Singers Finanz-Blog

Aktuelle Entwicklung in Wirtschaft und Finanzen, kritisch kommentiert

Klaus Singer (Jg 1947) arbeitet seit 1997 als unabhängiger Industrieberater und Finanzanalyst. Dabei fokussiert er die Elektronik und die industrielle Automatisierung. Zuvor war Anteilseigner und Geschäftsführer einer Firma in diesem Bereich. Darüber hinaus erarbeitet er im Rahmen seiner publizistischen Tätigkeit zu unterschiedlichen Themen im Rahmen von Kundenprojekten, wie auch eigenen Vorhaben, Beiträge in Wort und Schrift. Klaus Singer hat an einigen Büchern mitgewirkt, so etwa an dem 1998 von Jähne, Haußecker und Geißler herausgegebenen, bei Academic Press erschienenen Standardwerk "Handbook of Computer Vision and Applications". Zur Jahresmitte 2004 ist im FinanzBuch Verlag das von Klaus Singer und Robert Rethfeld gemeinsam verfasste Buch "Weltsichten - Weitsichten" erschienen, das sich mit Fragen der langfristigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung beschäftigt. Für das von H. Aschoff herausgegebene Sammelwerk "Die Investstrategien der Profis" steuerte er einen Beitrag über die gedanklichen Grundlagen der TimePatternAnalysis bei. Aus der Erforschung der Mechanismen hinter der Bildung von Preisen und Kursen entwickelte Klaus Singer die TimePatternAnalysis, die seit Herbst 2003 im Einsatz ist. Ihre Ergebnisse werden täglich auf der im Frühjahr 2004 geschaffenen Webseite www.TimePatternAnalysis.de veröffentlicht. Seit März 2011 betreibt er den Blog "TimePatternAnalysis - der Blog" mit Kommentaren und Hintergrundberichten zu aktuellen Entwicklungen in Wirtschaft und Finanzen.

Finanz-Märkte – das große Bild

In der zurückliegenden Woche hatte es den größten Tagesrücksetzer im S&P 500 seit der Wahl Trumps zum US-Präsidenten gegeben. Die –1,2% wurden sogleich von Warnungen in den Medien begleitet. Eine Umfrage von BofA Merrill Lynch unter 200 Fondmanagern hat ergeben, dass ein Drittel von ihnen Aktien für überbewertet halten. Das ist zwar der höchste Wert seit 17 Jahren, gleichzeitig liegen ihre Investitionsquoten bei Aktien aber auf zwei-Jahres-Hoch, bei Bonds auf drei-Jahres-Tief.

Ein weiteres Zeichen für den großen Optimismus der Fondsmanager ist, dass zwei Drittel von ihnen glauben, dass Aktien erst dann unter die Räder kommen, wenn die Renditen von zehnjährigen US-Staatsanleihen über 3,5% steigen, aktuell sind es 2,4%. Zusätzlich stellt eine Umfrage von Investors Intelligence den höchsten Optimismus bei Aktienanlegern seit 30 Jahren fest.

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Zinsen und Inflation

Es gilt mittlerweile als ausgemacht, dass die Fed Mitte März einen weiteren Zinsschritt unternimmt und die Zielrate in den Bereich zwischen 0,75% und einem Prozent hoch legt. Nach Taylor-Regel müsste der Leitzins in den USA irgendwo bei drei Prozent liegen. Mithin ist der Leitzins dann immer noch völlig „unterbelichtet“.

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EU-Kommission hebt Finger gegen Italien

Die EU-Kommission hebt mal wieder den Finger (nein, nicht den Mittelfinger) und droht Italien, wegen dessen wachsender Schuldenlast ein Verfahren gegen das Land zu eröffnen. Italien soll bis April darlegen, wie das Haushaltsdefizit verringert werden kann. Vorgabe sind Einsparungen im Umfang von 0,2% des italienischen BIP, also 3,3 Mrd. Euro. Die Staatsverschuldung kommt auf rund 133% des BIP.

