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Zwischenrufe aus der Welt der Wirtschaft

19
Feb
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"Ich starte meine eigene Pfarre...."

Geschrieben von Dr. Alfons Flatscher
Dr. Alfons Flatscher
Alfons Flatscher ist Journalist und Herausgeber, der vor mittlerweile 15 Jahren
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in USA: Zwischenrufe aus Übersee

Ich starte meine eigene Pfarre, sagte der Theologiestudent aus Princeton und sein europäischer Gesprächspartner ertappte sich beim Kaiser Ferdinandśchen-Gedanken: „Ja, darf er des....“

Es ist ein Rätsel, dass mir das In-den-USA-Sein täglich aufgibt. Die Amis sind uns so ähnlich aber gleichzeitig sind sie doch so völlig anders und ich hechle diesem Unterschied nach und versuche ihn bei jeder Gelegenheit festzumachen. Manchmal ist es wie in einem Selbsterfahrungsseminar und ich ertappe mich bei Gedanken, die so schockierend Wienerisch sind und mich hin stoßen auf die Andersartigkeit.

Zu Silvester war ich mit meiner Familie bei einem Theologieseminaristen, seiner Frau und seinen reizenden drei Töchtern eingeladen. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, eigentlich ist der angehende Theologe Opernsänger, ein Tenor, der die großen Rollen von Mozart bis Pucchini in den besten Häusern dieser Welt gesungen hat. In Pennsylvania, in einer sehr religiösen Farmerfamilie aufgewachsen, fühlte er sich immer als christlicher Missionar, der bisher seine Botschaft mit seinem Gesang verbreitete.

Es war Silvester und irgendwann kam die Frage nach den Pläne für die Zukunft und Tim antwortete: „Ich gründe meine eigene Pfarre.“ Als er das sagte, schoss ein Gedanke durch meinen Kopf, bei dem ich mich sofort sehr alt fühlte: „Ja, darf er das...“ Es war irgenwie ein Ferdinandścher Reflex, der in mir als Österreicher eingepflanzt ist, der mich denken ließ, dass ein derartiger Schritt – eine eigene Pfarre zu gründen – ja irgendwie von der Obrigkeit sanktioniert sein müsse. Nicht in den USA, das erklärte mir Tim gleich, indem er seine Idee wie einen Businessplan präsentierte. Ein wesentliches Kriterium für ihn war, dass seine neue Pfarre nicht zu nahe an der alten, an jener, wo er bisher mitgearbeitet hatte, sein dürfe. Er wolle nicht, dass sein neues Unterfangen als Konkurrenz empfunden werde. Denn schließlich verbinde ihn viel mit der Westerly Road Church, die ja auch eine höchst eigene Entstehungsgeschichte hatte: Drei kinderlose Geschwister hatten sich irgendwann von einem netten Aktienhändler einreden lassen, sich an einem Fonds zu beteiligen. Sie kauften die Papiere, zahlten ein und dann vergaßen sie die Geschichte. Jahr für Jahr kamen per Post die aktuellen Abrechnungen, die sie sich nicht einmal anschauten. Meist landeten die Briefe ungeöffnet in der Rundablage. Es vergingen dreißig Jahre ehe die Neugierde siegte und sie doch nachschauten und feststellten: Ihre Fondsanteile waren ein Vermögen wert, ein Vermögen, das ihnen bisher nicht abgegangen war und das sie auch in Zukunft nicht für sich in Anspruch nehmen wollten. In der Kirche, in die sie bisher gingen aber, fühlten sie sich nicht mehr wohl und entschlossen sich, mit dem Geld kurzerhand eine eigene zu gründen. Sie bestellten bei einem Baumeister eine Fertigteilgebäude, das ließen sie in der Westerly Road aufstellen. Dann schrieben sie die Stelle des Pastor aus und beauftragten ihn damit, eine Gemeinde aufzubauen.

Jeder kann seine Kirche gründen, jeder darf das, auch Tim. In ein, zwei Jahren öffnet er die Tore, verbreitet seine Botschaft, hofft, dass viele Schäfchen kommen, denen er spirituell etwas geben kann und die umgekehrt für seinen Dienst zu zahlen bereit sind. Denn man fragt keine Obrigkeit und solange man die Rechnungen zahlen kann, braucht man sie auch nicht.


