unter der Flagge eines „Wachstumspakts“, noch wird bescheiden von „Wachstumskomponente“ gesprochen, kommt die Vergemeinschaftung aller Staatsschulden in der Eurozone daher, wahrscheinlich letztlich durch Eurobonds. Vielleicht aber auch in einer besonders perfiden Form, die George Soros vor einiger Zeit in Project Syndicate George Soros vorgeschlagen hat (Tipp Eurointelligence): Die EU sollte ein SPV schaffen, dass die EZB-Seignorage nutzt, um die Kosten für ein großes Bond-Kaufprogramm zu finanzieren. Damit ließen sich auch die Restriktionen der EU-Verträge umschiffen. Der Wert der EZB-Seignorage wird u.a. von W. Buiter auf 2 bis 3 Bill. Euro geschätzt.

Im Übrigen geht Soros davon aus, dass die Eurokrise eine weniger volatile, aber potentiell tödlichere Phase erreicht hat: „The crisis has entered what may be a less volatile but potentially more lethal phase.”

Wolfgang Munchau schreibt im Spiegel, langfristig angelegte Lösungen wie z.B. ein Wachstumspakt, bringen uns nicht aus der Krise. Die funktionierten nur, wenn die Krise vorbei ist. Er ist sich noch nicht einmal sicher, ob strukturelle Reformen so viel Wachstum produzieren wie ihre Verfechter angeben. Aber selbst wenn, muss der Fokus auf die Vermeidung einer Schuldenfalle gelegt werden, insbesondere in Spanien. Für ihn ist die Initiative „Struktur-Wachstum“ eher nur wieder eine neue Krisen-Variante.

Die Finanzmärkte haben gestern vergleichsweise milde auf die Wahlausgänge in Europa reagiert. Der S&P 500 hat deutliche Verluste im frühen Handel relativ schnell aufgeholt, allerdings kam er an wichtigen charttechnischen Marken nicht weiter und endete plus/minus Null.

Geholfen haben dabei auch Meldungen über einen möglichen Bailout der spanischen Sparkasse Bankia. Die Regierung könnte 7-10 Mrd. Euro zur Rekapitalisierung bereitstellen, hieß es. Bei Bankia werden „toxische Assets“ im Volumen von bis zu 30 Mrd. Euro vermutet. Das ist allerdings nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Es wird ein Vielfaches benötigt, um das spanische Bankensystem zu sanieren. Diese Summe kann die spanische Regierung nicht aufbringen, weshalb hier wohl recht bald der ESM ins Spiel kommt. Bankia war im jüngsten IWF-Stabilitätsbericht namentlich erwähnt worden als eine Bank, die dringend Hilfe benötigt.

Der spanische Aktienindex schloss ob dieser frohen Botschaft gestern deutlich im Plus.

Ob Aktien insgesamt aber schon wieder einen „Call“ wert sind, ist zweifelhaft. Natürlich wachsen mit jedem Minus-Tag die Hoffnungen auf neue Liquiditäts-Maßnahmen von Fed und EZB. Auf der anderen Seite drückt der Verlauf der Quartalssaison mehr und mehr auf die Stimmung: 420 S&P 500 Unternehmen haben bis jetzt berichtet, 67,6% haben die (niedriger gelegten) Erwartungen übertroffen. Das ist noch über dem historischen Mittel bei 62%, aber zum Start der Quartalssaison lag die „Beat-Rate“ noch bei über 80%.

Dass die Reaktion der Finanzmärkte auf die Eurozonen-Wahlen so milde ausfiel, verweist meiner Meinung auch darauf, dass die „Märkte“ sich allmählich auf ein Ende der „Austerity“ einstellen. Der hohe Verschuldungsgrad der Staaten verschwindet mit „Austerity“ nicht – das spricht sich mittlerweile herum. Dass er mit zusätzlicher, vorgeblich auf die Schaffung von Wachstum ausgerichteter Verschuldung ebenfalls nicht verschwindet, steht (vorerst) auf einem anderen Blatt. Sieher hierzu auch: “Sparen oder Schulden machen?“.

Worauf die Finanzmärkte setzen, sind massive Eingriffe der Notenbanken. Und die werden kommen. Bis die nächste Blase platzt.

Quelle: http://www.timepatternanalysis.de/Blog/2012/05/08/fiskalpakt-ade/



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Sparen oder Schulden machen?