Das Land könnte nach Durchführung eines EU-Verfahrens sogar bestraft werden – eine Geldstrafe von bis zu 0,5% des BIP wäre möglich. Gleichzeitig forderte die Kommission Deutschland mal wieder auf, wegen der hohen Export-Überschüsse in 2016 von fast 253 Mrd. Euro mehr zu investieren. Eine Stärkung der Binnennachfrage in Deutschland würde helfen, die Teuerungsrate zu erhöhen und die Entschuldung in den besonders betroffenen Mitgliedsländern zu erleichtern, heißt es.

 

Seit Draghis „Whatever it takes“ Mitte 2012 und dem bisher nicht aktivierten OMT-Programm vom September 2012 waren die Renditen in der Eurozone beständig gesunken. Zinsen für zehnjährige italienische Staatsschulden erreichten im Tief im Frühjahr 2015 und im dritten Quartal 2016 etwa ein Prozent. Seit einigen Monaten steigen sie, kürzlich hatten sie zwei Prozent überschritten, aktuell liegen sie bei gut 1,8%.

 

Der folgende Chart zeigt sehr deutlich, wie weit in Italien soziales Wohlergehen und das der Bond-Halter auseinanderklafft. Die Jugendarbeitslosigkeit steigt seit 2012 munter weiter und hat kürzlich wieder 40% erreicht. Gleichzeitig spiegeln die Zinsen recht solide Staatsfinanzen wider – lachhaft bei einer Verschuldungsquote von 133% (siehe auch hier!).

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Inflation – gut oder schlecht?

US-Aktien haben gestern in den letzten Handelsminuten noch neue Rekordhochs herausgequetscht, nachdem Dow und S&P 500 zuvor geschwächelt hatten. Manchmal sagen solche minimalen Bewegungen einiges aus – in diesem Fall haben wohl große Akteure vor dem langem Feiertagswochenende in den USA dafür gesorgt, dass das Bild vordergründig weiter positiv aussieht.

Im VIX stecken häufig frühe Hinweise auf künftige Kursänderungen. So hat Tom McClellan jetzt darauf hingewiesen, dass der Preis der teuersten VIX-Future-Kontrakte (also in aller Regel die mit der längsten Laufzeit) zu sinken beginnt. Trotz der Tatsache, dass der Spotpreis des VIX seit Juli 2016 fast ausschließlich unter 15 lag, blieb der teuerste VIX-Future-Kontrakt bisher über 20. Das änderte sich erst vor wenigen Tagen, am 15. Februar wurden lediglich 17,675 bezahlt, das ist der tiefste Wert seit August 2015, bevor es zum China-befeuerten Mini-Crash kam.

 

Werte unter 18 für den teuersten VIX-Kontrakt sind selten, sie zeigen übergroße Sorglosigkeit und das fällt gewöhnlich mit signifikanten Topps bei Aktien zusammen. Keine Regel ohne Ausnahme: Während QE3 lagen die Preise der teuersten VIX-Kontrakte längere Zeit deutlich unter 18. Aber seitdem funktioniert der Zusammenhang wieder, sagt McClellan (Chartquelle).

 

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Hallo Euro-Krise!

Wenn Trump nicht gerade wieder über seine Vorhaben zwitschert, richtet sich die Aufmerksamkeit mal wieder in Richtung Euro. Zweijährige Griechenland-Bonds rentieren über zehn Prozent, die Renditen von Bonds anderer Länder der südlichen Peripherie der Eurozone steigen, auch der Spread zwischen französischen und deutschen Renditen weitet sich aus. Momentan wird gerade ein möglicher Wahlerfolg des Front National bei den französischen Präsidentschaftswahlen hoch gekocht (zweiter Wahlgang Anfang Mai).