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12
Jan
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Mitt Romney in der Stadt

Geschrieben von Dr. Alfons Flatscher
Dr. Alfons Flatscher
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in USA: Zwischenrufe aus Übersee

Die Vorwahlen der Republikaner steuern auf ein mögerweise vorzeitiges Finale zu. Mitt Romney, der ehemalige Gouverneur von Massachusetts, kann mit einem Sieg in South Carolina die Weichen in seine Richtung stellen.

Während für Newt Gingrich, Rick Santorum und Rick Perry der Palemetto-Staat die letzte Station sein könnte. Es ist also Zeit die Samthandschuhe abzulegen. Im Falle von Newt Gingrich meinen  Kommentatoren der Washington Post sogar, er habe eine Atombombe geworfen.

Eine ihm nahestehende Organisation hat auf der Webseite www.kingofbain.com ein Wahlvideo veröffentlicht, das womöglich in die Geschichte eingehen wird. Gingrich setzt damit neue Standards im Bereich der Negativwerbung. Das 28-Minuten-Video ist absolut sehenswert. Selten ist ein Kandidat so entlarvt worden. Hier das Video:

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16
Dez
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Geschrieben von Dr. Alfons Flatscher
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US-Präsidentschaftskandidat Ron Paul interviewt von Sean Hannity"Ron Paul ist extrem", so kommentierten viele konservative TV-Stars die letzte der zahlreichen Diskussionsrunden der republikanischen Präsidentschaftskandidaten, ehe am 3. Jänner tatsächlich die ersten Stimmen in den Vorwahlen 2012 abgegeben werden. Paul ist extrem, weil er als einziger der Kandidaten nicht über ein Bombardment Irans nachdenkt. "Seine Ansichten sind gefährlich", erklärte Mitbewerberin  Michele Bachmann, die lieber heute als morgen gegen das Regime in Teheran vorgehen würde, vorsorglich, schließlich könnten die Perser ja irgendwann zu einer Atombombe kommen.

Unter Republikanern wird man, wie Paul, zum Extremisten, wenn man nicht vorbehaltlos, jeden Militäreinsatz unter welchem Vorwand auch immer gutheißt.

In der gesamten Wahlkampfberichterstattung ist erschreckend, wie sehr die großen Fernsehanstalten in den USA die These von Noam Chomsky, dem Medienwissenschafter, bestätigen, dass sie nichts anderes seien als Sprachrohre des militärisch-industriellen Komplexes. CBS etwa gehört Westinghouse und ist der Sender,  der es geschafft hat, Ron Paul,  jenem Kandidaten der sich für ein Ende der ständigen Kriegstreiberei einsetzt, in einer einstündigen Debatte aller republikansichen Präsidentschaftskandidaten schlanke 89 Sekunden zu Wort kommen zu lassen. Westinghouse ist einer der wichtigsten Lieferanten des Pentagon und an der Spitze des Konzern steht nicht zufällig der frühere Verteidigungsminister Frank Carlucci.

Laut Reichweitenerhebungen beziehen 28 Prozent der amerikanischen Haushalte ihre Nachrichten von NBC, oder einer Schwesteranstalt. Eigentümer ist General Electric, jener Konzern, der von Patriot- über Tomhawk-Raketen zu Tarnkappenbombern alles produziert - beste Produktbewertungen inklusive. Eine Legion von Militärexperten begleiteten auf NBC den Irak-Krieg und sie waren voll des Lobes dafür, wie präzise die Waffensystem der US-Armee funktionierten. Sie kreierten das Bild eines klinisch sauberen Kriegs, das offensichtlich die Fernsehmacher selbst zu glauben begannen. Sean Hannity, der konservative Fox-Kommentator, etwa konfrontierte  den Kandidaten Ron Paul ganz ungläubig: "Haben sie in der Debatte tatsächlich behauptet, dass die USA eine Million Iraker in ihren Feldzügen getötet haben?" Als ihm Paul entgegnet, dass die Zahl vom US-Aussenministerium bestätigt und damit begründet worden sei, dass dies der Preis des Kampfes gegen den Terror sei, reagierte Hannity betroffen und rettete sein Weltbild mit einem herzerwärmenden: "Aber ich glaube fest daran, dass kein Land mehr Opfer gebracht hat  im Kampf für die Freiheit der Muslime....