Geschrieben von Klaus G. Singer
Klaus G. Singer
Klaus Singer (Jg 1947) arbeitet seit 1997 als unabhängiger Industrieberater und
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Und plötzlich wird in der Eurozone entdeckt, dass Sparsamkeit nicht alles ist. Nachdem sich Merkel mit ihrem Spardiktat zunächst durchsetzen konnte, wachsen die Widerstände dagegen immer weiter.

Jetzt hat EZB-Chef Draghi vor dem europäischen Parlament nach dem Fiskal- einen Wachstumspakt gefordert. Das zweite sei die Ergänzung des ersten, sagte er. Wie das zusammen passen soll, bleibt einstweilen sein Geheimnis – entweder wird gespart oder Geld ausgegeben. EZB-Ratsmitglied Asmussen deutet an, wie der Widerspruch aufgelöst werden könnte: Durch Umleitung von EU-Regional-Fonds in notleidende Mitgliedsländer, um dort Arbeitsplätze zu schaffen oder durch Reformen gemäß der deutschen „Agenda 2010“. Also finanzieren die Eurozonen-Nord-Länder letzten Endes einen solchen „Wachstumspakt“ durch (schuldenfinanzierte?) Einzahlungen in die Brüsseler Transfer-Kasse.

Der Fiskalpakt wurde von Merkel durchgesetzt, um zu erreichen, dass die Angleichung innerhalb der Eurozone durch Deflation in den PIIGS geschieht und nicht durch Inflation z.B. in Deutschland. Dies ist im direkten Interesse der deutschen Exportindustrie, die auf den Weltmärkten keine Marktanteile verlieren will – besonders wichtig angesichts einer konjunkturellen Bremsung in China und einer zu erwartenden Abwertung des Yuan.

Die PIIGS allerdings deflationieren nicht – Ausnahme Irland (siehe auch hier!). Warum auch? Sie haben doch Target2. Das EZB-Verrechnungssystem ist mit seinen unbegrenzten und unkündbaren Krediten bei gegenwärtig 1% Verzinsung unschlagbar günstig – viel günstiger als es Eurobonds wären. Mittlerweile hat jeder deutsche Erwerbstätige über Target2 15.000 Euro an Forderungen gegen die PIIGS.

Der Fiskalpakt wird über kurz oder lang platt gemacht. Der mögliche Regierungswechsel in Frankreich und das Scheitern der niederländischen Regierung sind deutliche Zeichen. Die fruchtlosen Sparanstrengungen in Spanien weisen darauf ebenso hin, trotz Milliardensummen an zusätzlichem staatlichen Sparen steigen die staatlichen Schuldzinsen deutlich an. Die „Märkte“ trauen dieser Politik nicht.

In Spanien ist als Besonderheit zu berücksichtigen, dass vom Verschuldungsgrad her bis Mitte 2011 keine Rede von einer Staatsschuldenkrise sein konnte. Beherrschendes Element war und ist hier eine Bankenkrise, ausgelöst durch eine gewaltige Immobilienblase – mit aufgeblasen durch deutsche Banken, die daran zeitweilig glänzend verdient haben. Jetzt, nach verschärftem Sparprogramm, kann man auch hier von einer Staatsschuldenkrise sprechen – Merkels Fiskalpakt, er lebe hoch!

Dass Spanien mit diesem Kurs bald bei EFSF/ESM landet, wird jetzt auch in Brüssel klar. Schon soll eine Arbeitsgruppe der Euro-Länder in den kommenden beiden Wochen prüfen, wie eine direkte Vergabe von Krediten an Banken abgewickelt werden könnte. Das ist bisher nicht möglich. Grund für die Eile ist die Sorge vor „Ansteckung“. Die spanischen Banken benötigen wegen hoher Verluste im Immobilien-Bereich dringend Finanzhilfen, der spanische Staat muss (will?) sparen. Ohne zusätzliche Mittel für die Banken droht eine Kreditklemme, die der Wirtschaft den Rest geben könnte.

„Wachstum ist das beste Mittel gegen Überschuldung.“ Das ist das Credo der meisten Volkswirte.

In diesem Sinne sagte Pierre Briançon bei „Reuters Breakingviews“ vor einigen Tagen: Die Eurozone werde nicht wachsen, wenn ihre wirtschaftspolitische Linie darin besteht, bei der medizinischen Versorgung zu sparen, Lehrer zu feuern, öffentliche Investitionen zu kürzen, Reallöhne zu drücken und dabei alles bis zum Horizont zu besteuern – nur zu dem Zweck, die Brüsseler Zielvorgaben zu erreichen.