Interessanterweise hat EZB-Chef Draghi kürzlich in einem Brief an zwei italienische Europa-Abgeordnete geschrieben: „Wenn ein Land aus dem Eurosystem ausscheiden sollte, müssen die im Target-System aufgelaufenen Forderungen oder Verbindlichkeiten ausgeglichen werden.“ (h/t Dr. M. Hüfner) Anlass für seine Äußerungen dürfte die Diskussion in Italien über ein Referendum zum Austritt aus der Währungsunion sein. Draghi droht damit, dass ein solcher Schritt teuer wird. Italien, wie auch Spanien, schulden dem Euro-System jeweils rund 350 Mrd. Euro, Deutschland hat Forderungen in Höhe von über 750 Mrd. Euro (Chartquelle).

 

 

Draghi hat mit seiner Äußerung zum ersten Mal die „Ewigkeit“ der Euro-Währungsunion in Frage gestellt – in den Maastricht-Verträgen ist kein Austritt aus der Euro-Zone vorgesehen. Zwar war auf dem Höhepunkt der Griechenland-Krise schon einmal die Möglichkeit eines Austritts diskutiert worden. Die Auswirkungen eines solchen Schritts waren und sind aber überschaubar, das Land ist klein. Und die meisten seiner Schulden liegen mittlerweile wohlverwahrt bei öffentlichen Institutionen der übrigen Mitgliedsländer der Eurozone. Bei einem Land von der Größe Italiens ist das schon anders.

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US-Wirtschaft: Folgt das BIP den Kursen?

Die Zahl der US-Arbeitsplätze ist im Januar um 227.000 gestiegen (non-farm), wesentlich mehr als erwartet. Das ist zwar ein stärkerer monatlicher Zuwachs als im Dezember, aber mit einem Anstieg um 1,55% im Jahresvergleich setzt sich die relativ schwache Dynamik fort. Im Februar 2015 war mit +2,28% zuletzt der stärkste Jahreszuwachs erreicht worden, seitdem sinken die Zuwächse. Zugleich sind die durchschnittlichen Stundenlöhne nur um 0,1% im Monatsvergleich angestiegen, auf das Jahr gerechnet ergibt sich ein Zuwachs von 2,5%.

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Trump: So geht Wirtschaft (oder auch nicht)

Trump hält Wort – er hatte im Wahlkampf versprochen, die Grenze zu Mexiko mit einer Mauer zu versehen, damit Schluss ist mit der heimlichen Abwanderung von US-Arbeitsplätzen. Ach nein, es soll verhindert werden, dass Mexikaner den Amerikanern ihre Arbeitsplätze weg nehmen. Bezahlen soll Mexiko, na klar, wer sonst! Das Land ziert sich noch, eventuell will Trump daher das Geld über Einfuhrzölle wieder reinholen. „Believe me,“ pflegt er bei besonders abstrusen Plänen gerne zu sagen.

Ich will Herrn Trump nicht zu nahe treten, aber seine volkswirtschaftlichen Pläne kann er sich unmöglich alleine ausgedacht haben. Wer also? Seine wichtigsten Berater in Handelsfragen sind Wilbur Ross und Peter Navarro. Der erste soll Handelssekretär werden, der zweite soll dem neu geschaffenden „Nationalen Handelsrat“ vorsitzen. Beide hatten Ende September 2016 auf der Website von Trump ein 30-seitiges Papier mit dem Titel „Scoring the Trump Economic Plan: Trade, Regulatory, & Energy Policy Impacts“ veröffentlicht.

 

Wilbur Ross (80) ist Investor und früherer Banker, der damit reich wurde, notleidende Firmen vor allem im Fertigungs- und Stahl-Bereich zu kaufen und nach Restrukturierung gewinnbringend zu veräußern. Forbes listet ihn als Milliardär mit einem Netto-Vermögen von knapp drei Mrd. Dollar. Er ist der Meinung, dass Länder, die fair spielen und jedem eine Chance für fairen Wettbewerb geben, Zugang zum US-Markt haben sollten. Diejenigen aber, die sich nicht an die Regeln halten, sollten schwer bestraft werden.