Die Bomben aus dem Hause der Fernsehanstaltsbesitzer haben halt ein freundlicheres Image und töten für die Freiheit.....

Kriegstreiber unter sich. Republikansiche Präsidentschaftskandidaten schießen scharf gegen Teheran.

 

 


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15
Nov
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Die schauen nur aus wie wir...

Geschrieben von Dr. Alfons Flatscher
Dr. Alfons Flatscher
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…..sind aber ganz anders. Dass sich Amerikaner und Europäer ähnlich seien, ist eine Illusion, die durch die mediale Omnipräsenz genährt wird. Aber da liegt mehr als nur der Atlantik dazwischen....

Nach drei Monaten in einer amerikanischen High School konfrontierte mich mein Sohn ziemlich entgeistert mit seiner neuesten Erkenntnis: „Die Amerikaner schauen nur aus wie wir, sie sind aber ganz anders.“

In Japan oder in China oder in Afrika ist dem Besucher sofort klar, er bewegt sich auf fremdem Territorium in einer fremden Kultur. Die Amerikaner aber scheinen uns so vertraut, so ähnlich, irgendwie sind wir ja mit ihnen sprich ihren Filmen und Serien aufgewachsen und das täuscht darüber hinweg, dass uns Welten trennen

Das Aha-Erlebnis meines Sohnes wurde ausgelöst dadurch, dass sich ein Mitschüler, den er bis dahin für einen ziemlich Vernünftigen gehalten hatte, freiwillig zur Armee meldete, mit 16, nicht etwa um über die Armee zu einer Ausbildung und zu Studienmöglichkeiten zu kommen. Der Schulkollege hat sich zu den Waffen gemeldet, weil er sein Land in Afghanistan, im Irak oder in Libyen verteidigen will und der sanfte Hinweis, dass Landesverteidigung auf fremdem Staatsgebiet ein Widerspruch in sich sei, löst heftige Reaktionen aus. Ein echter Patriot kämpft immer und überall für sein Land.

Die USA geben rund 5 Prozent des BIP für das laufende Militärbudget aus und dazu kommen dann noch die Kosten für die diversen Kriege – rund vier Billionen in den vergangenen Jahren.

Aber von Budgetkürzungen zu reden, ist ein Sakrileg, auch in der alles beherrschenden Diskussion um den gigantischen Schuldenberg. Die republikanischen Präsidentschaftskandidaten etwa überschlagen sich mit Vorschlägen, welche Ministerien eingespart und welche Programme gekürzt werden sollen, aber der Kriegsapparat steht außer Diskussion. „Wir sind im Krieg“, sagt etwa Rick Perry, der Gouverneur von Texas, der drei Ministerien streichen will (sich aber in der Debatte auf CBS nicht daran erinnern konnte, welche drei das nun seien.) Alle Mittel seien gerechtfertigt, sagt er, und weitere sechs von acht Kandidaten folgen ihm. „Wenn ich Präsidentin werde“, sagt etwa Michele Bachmann, „dann würde ich Waterboarden sofort wieder erlauben“. Bachmann hält bei vier Prozent in den Meinungsumfragen, die Gefahr ist also nicht besonders groß, aber auch die meisten anderen Bewerber halten Folter für ein legitimes Mittel im Kampf gegen wen auch immer. Nur der Texanische Mediziner Ron Paul wirft ein, dass damit internationales Recht verletzt wird und dass die US-Gesetze ebenfalls keinerlei Rechtfertigung fürs Foltern finden. Außerdem: „Es ist unzivilisiert und es gibt keinen Hinweis darauf, dass es von praktischem Nutzen sei.“

Mit einer grundanständigen Aussage wird er zum Außenseiter in einer absurden Runden von Möchte-Gern-Präsidenten.

Der jetzige Oberbefehlshaber Obama ist freilich das große Angriffsziel der Grand Old Party (GOP), aber dafür, dass er einen amerikanischen Staatsbürger und seinen 16jährigen Sohn durch Drohnenangriffe ermorden ließ, kriegt sogar er Applaus. Alles ist recht im Kampf gegen den Terrorismus, sagt der Präsident und selbst die politischen Gegner assistieren. Den moralischen Führungsanspruch haben die USA längst verloren.......


