Kompliment den Wählern

Die österreichische Wählerschaft ist mündig geworden. Kompliment!

Sie fällt differenzierte Urteile, lässt sich nicht mehr in Lager pressen und schaut sich genau an, was und vor allen Dingen wer da zur Wahl steht. Wie anders wäre es möglich, dass wir heute den ehemaligen grünen Parteichef als Bundespräsidenten haben. Van der Bellen sitzt in der Hofburg, während seine Partei wenige Monate später hochkant aus dem Parlament fliegt.

Verdienste der Vergangenheit sind Verdienste der Vergangenheit, die Wähler interessiert das Hier und Heute und sie reagieren mitunter schonungslos. Das ist bitter für jene, die es sich schon kommod in ihren Ämtern eingerichtet haben. Aber: Die Zeit der Erbpacht ist vorbei. Das hat auch das sozialdemokratische Urgestein Rudolf Hundstorfer schmerzlich erfahren, als er im roten Wien gerade einmal die Zweistelligkeit schaffte.

Diese Mündigkeit der Wählerschaft ist eine wunderbare Nachricht für die Demokratie und eine ganz schlechte für die Apparatschiks, die sich in den Parteien hochdienen und daraus nach vielen Jahren einen Anspruch auf ein Mandat ableiten wollen. Wer wie lange in Gremien gesessen ist, interessiert niemanden mehr. Wichtig ist, was Kandidaten zu sagen haben. Das wird an den Urnen beurteilt – erbarmungslos.

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Schub für den ­Wettbewerb