Zeitreise per Bahn

Wer in Manhattan in einen Pendlerzug Richtung Newark steigt, beginnt eine Zeitreise zurück in die Vergangenheit. Der Weg führt durch Tunnel aus dem Jahre 1910 – und so schauen sie auch aus. Trotzdem explodieren die Passagierzahlen.

Die Kappen der Schaffner sehen aus, als stammten sie aus der Requisite eines Hollywood-Streifens. Die Zeit: die 30er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Der Ort: New York City, Penn Station. Das Genre: ein Trauerspiel – für alle jene, die täglich auf die Bahn angewiesen sind, um aus dem Westen in die Stadt zu kommen. Zwei Bahntunnel, jeweils eingleisig, führen über diesen Korridor zur Penn Station. Beide wurden 1910 gebaut und seither nicht erweitert. Sturm Sandy hat ihnen 2014 den Rest gegeben. Die North River Tunnel sind permanent beschädigt. Fahrpläne sind jetzt mehr Traum als Wirklichkeit. Mitunter dauert die 20-Kilometer-Fahrt nach Newark drei Stunden.

Alle Versuche, das Nadelöhr zu beseitigen, sind gescheitert, genauso wie die Reparatur der Rolltreppe zwischen Bahnsteig 15 und 16 in den 1970er-Jahren. Amtrak, die staatliche Bahngesellschaft, besitzt die Penn Station; Die städtische MTA (Metropolitan Transportation Authority) und die dem Bundesstaat New Jersey gehörende NJ Transit nutzen den Bahnhof. Man  konnte sich nicht darauf einigen, wer denn die Rolltreppe zu reparieren hätte. Also stand das Ding. Ob die Kosten von 82.000 Dollar im Schlüssel 80:20 oder 82:18 geteilt werden sollten, darüber wurde vier Jahre lang gestritten, Studien in Auftrag gegeben. Als man sich endlich zu einem Kompromiss durchrang, dauerte die Instandsetzung drei Monate. Einen Tag nach der Wiederinbetriebnahme gab die Rolltreppe erneut den Geist auf.

Scheitern hat Tradition
NJ Transit begann im Jahr 1995 die Planung eines neuen Tunnels, nannte es Projekt ARC und scheiterte 2011 am Veto von Gouverneur Chris Christie. Man könne sich den 10-Milliarden-Tunnel nicht leisten, meinte Christie, stampfte die Vorplanungen ein und verscherzte es sich mit den Pendlern. Als er dann auch noch eine Fahrspur auf der George-Washington-Brücke mitten im Stoßverkehr sperren ließ, um sich an politischen Gegnern in Fort Lee zu rächen, erlitt seine Karriere endgültig irreparablen Schaden. Stichwort: Bridgegate.

2016 wurde das Projekt Gateway aus der Taufe gehoben, das als größtes Infrastrukturprojekt der USA gepriesen wurde, ehe das Transportministerium im heurigen Juli ausstieg. Präsident Obama hatte die Hälftefinanzierung zugesagt, Donald Trump will davon nichts mehr wissen.  

Pendler sind Unbill gewohnt und trotz des miserablen Zustands, in dem sich der Nord-Ost-Korridor befindet, steigen die Nutzerzahlen rasant an. Der Hauptgrund dafür: Die Bahnverbindung ist mies – aber die Straßenverbindungen über den Holland und Lincoln Tunnel sind noch mieser.

It´s the communication, stupid!
Weniger ist mehr