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19
Sep
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PR-Gags statt Politik

Geschrieben von Dr. Alfons Flatscher
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Heute will Präsident Obama seinen Budgetvorschlag präsentieren. Die New York Times berichtete vorab, Obama wolle drei Billionen US-Dollar einsparen. Das klingt viel, ist es aber nicht. Eigentlich ist es bestenfalls ein PR-Gag.

Irgendwann ist irgendein PR-Profil draufgekommen, dass es einen schlanken Fuß macht, wenn man Einsparungen nicht auf ein Jahr sondern auf zehn Jahre rechnet. Klingt doch gleich viel imposanter.

Wenn Obama jetzt davon redet, er wolle drei Billionen - innerhalb von zehn Jahren - einsparen, dann klingt das beeindruckender als ehrlicherweise auf 300 Milliarden hinzuweisen, die man jährlich weniger ausgeben will.

Die USA lukrieren Steuereinnahmen von rund zwei Billionen im Jahr, aber sie geben 3,5 Billionen aus. Das jährliche Budgetloch beträgt also  1,5 Billionen und wird sich laut Obamas Rechnung auf 1,2 Billionen senken. Oder wenn man das 10-Jahres-Modell anwendet, werden die Schulden um 12 Billionen statt um 15 Billionen zunehmen.

Ob PR-Gags Probleme lösen, darf bezweifelt werden.

 

P.S: 19.9 Obama hat seinen Vorschlag präsentiert und er ist rundum enttäuschend. Offensichtlich hat der Präsident die Absicht Politik zu machen aufgegeben,  er macht stattdessen Wahlkampf.

"Das beste an dem Vorschlag ist" schreibt etwas Jennifer Rubin, Kommentatorin der Washington Post , "dass er völlig irrelevant ist."

Nachdem sich der Präsident selbst aus dem Spiel genommen hat, liegt es am Superkomitee, dass im August eingesetzt wurde, sich um das horrende Schuldenproblem der USA zu kümmern.

Obama begibt sich inzwischen aufs flache Land und tut, was er am besten kann: reden.

 

 


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15
Sep
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Die Euro-Omerta

Geschrieben von Dr. Alfons Flatscher
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Die Nerven liegen blank. Weil die Grünen unter Werner Kofler im Finanzausschluss mehr über den 22 Milliarden Euro Blanko-Scheck wissen wollen, der dem „Rettungsfonds“EFSF“ ausgestellt werden soll, rasseln die Weltbörsen. Wenn einem heimischem Parlamentarier einer kleinen Oppositionspartei solche Macht zugeschrieben wird, weiß man, was es geschlagen hat.

Die Grünen seien keine wahren Europäer, wenn sie jetzt Fragen stellten, verlautet es gleich aus der Regierung. Augen zu und durch!

Auch der deutsche Wirtschaftsminister Rösler erntete wüste Kritik, weil er in einem Welt-Online-Kommentar meinte es dürfe keinen Denkverbote geben und man müsse auch über die Pleite Griechenlands reden können.

Die Sizilianer nennen das Omerta, das Schweigegelübde. Jeder Eingeweihte weiß, was läuft, keiner redet darüber.

Einen Zipfel von dem, was läuft, hat der amerikanische Finanzminister Timothy Geithner gelüftet, in dem er laut CNBC den Euopäern vorgeschlagen hat, das Konzept des TALF (Term Asset Backed Security Loans Facility) zu übernehmen. Auf diese Art haben nämlich die USA ihr Finanzsystem vor dem Untergang bewahrt.

TALF funktionierte so: Die Zentralbank (Fed) gibt den Banken, sagen wir, einen 200 Milliarden Kredit, nimmt als Sicherheiten Asset Backed Securities (ABS) – also zu dem Zeitpunkt wertlose Papiere – und der Fond übernimmt dafür Haftungen von 20 Milliarden. Mit anderen Worten: wertloses Papier wird im magischen Dreieck von Notenbank, Fonds und Kreditinstitut in gutes Geld verhandelt und zugleich multipliziert, und zwar im Verhältnis 1: 10.

