Wien wächst nach oben



34.304 Wohnungen könnten in den Dachböden des Wiener Gebäudebestands aus den Jahren 1950 bis 1970 zusätzlich ausgebaut werden, so das Ergebnis des Forschungsprojekts Attic Adapt 2050. Mit der Klimastrategie Gebäudesanierung sieht die Stadt Wien eine Sanierungsrate von 3 % vor.

Wien wächst – und Wien wächst nicht: Wiens Bevölkerung wird bis zum Jahr 2050 von 1,7 Millionen Einwohnern (2014) auf 2,1 Millionen Einwohner angewachsen sein, und dies bei gleichbleibender Fläche. Diesen zukünftigen Bedarf an Wohnfläche können die wenigen Stadtentwicklungsgebiete innerhalb Wiens nicht abdecken. Somit muss Wohnraum durch Altbausanierung, Nachverdichtung und Weiterbauen entstehen. Um das vorhandene Potenzial zu fördern, sind Zubauten, Aufstockungen und Dachausbauten notwendig.

Wissenschaftler haben die Vor- und Nachteile des wirtschaftlichen Dachgeschoßausbaus im sozialen Wohnbau im Forschungsprojekt Attic Adapt 2050 erhoben und Empfehlungen für die Architektur entwickelt. Seit den 1920er-Jahren hat Wien eines der größten öffentlichen Wohnbauprogramme der Welt umgesetzt. Das erste kommunale Wohnprogramm wurde durch die ehemalige sozialdemokratische Verwaltung eingeführt: 25.000 neue Wohnungen von 1923 bis 1927 wurden in dieser Zeit errichtet.

Mit dem geschichtsträchtigen Wiener Gemeindebau Goethehof begann der soziale Wohnbau in den frühen 1920er-Jahren in Wien. Mit einem umfangreichen Bauprogramm sollten für die Bevölkerung Wohnungen geschaffen werden, die hell, trocken und mit Wasserleitungen und WCs ausgestattet sind.

Heute, fast hundert Jahre später, ist der Goethehof mit 13.000 m2 Dachgeschoßausbau und 121 neuen Wohnungen einer der größten Ausbau-Baustellen Wiens (Foto oben). Mit über 600 Dachflächenfenstern beliefert der weltweit zweitgrößte Hersteller von Dachflächenfenstern FAKRO diese Baustelle. Wärmegedämmte Fassaden, Aufzüge, neue Fenster und Türen sowie der nachhaltige Dachausbau machen den geschichtsträchtigen Gemeindebau abermals zu einem Ort für leistbares und zeitgemäßes Wohnen.



Wirtschaftlicher Dachausbau, kurze Bauzeit
Besonders diese Wohnbauten aus der Zwischen- und Nachkriegszeit eignen sich für eine wirtschaftlich effiziente Erweiterung und bieten ideale Voraussetzungen für eine standardisierte Nachverdichtung und den wirtschaftlichen Dachausbau. Zum einen weil sie überwiegend in Zeilenbauweise errichtet wurden, und zum anderen verringern die großräumigen Grünflächen zwischen den Gebäuden die Bebauungsdichte.
Weil die Erweiterung im sozialen Wohnbau bei gleichzeitiger Nutzung der bestehenden Wohnungen stattfindet, muss die Bauzeit kurz gehalten werden, denn für die Bewohner der Gebäude ist allein die Bauphase ausschlaggebend. Die Vorbereitungszeit ist detaillierter und nimmt mehr Zeit in Anspruch, die Montagezeit vor Ort kann dagegen reduziert werden. Bei eingeschoßiger Aufstockung rechnen die Experten mit vier Wochen längerer Planungszeit, dafür aber acht Wochen kürzerer Bauphase. Bei zweigeschoßigen Erweiterungen ist die Zeitersparnis auf der Baustelle noch größer: Die Experten erwarten eine Reduktion der Bauzeit von 16 auf sechs Wochen. Neben der Zeiteffizienz betonen die Wissenschaftler auch den enormen Kostenvorteil: Im Vergleich zu konventioneller Bauweise liegt demnach die Kostenersparnis bei bis zu 10 %.


Am Dach des Goethehof: Mit über 600 Dachflächenfenstern beliefert der weltweit zweitgrößte Hersteller von Dachflächenfenstern FAKRO diese Baustelle.

Sommerlicher Wärmeschutz
Eine weitere Herausforderung ist es, die Behaglichkeit der Wohnräume während der steigenden Hitzeperioden zu gewährleisten. Besonders im Dachgeschoß ist diese Betrachtung aufgrund der sonnenbeschienenen Flächen notwendig. Eingeschränkte Möglichkeiten der Querlüftung der Wohnungen erhöhen ein ungünstiges Innenraumklima im Sommer. Ziel ist es, die Temperaturspitzen im Sommer zu reduzieren und die Behaglichkeit in den Innenräumen zu erhöhen. Bereits bei der Architekturplanung ist eine passende Beschattung vorzusehen. Wenn große Dachflächenfenster mit Südausrichtung gewünscht sind, dann ist eine außenliegende Beschattung einzuplanen. So kann die Solareinstrahlung aktiv abgegrenzt und die Temperatur im Komfortbereich gehalten werden.

Quelle: Attic Adapt 2050

www.fakro.at

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