Und John Plender warnt in der FT vor einem Teufelskreis: Wenn die wirtschaftlichen Bedingungen in der Eurozone aus dem Ruder laufen, drückt das die Gewinne der Banken und verschlechtert deren Asset-Qualität, wodurch im Gegenzug höhere Risiko-Vorsorge getrieben werden muss. Damit wird das Bank-Kapital erodiert, was weiteres Deleveraging erfordert. Das kann dazu führen, dass gleichzeitige Asset-(Not-)Verkäufe eine Abwärtsspirale von deren Preisen auslöst. Das kann dann auch zu Refinanzierungsproblemen führen, wenn der Interbanken-Kreditmarkt wieder einfriert.

Larry Summers and Brad Delong haben kürzlich in einer längeren Untersuchung belegt, dass Sparen unter Bedingungen einer Liquiditätsfalle eine grottenschlechte Idee ist. Im besten Falle bringt es nichts, um die langfristige Schuldensituation zu verbessern. Aber selbst dann entstehen kurzfristig Kosten, denen kein Nutzen gegenübersteht.

Die Argumente sind alle wohl bekannt. Genauso ist mittlerweile allerdings bekannt, dass jenseits einer Schuldenquote von 70 bis 90%, zusätzliche Staatsausgaben kaum noch stimulierende Wirkung haben. (Die kritische Zone der Schuldenquote gilt übrigens gleichermaßen für den staatlichen wie privaten Sektor). Die Erzeugung von Wachstum ist keine einfache Funktion der Art: „Wenn man viel rein steckt, kommt viel raus.“ (Anmerkung: Einen Überblick über die Verschuldungsquoten zahlreicher Staaten finden Sie hier!)

Einen Beleg dafür liefert Krugman (siehe Chart!): Länder, die in den beiden unteren Quadranten notiert sind, erreichen mit zusätzlichen Staatsausgaben keinen stimulierenden Effekt auf das BIP. Es wundert auch nicht, dass hier PIIGS zu finden sind. Die besonders schweren Fälle sparen, während das Wachstum gleichzeitig überproportional zurückgeht.

Einige Gründe für die entgleisende Situation bei zu hoher Verschuldung: Die Kosten der Staatsverschuldung zur Finanzierung von wirtschaftlichen Anreizen steigen mit dem Verschuldungsgrad überproportional an, der Netto-Effekt solcher Anreize wird immer geringer. Zudem wandert mit zunehmendem Verschuldungsgrad entweder ein immer größerer Anteil privatwirtschaftlicher Erträge in den Schuldendienst oder der private Sektor fragt wegen unsicherer Aussichten zunehmend weniger Kredit zum Ausbau der wirtschaftlichen Aktivitäten nach.

Dennoch wird Krugman nicht müde, gegen Sparen („Austerity“) zu Felde zu ziehen. Kürzlich hat er einen Anhaltspunkt dafür gegeben, welche Wirkung es in der Eurozone im Durchschnitt hat, wenn ein Euro gespart wird: Das Defizit reduziert sich lediglich um 40 Cent, das BIP hingegen um rund 1,25 Euro (siehe Chart!).

Dass sich Krugman auch gegen US-amerikanische „Sparsamkeit“ wendet, wird hier deutlich (siehe Chart!).

Befänden wir uns lediglich in einem zyklischen Abschwung, wäre die Sache einfach. Der Staat sorgt durch zusätzliche Ausgaben auf Pump für eine Belebung der Wirtschaftslage, in Zeiten wieder sprudelndem Steueraufkommens werden die Schulden zurückgezahlt. Das entspricht auch dem eigentlichen Wesen von Schulden – sie sind ein Vorgriff auf spätere (höhere) Einnahmen.

Ist die Kontraktion aber struktureller Natur, wirken die Mittel aus der zyklischen Werkzeugkiste nicht.

Die aktuelle Krise ist struktureller Natur. Das fing vor vielen Jahren langsam an mit der Auslagerung ganzer Produktionszweige aus Europa, USA und anderen entwickelten Industrieländern in Billig-Lohn-Länder (äh, Emerging Markets). Damit sinkt in der „ersten Welt“ die auf Arbeitseinkommen basierende Nachfrage. Das Reallohnniveau stagniert oder sinkt sogar, hält jedenfalls nicht mit dem Produktivitätsfortschritt mit. Lediglich die Tatsache, dass die Produktion in der „dritten Welt“ so billig ist (war), erlaubte es, den Lebensstandard noch einigermaßen zu halten. Steigende Rohstoffpreise und steigender Wohlstand in den Produzentenländern führen aber zu steigenden Preisen, der Lebensstandard in der „ersten Welt“ sinkt. Wenn alles so bleibt wie es ist, sinkt hier langfristig auch die Wirtschaftsleistung.