 

Der Vorschlag Geithners ist im Kern, dass der EFSF im Zusammenspiel mit der Europäischen Zentralbank (EZB) genauso vorgehen soll, denn auf diese Weise würden aus den 440 Milliarden, mit denen der Fonds dotiert ist, ganze 4400 Milliarden. Damit wären dann ausreichend Mittel vorhanden, um die Finanzierung jener in der Krise befindlichen Länder sicherzustellen, die noch „kapitalmarktfähig“ seien.

Leverage heißt das Zauberwort, von dem man eigentlich geglaubt hat, dass es verpönt sei, nachdem es 2008 als Ursache der beinahe Kernschmelze des Finanzsystems erkannt wurde.

Die Dotierung des EFSF ist noch nicht einmal von allen EU-Parlamenten beschlossen, und schon läuft die Diskussion, wie man die Mittel „hebeln“ kann.

Was eine Ahnung gibt, wie groß das Loch wirklich ist, von dem niemand reden darf.

Viva la Omerta!

 


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Sep
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Lasst Athen pleite gehen, jetzt!

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Wer Griechenland helfen will, sollte es in die Pleite gehen lassen – und zwar jetzt. Athen hat sich entschieden, eine merkantilistische Wirtschaft aufrechtzuerhalten, Wettbewerb und Effizienz sind Fremdworte. Unter maximalem staatlichen Einfluss blüht die Vetternwirtschaft und der Klientelismus, so sehr sogar, dass in einzelnen Staatsbetrieben die Personalkosten höher sind als der Umsatz. Dieses System verdient es nicht, gerettet zu werden!

Die Diskussion der Experten geht ja längst nicht mehr darum, ob mit weiteren Hilfszahlungen die Insolvenz zu vermeiden sei, die Frage ist ja nur mehr, wie man verhindern kann, dass Banken mit in den Abgrund gerissen werden.

Nur auch da gilt: irgendwann muss damit Schluss sein, permanent die katastrophalen Folgen von wirtschaftlichen Fehlentscheidungen auf die Gesellschaft – sprich alle Steuerzahler – abzuwälzen. Es ist die Pflicht eines Kreditgebers sich die Bonität seines Schuldners anzuschaun, wenn er das nicht tut, muss er mit den Konsequenzen seiner Handlungen leben. Was die Politik jetzt macht, ist nichts anderes als völlig unverantwortliches Handeln zu fördern. Griechische Anleihen sind attraktiv, weil sie hohe Zinsen bringen und kein Ausfallsrisiko. Die Spekulanten rechnen damit, dass die europäische Politik weder den Mut noch die Konsequenz haben wird Ruchlosigkeit abzustrafen.

 

Und das ist das falsche Signal....

P.S.

"Die Presse" präsentiert am 13. September 2011 Informationen aus dem Finanzministerium, dass eine Griechenland-Pleite Österreich 40 Milliarden Euro kosten würde. Leider wird nicht präzisiert, wie man im Ministerium auf diese Zahl kommt, sondern es wird nur nebulos auf den volkswirtschaftlichen Gesamtschaden verwiesen, (vermutlich wird der Zusammenbruch des Euro gleich mit einberechnet), aber tun wir so, als hätte das Ministerium ernsthafte Annahmen getroffen und nicht nur Drohszenarien entfaltet. Egal ob die Kosten 10, 15 oder 40 Milliarden sein werden - am Ende ist doch die entscheidende Frage, wie wahrscheinlich eine Sanierung Griechenlands ist und wie wahrscheinlich es ist, dass Athen Teile seiner Schulden tilgt. Nützt es etwas, wenn man auf Zeit spielt? Nützt es etwas, wenn die EZB die Notenpressen heiß laufen läßt und griechische Staatsanleihen kauft, frei nach dem Motto Schulden sind kein Problem,  solange es Papier und Farbe und Druckmaschinen gibt und Europa sich die Scheine selber herstellen kann.

Eine griechische Tragödie ist, wenn egal welche Wendung die Handlung nimmt, am Ende die Katastrophe steht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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Obama, das begabte Unglück der USA

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Dass Obama ein gewaltiger Redner ist, wussten alle, nur zu sagen hatte er in den letzten Monaten nicht allzu viel. Auch der Auftritt am 8.September vor dem Kongress hinterlässt einen schalen Nachgeschmack, weil da sichtlich einer am Werk war, der Meisterschaft in politischer Rhetorik mit hochgradigem praktischem Dilettantismus paart.

