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Fliegende Experimente

Space-Ship-One-web

Die amerikanische Zivilluftfahrt ist seit Jahren in der Krise. Während Cessna, Beechcraft und Piper, die einstmals großen Drei, bessere Tage erlebt haben, bleibt der Trend zum Selberbauen ungebrochen. Rund 25.000 Experimental-Flugzeuge, Marke Eigenbau, sind im US-Luftraum unterwegs. Sie sind die Zukunft der Fliegerei, sagen Experten.

Wer die Musik nicht hört, glaubt, der Tänzer sei verrückt geworden«, steht auf einer Plakette im Cockpit des Flugzeugs, das Earnest gebaut hat. Gleich neben der Aufschrift »Experimental«. Diese Kennzeichnung schreibt die Luftfahrtbehörde vor, damit jeder Passagier weiß: Bei der fliegenden Kiste hat der Pilot selbst Hand angelegt und die strenge Zertifizierung gibt es nicht. Wer da mitfliegt, tut es auf eigenes Risiko.

Earnest ist ein präziser Tüftler und hat mit großer Liebe zum Detail Kons-truktionspläne umgesetzt, die aus der Feder des Gurus des Flugzeugbaus stammen: Burt Rutan ist der Säulenheilige der experimentellen Luftfahrtbewegung, dem alljährlich im Juli in Oshkosh bei der größten Flugschau gehuldigt wird. Rutan hat unter anderem den Voyager gebaut, das erste Flugzeug, das einen Non-Stop-Flug rund um den Globus absolviert hat und Space-Ship-One, das von Virgin-Airline und Microsofts Steve Ballmer finanzierte erste private Weltraumtaxi.

Auch Earnests Quickie200 ist von Rutan entwickelt worden, in den 70er Jahren, als die gesamte zivile Luftfahrtindustrie kurz vor dem Zusammenbruch stand. Cessna hatte sich vorübergehend aus dem Markt verabschiedet, Grumman war in die Pleite geschlittert, bei

Piper und Beechcraft jagte eine Umstrukturierung die nächste. Mitschuld an der Misere der Industrie waren skrupellose Anwälte, die im Namen trauernder Witwen das Flugzeug verantwortlich machten für den Absturz der Piloten. Unglaubliche Beträge wurden den Opfern zugesprochen und die kommerziellen Flugzeugbauer haben mit Rückzug oder Einstellung jeglicher Innovation reagiert.

Was nicht seit Jahrzehnten erprobt war, kam nicht mehr zum Einsatz und irgendwie haben die Airmen die Freude an den fliegenden Museumsstücken verloren und zur Selbstverteidigung gegriffen. Sie legen selber Hand an, so wie Earnest. Er hat die Pläne für seine Quickie von einer rabiaten Ehefrau gekauft, die ihren Mann in eine Anstalt für psychisch Kranke hat einweisen lassen, nachdem er mit den Bauanleitungen heimgekommen war.

Earnests Frau war da toleranter und auch mutiger. Sie half beim Auflegen der Glasfaser-Matten und beim Schneiden des Schaumstoffs und war dann beim Jungfernflug am Flughafen von Ashville, North Carolina, mit dabei. Später flog sie dann regelmäßig mit. Immerhin schaffte Earnest 1.200 Flugstunden, ehe er sich einem neuen Projekt zuwandte. Jetzt steht seine Thatcher CX4 kurz vor der Fertigstellung, ein Einsitzer, Earnests Frau will nicht mehr fliegen.

Es hat sich eine eigene Industrie für Flugenthusiasten entwickelt. Lancair, Glasair, Velocity sind die prominenteren Entwickler, die den Flugenthusiasten Pläne und Bausätze liefern. Glasair etwa greift bei seiner Sportman den Bastlern unter die Arme und verspricht, in zwei Wochen sei das Fluggerät startklar.

Nur 51 Prozent der Arbeit muss der Pilot selber machen – damit sich das Haftungsthema erledigt und kein Anwalt den Lieferanten für Baufehler verantwortlich machen kann. Earnest hat sich den Traum von der grenzenlosen Freiheit über den Wolken selbst erfüllt. Auf eigenes Risiko!

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