Schulden sind dann nicht geeignet, das Problem zu lösen, denn es werden immer mehr erforderlich. So lange die Finanzindustrie hieran problemlos verdient, läuft das Spiel noch weiter. Aber diesen Punkt haben wir im Herbst 2008 überschritten. Schulden lassen sich in einer solchen Situation nicht mit Schulden bekämpfen. Natürlich kann der Punkt, an dem es kracht, immer noch ein Stück hinausgeschoben werden, z.B. indem die Notenbanken ein Stück weit die Rolle des Staates übernehmen und Anreize finanzieren – wie z.B. die EZB über ihre LTROs. Das hat aber den Nachteil aller liquiditätspolitischen Maßnahmen der Notenbanken, dass sie sehr indirekt wirken, nicht zielgerichtet eingesetzt werden können, kaum steuerbar sind. Dementsprechend hoch müssen die bewegten Summen sein.

Rigides staatliches Sparen alleine bewirkt ebenfalls keine Verbesserung. In einer strukturellen Krise zieht das Argument nicht, ein schlanker Schuldner sei ein besserer Schuldner. Denn es geht im Grunde gar nicht um die Höhe der Schulden, sondern um die Bonität, besser gesagt das Vertrauen in die Fähigkeit eines Schuldner/Staates, die Situation in den Griff zu bekommen.

Den Finanzmärkten ist ein hoher Verschuldungsgrad recht. Daran lässt sich gut verdienen, so lange die Rückzahlung nicht gefährdet ist. Ob die „Märkte“ jemals an Merkels Fiskalpakt geglaubt haben, ist schwer zu sagen, insbesondere weil die EZB fast zeitgleich ihre LTROs angeworfen hat. Die zeitweilige Outperformance des DAX lässt vermuten, dass damit die Verzögerung bei der Eurozonen-Angleichung durch deutsche Inflationierung eingepreist wurde. Jetzt jedenfalls beginnen die „Märkte“ am Sparpakt zu zweifeln und „honorieren“ z.B. Spaniens Sparwillen mit steigenden Zinsforderungen.

Das Thema “Wachstum oder Sparen” kocht aktuell auch deswegen wieder hoch, weil seit vielen Wochen US-Makrodaten Schwäche zeigen. Die „Erstanträge“ in den USA steuern jetzt wieder auf die magische Grenze von 400.000 zu, für März wurde der Auftragseingang für langlebige Wirtschaftsgüter mit minus 4,2% gemeldet – der stärkste Fall in drei Jahren. In Europa zieht in immer mehr Ländern eine Rezession auf. Und China meldet stärker als erwartete Bremsung im ersten Quartal. Das kommt gar nicht gut, wird doch Wachstum als Allheilmittel gegen die Folgen eines hohen Verschuldungsgrads gesehen.

Sparen oder Anreize, sprich Schulden? Die Diskussion hierüber ist so lange fruchtlos, so lange man nicht an die Wurzeln des strukturellen Übels geht – siehe oben. Natürlich kann man mit “Medikamenten” aus der zyklischen Werkzeugkiste Heilung versuchen. Aber man wird davon eine enorme Überdosierung brauchen, damit sie überhaupt ein wenig wirken. (Das Codewort der Volkswirte hierzu heißt “Liquiditätsfalle”.) Dementsprechend groß sind dann die Nebenwirkungen. Und genau das passiert auch.


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IWF-Finanzstabilitätsbericht: Düster

Geschrieben von Klaus G. Singer
Klaus G. Singer
Klaus Singer (Jg 1947) arbeitet seit 1997 als unabhängiger Industrieberater und
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Der IWF hat am gestrigen Mittwoch seinen Finanzstabilitätsbericht (Global Financial Stability Report) vorgelegt. Er geht davon aus, dass europäische Banken bis Ende 2013 ihre Bilanzen stark verkürzen werden. Der IWF stützt sich dabei auf drei Szenarien zur Entwicklung des Bankensektors, die u.a. Angaben der Banken selbst basieren. Diese hatten angekündigt, ihre Bilanzen mittelfristig um Aktiva im Umfang von rund 2 Bio. Dollar zu kürzen.