 

Peter Navarro (68), Professor für Volkswirtschaft an der Universität von Kaliformien, diente Trump im Wahlkamp als wirtschaftspolitischer Berater. Er wird in seiner Zunft nicht sehr ernst genommen, gilt als Außenseiter. Er meint, der Aufstieg Chinas müsse gestoppt werden, das Land sei für den Abstieg Amerikas verantwortlich. Er vertritt eine isolationistische Politik, ist Anhänger des Protektionismus und sieht Importe in die USA grundsätzlich als Teufelswerk an.

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Dollar - Euro - Gold

Nichts zu Trump zu schreiben, ist dieser Tage schwierig. Indirekt hat alles, was auch nur im Entferntesten mit Wirtschaft zu tun hat, einen Bezug dazu. Das ist nicht zu vermeiden.

Der Dollar-Index bewegt sich übergeordnet in einem aus 1986 stammenden Abwärtskanal, momentan testet er den Psycho-Pegel bei 100. Charttechnisch ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass als nächstes der Bereich von 106 angelaufen wird. Das könnte bis in das dritte Quartal hinein gehen.

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Vor der Inthronisation von Trump

Am 20. Januar wird Trump offiziell zum 45. Präsident der USA gekürt. Die Finanz-, resp. die Aktienmärkte haben ihren Salut längst abgeschossen. Seit der Wahl von Trump am 8. November sind die Kurse im Finanzsektor um etwa 17% gestiegen, der S&P 500 um rund 6%. Gewettet wird auf die einfache Gleichung Trump=Infrastrukturinvestionen+Steuersenkungen+Banken-Deregulierung.

Die Stimmungsindikatoren in der US-Wirtschaft haben sich deutlich aufgehellt. Besonders hoch fliegend zeigen sich die Erwartungen im „Small Business Optimism Index“, der im Dezember so hoch stieg wie zuletzt 2004. Hier dürften sich auch die Tiraden von Trump gegen den „Freihandel“ niederschlagen.

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20K oder 20B – was kommt zuerst?

Im neuen Jahr werden vermutlich zwei runde Zahlen „geknackt“. Gestern erreichte der Dow Jones Average intraday fast 20.000, es fehlte nicht mal ein Punkt. Die US-Staatsverschuldung kommt aktuell auf 19,952 Bill. Dollar, bis zur Inthronisation von „King Donald II“ dürfte die runde Zahl 20 Bill. Dollar wohl erreicht sein. Und dann geht’s weiter – er hat ja schon angekündigt, neue Schulden zu machen.

Legt man den Verlauf von Aktienkursen und Verschuldung seit den 1920er Jahren zugrunde, so ist das eine gute Nachricht für Aktienkurse. Denn jedesmal, wenn das Wachstum der Schulden nicht so fröhlich weiter ging wie zuvor, gab es im S&P 500 Probleme. 1928/1929 nahm die jährliche Verschuldung in Relation zum BIP ab, es folgte die Weltwirtschaftskrise mit einem drastischen Einbruch der Aktienkurse. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu einer deutlichen Reduktion der jährlichen Neuverschuldung, der S&P 500 brach ein und lief dann mehrere Jahre seitwärts. Ein ähnliches Bild 1957/1958. In 2000 war die Neuverschuldung nach einer Reihe von Jahren mit abnehmender Neuverschuldung nahezu bei Null angelangt, die dotcom-Blase platzte. 2008 reichte schon ein drei Jahre von relativ hohem Niveau aus abnehmendes Defizit relativ zum BIP, es folgte die Finanzkrise mit ihrem starkem Verfall der Aktienkurse.

 

 

Ich habe bewusst „folgte“ geschieben, an dieser Stelle möchte ich keine Kausalbeziehung herstellen. Nach jedem Versuch, die Neuverschuldung zumindest deutlich zu reduzieren, folgte eine Rezession. Die Kausalität geht vermutlich über eine restriktivere Geldversorgung, die eine geringere Neuaufnahme von Staatsschulden bewirkt. Das steht wiederum für abnehmende staatliche Anreize und trägt so dazu bei, dass der Konjunkturzyklus in eine Rezession übergeht.

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