Möglichkeiten tatsächlich Fortschritte zu machen, lässt er aus, um dann mit großem Getöse Handlungen, die er längst hätte setzen können, einzufordern.

Das ganze Desaster um die Defizitreduktion hätte Obama verhindern können. Aber als es Zeit war, tat er nichts, und als der Wettlauf gegen die Uhr seinem Höhepunkt zusteuerte, setzten ihm die Republikaner den Stuhl vor die Tür: „Mit Obama zu verhandeln, ist wie mit Pudding reden.“ , hatte der Sprecher des Repräsentantenhauses John Boehner damals gemeint.

Die Debatte um die Defizitreduktion hat Obama gründlich vergeigt. Statt eine Gesamtkomposition zu erarbeiten, blieb alles Stückwerk. Nie hat er in dieser entscheidenden Phase gezeigt, was die Amerikaner Leadership nennen. Im Herbst vergangenen Jahres setze er eine überparteiliche besetzte Kommission - bekannt als Simson & Bowles – ein, und die erarbeitete und präsentiert im Jänner 2011 grundvernünftige und auch umsetzbare Vorschläge. Die besten Köpfe beider Parteien waren über ihre Schatten gesprungen und schlugen vor, was beiden Parteien weh tat, aber als gut fürs Land empfunden wurde.

Was tat Obama? Er ließ die Kommission im Regen stehen, schubladisierte deren Konzepte, stieß alle die an einem vernünftigen Fortschritt interessiert waren, vor den Kopf und tat dann einmal ausgiebig überhaupt nichts.

Als dann das Desaster beinahe eingetreten war, erging er sich in ausgiebigen Schuldzuweisungen und schob das Problem letztlich vor sich her. Der Kompromiss damals: ein 12köpfiges Superkomitee des Kongresses mit umfangreichen Kompetenzen wird eingesetzt. Es kann und muss bis Anfang November umfangreiche strukturelle Sanierungsschritte setzen.

Was tut Obama? Anstatt auf ein substanzielles auch vom Kongress gestütztes Paket hinzuarbeiten – das Komitee wäre das ideale Vehikel – setzt er auf politische Show, bringt einen neuerlichen Vorschlag, der in der Substanz keinen Fortschritt bringt, aber in der Inszenierung so tut als sei da einer, der das Land führe.

Das Obama´sche Stückwerk wird um einen zusätzliche Facette erweitert, diesmal trägt sie den klingenden Namen „American Jobs Act“.

Ultimaten statt Kommunikation

Das Ding hat überhaupt keine Chance im Kongress verabschiedet zu werden, vor allem deshalb, weil Obama gleich angekündigt hat: „Alles oder nichts“.Aus dem Vorschlag könne man sich nicht die Rosinen herauspicken, sondern unverändert sei es in seiner Gesamtheit zu akzeptieren: „Pass this Act now“.

Damit ist der Präsident 14 Monate vor der Zeit endgültig im Wahlkampf angekommen, mit realer Problemlösung hat das nicht zu tun. Wollte er tatsächlich ein Paket beschließen, hätte er vielleicht vorher mit den Republikaner im Repräsentantenhaus reden müssen, um sie einzubinden und für seinen Vorschlag zu gewinnen. Das hat Bill Clinton in seiner Amtszeit vorexerziert, als er mit einem von der anderen Partei kontrollierten Kongress erfolgreich Politik machte, ganz einfach weil er mit den Andersdenkenden kommunizierte und sie nicht permanent mit Ultimaten konfrontierte.

Obama bleibt der politische Phrasendrescher, der mit seiner faszinierenden Rhetorik das Weiße Haus eroberte, aber einmal dort angekommen nichts mit der verliehenen Macht anzufangen wusste.

Auf Obama trifft immer mehr die Beschreibung zu, die der österreichische Sozialphilosoph Norbert Leser für den kämpferischen Sozialdemokraten Otto Bauer gefunden hat. Bauer sei „das begabte Unglück“ der Partei gewesen, meinte Leser.

Obama erweist sich als „begabtes Unglück“ der USA.