  • Das „Reformszenario“ des IWF besteht aus einer gut abgestimmten Fiskalkonsolidierung, die durch eine expansive Geldpolitik und wachstumsfreundliche Strukturreformen, durch Fortschritte bei der Bankenrestrukturierung und eine robuste „Firewall“ unterstützt wird. Der Abbau von Aktiva würde in diesem Szenario 2,2 Bill. Dollar (6% der Bilanzsumme) betragen. Mit diesem Szenario würde sich der Druck auf die Eurozone insgesamt nach und nach auflösen.
  • Im Szenario „Status quo“ ohne vorausschauende und weitreichende wirtschaftspolitische Reformen („weiter wie bisher“), fällt der Verschuldungsgrad (Bilanzsumme durch Tier1-Kernkapital) der rund 60 untersuchten europäischen Grossbanken von 29 auf 23. Das käme hauptsächlich durch einbehaltene Gewinne und Kapitalerhöhungen zustande, sowie durch Abbau von Aktiva in Höhe von insgesamt 2,6 Bill. Dollar. Die Summe entspricht 7% der aggregierten Bilanzsumme. In diesem Szenario bleibt der Druck auf die Eurozone konstant hoch.
  • Das Negativszenario besteht in einer Kombination aus dem „Status quo“-Szenario (keine Politikänderung) und einem anhaltend negativen zyklischen Umfeld. Hier würden Aktiva im Umfang von 3,8 Bill. Dollar (10% der Bilanzsumme) abgestoßen. In diesem Szenario steigt der Druck auf die Eurozone weiter an.

Der Abbau der Aktiva in den IWF-Szenarien wird zu etwa einem Viertel durch Rückgang der Kreditvergabe dargestellt. Dadurch dürfte das Kreditangebot in der Eurozone bis Ende 2013 um 1,7% schrumpfen. Zudem werden Banken Tochtergesellschaften und Nicht-Kerngeschäfte wie Versicherungs- oder Vermögensverwaltungsgeschäfte für institutionelle Anleger abstoßen und auch ihre Wertpapier-Bestände zurückfahren.

Der Prozess der IWF-Szenarien ist schon eingeleitet: Die untersuchten Banken haben im vierten Quartal 2011 bereits Assets im Umfang von 580 Mrd. Dollar verkauft.

Die Gesundschrumpfung der Banken mit dem Ziel, die Bankenlandschaft robuster aufzustellen, ist laut IWF dringend erforderlich. Eine hohe Schuldenhebelung („leverage“) werde zudem weder von den Märkten noch den Regulierern weiter unterstützt, heißt es. Das Risiko besteht jedoch darin, dass die gleichzeitige Bilanzverkürzung bei vielen Banken Volkswirtschaft und Finanzsystem stark belastet.

IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard sagte auf einer Pressekonferenz, für die Banken-Rekapitalisierung in der Eurozone sollte der EFSF/ESM genutzt werden, auch um die “verderbliche Verbindung zwischen Staaten und Banken“ aufzubrechen.

Dazu passt die Meldung der portugiesischen Zeitung Jornal de Negocios (via Eurointelligence): Das Geld, das der portugiesische Staat in die Rekapitalisierung der beiden Banken BCP und BPI steckt, damit diese den per Ende Juni wirksamen neuen Kapitalvorschriften in der Eurozone entsprechen, wird hauptsächlich in portugiesische Bonds investiert. Die Ressourcen stehen daher nicht zur Verfügung, um Kredite in der Realwirtschaft auszuweiten.

Von Portugal nach Italien: JP Morgan hat (nach FT Alphaville) die Schuldensituation hier analysiert. Während „Erlöser“ Monti die Defizit-Projektion für 2012 von 1,6 auf 1,7% anhebt (2013: von 0,1 auf 0,5%), kommt JP Morgan nach Sicht der Rohdaten für Januar bis März zu dem Schluss, dass das Defizit auf dem Weg zum Doppelten ist – 60 Mrd. Euro statt der projektierten 26 Mrd. Euro. Der Verfasser der Studie schreibt, die Rohdaten der italienischen Regierung für die ersten Monate im Jahr hätten zumindest für die zurückliegenden drei Jahre eine recht zuverlässige, wenn auch grobe Indikation für das Gesamtjahr gebracht.

Von Italien nach Spanien: Im Februar waren Darlehen in Höhe von 143 Mrd. Euro faul. Das entspricht 8,16% des gesamten Kreditportfolios der spanischen Banken und ist der höchste Wert seit 1994. 2007, vor der Finanzkrise, hatte die Quote noch bei unter einem Prozent gelegen. Im Jahresvergleich legte das Volumen der faulen Kredite um gewaltige 110% zu. Als faul gelten Kredite, wenn sie seit mindestens drei Monaten nicht weiter getilgt worden sind.

Der IWF betrachtet den spanischen Bankensektor mit Argwohn. Die Bundesregierung betont jedoch, die Spanier seien engagiert dabei, ihre Probleme zu lösen, die Reformen der Regierung in Madrid verdienten Hochachtung… (hat da jemand was von “Selbstgefälligkeit” gesagt?).

Jeden Tag neue Hinweise darauf, dass die Defizit-Planungen der Eurozone insbesondere in den PIIGS völlig ohne realen Bezug sind – von den 3% Defizitzielen für 2013 ganz zu schweigen.

Da wundert es nicht gerade, dass der IWF mitteilt, er habe jetzt 320 Mrd. Dollar in der Kriegskasse für die Eurozone. Davon stammen 200 Mrd. Dollar aus der Eurozone selbst, lediglich 120 Mrd. Dollar kommen von außerhalb. Zu Jahresbeginn hatte es noch geheißen, es würden 500 bis 600 Mrd. Dollar benötigt.

Wenn Sie mich fragen, was das wahrscheinlichste Szenario des IWF ist: Selbstgefälligkeit (“Complacency”) als Grundzug der Polit-Bürokratie in Brüssel lässt das “Reformszenario” von vorneherein ausscheiden. “Status quo” ist ebenfalls weniger wahrscheinlich, weil kaum damit zu rechnen ist, dass die Weltwirtschaft in absehbarer Zeit zu nachhaltigen Wachstumsraten klar jenseits von drei Prozent zurückfindet.

Hierzu auch eine Wortmeldung von George Soros in Le Monde: Die Politik der Eurozone führt ins Desaster. Falls der Euro überlebt, wird es eine verlorene Dekade geben. Wenn sein Quantum-Fonds wetten müsste, würde er gegen den Euro wetten.

Im Finanzstabilitätsbericht des IWF findet sich auch instruktiver Chart, der die Verkopplungen der europäischen und US-Banken aufzeigt und die Wege gegenseitiger Ansteckung:

Eine negative Rückkopplung könnte aktuell z.B. starten mit sinkenden Kursen (steigenden Renditen) für Staatsanleihen der PIIGS – Startpunkt „A“. Europäische Banken erzielen Buchverluste auf ihre Bestände, die Verschlechterung ihrer Bilanzsstruktur erhöht das Pleiterisiko. Die Kosten für die Beschaffung frischen Kapitals steigen („F“). Wenn eine europäische Bank einen Derivate-Kontrakt mit einer US-Bank eingegangen ist, ist sie gezwungen, Sicherheiten nachzuschieben („E“). Wegen der aus der mangelnden Transparenz der Derivatemärkte herrührenden Unsicherheit über die tatsächliche Ausrichtung der US-Banken auf Europa, könnten US-Banken mit höheren (überhöhten) Kapitalkosten und steigenden CDS konfrontiert werden („H“). US-Banken könnten ihre Ausrichtung auf die Eurozone durch Übertragung von Derivate-Kontrakten auf Dritte gegen zusätzliche Gebühren („Novation“ – „E“). Das kann dazu führen, dass das Risiko in weniger Händen konzentriert ist, womit das Systemrisiko im Derivate-Markt steigt. US-Banken könnten stattdessen auch das Risiko hedgen mittels CDS oder Put-Optionen („G“).

Wie das zweite Halbjahr 2011 zeigte, ist das Potenzial solcher Rückkopplungen auf US-Banken real – zu sehen daran, dass die Default-Absicherungen von US-Broker/Dealern im September 2011 teurer wurden als von europäischen Banken (siehe IWF-Chart 2.4.2). Auch die Entscheidung der Zentralbanken von Ende November, unbegrenzt Dollar bereit zu stellen, ist ein Zeichen der Risiken solcher Verkopplungen.




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Krisen-Modus: An!

Geschrieben von Klaus G. Singer
Klaus G. Singer
Klaus Singer (Jg 1947) arbeitet seit 1997 als unabhängiger Industrieberater und
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EZB-Ratsmitglied Klaas Knot hat Spanien als größtes Risiko im Euroraum bezeichnet. Das zuletzt (durch die LTROs) verbesserte Klima an den Finanzmärkten habe den Reform-Druck auf die spanische Regierung verringert, die habe daher in den vergangenen Monaten notwendige Maßnahmen schleifen lassen. Knot fordert das Land zu einer rascheren Gangart bei der Sanierung auf, um das Vertrauen der Märkte wiederherzustellen. Die CDS-Spreads sind mittlerweile auf Rekordniveau gestiegen (siehe Chart!).