 

Nachtrag 14.9.2011: Finanzminister Tim Geithern hat heute in einer Konferenz angekündigt, Präsident Obama werde nun doch die Simson & Bowles Vorschläge -siehe oben - aufgreifen. Details sollen am Monatg folgen.  Es bleibt zwar die Frage, warum er das nicht schon Anfang des Jahres gemacht hat, aber: besser spät als nie.....


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24
Aug
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Medien voreingenommen

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Eine aktuelle Umfrage sagt: 68 Prozent der Wähler halten die Medien für voreingenommen. 44 Prozent glauben, Journalisten hielten keinen Distanz zu Politikern und seien zu freundlich zu ihnen. 57 Prozent der Befragten finden die Medienbranche sei schlicht unethisch.

Pulse Opinion Research hat die Befragung für das Nachrichtenportel The Hill durchgeführt.

Oder dachten Sie, es ist die Rede von österreichischen Medien und österreichsichen Politikern?


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Aug
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Princeton, das Schulparadies

Geschrieben von Dr. Alfons Flatscher
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Andere Länder, andere Schulsysteme: Den Unterschied zwischen österreichischen und amerikanischen Schulen machen die Lehrer.Spätestens seit Pisa wissen wir, im österreichischen Schulsystem läuft etwas fundamental falsch. An meinen zwei Kindern erfahre ich, was es ist. Ich sehe, wie anders sie in einem neuen System reagieren.

Von Alfons Flatscher, New York


Seit September besucht meine Tochter die John Witherspoon Middle School und mein Sohn die Princeton High School in New Jersey, und ich bin erstaunt, wie sich meine Kinder in diesem Umfeld entwickeln. David, der 15-Jährige, erzählt mir, das er in Mathematik im Moment 94 Prozent aller möglichen Punkte erreicht habe. »Aber wenn ich diese Hausübung noch mache, dann hab ich 100 Prozent.« Zunächst habe ich meinen Ohren nicht getraut, zu deutlich hatte ich seine Reaktion in Erinnerung, wenn ich ihn auf ein »Genügend« in einer Schularbeit im Wiener Wasa-Gymnasium angesprochen habe. »Papa, was willst du, es ist eh ein Vierer.« Wenn er dann mit lauter Vierern durch das Schuljahr gerutscht ist, schleuderte er mir den Satz abgewandelt entgegen. »Papa, was willst du, ich bin eh durch.«

Ein Jahr später kommt der selbe junge Mann zu mir, berichtet von einem Ergebnis, das er in einer fremden Sprache, in einem fremden Land, in einem völlig neuen System erreicht, und zeigt den Ehrgeiz, nicht nur die Bestnote, sondern die Bestnote mit der Maximalzahl an Punkten zu erreichen.

Was ist passiert? Den Unterschied machen Lehrer wie Mark Shelley, er unterrichtet meinen Sohn in Geschichte und er hat mir – und allen anderen Eltern – seit Schulbeginn 28 Mails geschickt. In jedem beschreibt er die Aufgaben und die Projekte, die in den nächsten Tagen und Wochen zu erledigen sind, er erinnert an Hausaufgaben, die noch nicht  abgegeben wurden, und immer wieder betont er, wie viel Freude es ihm macht, meinen Sohn in seiner Klasse zu haben. »Mit diesen Kindern zu arbeiten macht Freude«, schreibt er. Mark investiert Zeit, um die Eltern im Detail zu informieren, was die Kinder gerade lernen, er motiviert, und er zeigt, Lernen macht Spaß!

Die Ansage wirkt.

Als ich jetzt Anfang Jänner in Princeton aufgebrochen bin, um nach Wien zu fliegen, fragt mich meine 13-Jährige, die noch vor wenigen Monaten gezittert hat, ob sie den Umstieg wohl schaffen würde: »Gell Papa, wir müssen nicht nach Österreich zurück.« Als ich nachfrage, warum sie denn in den USA bleiben wolle, antwortet sie: »Weil mir die Schule so gut gefällt.« Was anders sei als im Wiener Musikgymnasium, will ich wissen: »Hier werde ich viel mehr gelobt.«

Und ich versuche mich zu erinnern, ob ich je von einem österreichischen Lehrer ein E-Mail bekommen habe und ob einmal ein Lob für die Leistungen meiner Kinder gekommen ist.


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