Die LTROs haben Zeit erkauft, hieß es allenthalben. Wie üblich hat die Eurozonen-Politik die Zeit nicht genutzt, sondern sich selbstzufrieden zurückgelehnt. W. Münchau, Eurointelligence, hatte das vor einigen Tagen treffend so formuliert: „Complacency is the default mode of eurozone policy makers.“

Complacency, Selbstzufriedenheit, scheint ansteckend: Das Schlimmste der Euro-Krise ist vorbei, sagte Asmussen, deutsches Mitglied im EZB-Board, unter Hinweis auf die LTROs und die beabsichtigten Einzahlungen der Eurozone in die Kriegskasse des IWF. Jetzt sei es an den anderen Anteilseignern des IWF, ihren Beitrag zu leisten. Die zögern aber, weil sie mehrheitlich meinen, die Eurozone müsste mehr tun, als zuletzt mit den Beschlüssen zum ESM vorgesehen. Der IWF will seine Kriegskasse jetzt nur noch um 400 Mrd. Dollar vergrößern. Im Januar hatte IWF-Chefin Lagarde noch eine Erhöhung um 500 bis 600 Mrd. Dollar in Aussicht gestellt. Sie spielt das jetzt herunter: Einige der worst-case-Szenarien hätten sich nicht materialisiert. Die geringere Vergrößerung der Kriegskasse geht auf Widerstand der BRICs zurück, die erst dann mehr spendieren wollen, wenn sie auch mehr zu sagen haben. Die USA wollen ihren Beitrag nicht erhöhen, weil sie den Druck auf die Eurozone, mehr zu tun, nicht senken wollen. Eine endgültige Entscheidung des IWF wird wohl erst im Juni fallen.

Skeptiker befürchten, die wieder erwachte Krise in Spanien berge die Gefahr einer Ansteckung von Italien und sogar von Frankreich. Dann sei die IWF-Kriegskasse nicht groß genug.

Asmussen verteidigte auch den Sparkurs der Eurozone. Er sei die einzige Möglichkeit, verloren gegangenes Vertrauen wieder zurück zu gewinnen.

Andere Beobachter schreiben hingegen, die „Märkte“ seien nicht in Panik, weil die Defizit-Ziele etwa in Spanien nicht erreicht würden, sondern weil sie angestrebt würden. So sagt auch Paul Krugmann in seinem Blog, die Krise in Spanien sei keine Fiskal-Krise. In Spanien gab es eine Immobilienblase, die zu einem guten Teil durch Kredite von deutschen Banken aufgeblasen worden ist. Die ist geplatzt, reißt die Wirtschaft mit und resultiert in 23,6% Arbeitslosigkeit, bei der Jugend sind es sogar 50,5%. Der Politik falle nichts anderes ein, als noch mehr zu sparen. Er beginne allmählich zu glauben, dass das ganze Euro-System zusammenbricht.

Auch Griechenland entgleist weiter: Die Arbeitslosigkeit betrug im Januar 21,8%, plus 47% im Jahresvergleich, die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 50,8%, doppelt so hoch wie vor drei Jahren. Das Defizit der Zentralregierung hat sich im ersten Quartal um 53% ausgeweitet (Ziel für das Gesamtjahr 2012: Reduktion um 38%).

Die Krise in Spanien ist vor allem eine Banken-Krise. Da hilft kein Hoffen auf bessere Zeiten, die Immobilienpreise haben noch viel Platz nach unten. Demzufolge ist es einzig sinnvoll, wenn die Banken ihre Verluste realisieren und eine scharfe Konsolidierung der Bankenlandschaft eingeleitet wird. Das kostet Geld, die weder Staat noch Private aufbringen können. Dazu wären ESM/ESFS-Mittel nötig.

Stattdessen wird ein Kurs gefahren, bei dem privater und der öffentlicher Sektor gleichzeitig Schulden abbauen. Damit wird ein Handelsbilanzdefizit perpetuiert, das in einem einheitlichen Währungsraum zu einem Leistungsbilanzdefizit (und Kapitalabfluss) führt (siehe Target2-Diskussion). Dadurch wird die Situation insgesamt verschärft und macht das Einschreiten mit externem Hilfskapital immer wahrscheinlicher. Dabei steigt die Menge des benötigten Hilfskapitals immer weiter an. Jedes Abwarten macht es nur noch teurer.

Apropos “Vertrauen”: Da wundert es auch nicht, wie die FT berichtet, dass der Eurozonen-Bond-Markt viele internationale Investoren verloren hat – vielleicht sogar für die Dauer einer ganzen Generation. Darunter sind so große Adressen wie Pimco und BlackRock. Länder, die gemieden werden, sind vor allem Spanien, Italien und Frankreich. Geschätzt wird, dass in den zurückliegenden zwei Jahren etwa 100 Mrd. Euro abgezogen worden sind. Die Bank of Spain sagt, der Anteil internationaler Investoren, die nationale Schulden halten, sei per Ende Jan auf 33% zurückgefallen.

Aber es ist nicht nur die Eurozone, die den Anlegern quer liegt.

Am Freitag hatte China berichtet, dass die Wirtschaft im ersten Quartal real nur um 8,1% statt der erwarteten 8,4% gewachsen ist. Im Quartalsvergleich lag der Zuwachs bei 1,8% nach plus 1,9% im vierten Quartal 2011. Rechnet man die Quartalszuwächse auf ein Jahr hoch, ergibt sich allerdings nur ein Wert von plus 7,4%, wie “Also sprach Analyst” berichtet, von dem auch der folgende Chart stammt.

Am Donnerstag dieser Woche findet eine weitere Bond-Auktion in Spanien statt, bei der auch 10-jährige an den Mann gebracht werden sollen. Vielleicht nimmt die EZB das als Trigger, um neue Anleihekäufe tätigen. Beobachter vermuten als kritische Schwelle 6,5%.

Interessant ist auch folgende Beobachtung von David A. Rosenberg von Gluskin Sheff & Ass: “Déja vu? It is incredible how things are playing out so similar to this time last year. In fact the exact same pattern occured in 2010.”

Quelle: http://www.timepatternanalysis.de/Blog/2012/04/16/krisen-modus-an/


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Manche nennen es Digitale Revolution

Geschrieben von Thomas Schmutzer
Thomas Schmutzer
Thomas Schmutzer ist Geschäftsführer der HMP Beratungs GmbH. Das Unternehmen ist
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in Neues Arbeiten

Manche nennen es Digitale Revolution. Andere wieder New World of Work. Jene, die Anglizismen nicht so zugetan sind, sprechen wiederum von der Neuen Welt des Arbeitens. Enterprise 2.0 habe ich auch da und dort schon mal gehört.

Wie so oft gibt es viele Begriffe für ein und dasselbe Thema - ein Thema das eigentlich ein Riesentrend ist. Oder besser, ein Riesentrend war. Denn als Trend bezeichnen wir etwas, das einige Experten erahnen, vorhersagen, vielleicht wissen, aber es handelt sich dabei immer um etwas das definitiv noch in der Zukunft liegt. Somit muss von New World of Work eigentlich von einem Thema und nicht mehr von einem Trend gesprochen werden. Denn New World of Work ist schon längst in der heutigen Arbeitswelt angekommen. Viele Aspekte haben sich bereits geändert, von technologischem Fortschritt bis zu neuen Einstellungen.

Beeindruckt war ich, als ich von einer Studie von ITU World Telecommunication 2010 gelesen habe, dass sich 91 % der jungen Europäer nicht weiter als 1 Meter von ihrem Handy entfernen. Das Handy ist somit zu einem der wichtigsten und liebsten Gebrauchsgegenstände geworden, mit denen wir uns umgeben. Und das wirkt sich natürlich auch auf unsere Arbeitsweise aus. Handys, und allen voran Smartphones, ermöglichen uns ständige Informationssuche, permanente Onlinepräsenz, 24-Stunden-Erreichbarkeit – Dinge, die bei früheren Generationen Kopfschütteln bis zu massiver Ablehnung hervorrufen.

Doch die Jugend von heute sieht das anders. Und es sind genau diese jungen Leute, die ins Arbeitsleben strömen und dieses dabei gewaltig umkrempeln und revolutionieren helfen. Und Firmen können sich so einfach nicht davor verschließen. Denn ohne diese Digital Natives, wie sie genannt werden, ohne die High Potentials von heute und morgen und ihre neue Arbeitsweise gerät man als Unternehmen leicht ins Hintertreffen auf dem oft langen und steinigen Weg zum Erfolg.


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