Auf einen Blick

Auf einen Blick

Derzeit arbeiten 1.200 Arbeiter in verschiedensten Gewerken parallel am Austria Campus in Wien. Ohne einer professionellen Baulogistik wäre die Gemengelage auf der rund 50.000 m² großen Baustelle kaum zu bewältigen.

Die Aufgabe professioneller Baulogistik ist es, Regeln für den optimalen Ablauf auf der Baustelle aufzustellen, zu prüfen und zu kontrollieren«, erklärt Dominik Müller, Geschäftsführer von Zeppelin Streif Baulogistik Österreich, die Aufgabe seines Unternehmens. Dafür braucht es die Ausbauphase. »Der Rohbau koordiniert sich noch selber. In dem Moment, wo das erste Ausbaugewerk kommt, startet die Logis­tikkoordination.« Aktuell zeigt Zeppelin seine Kompetenz am Austria Campus Wien, einem der größten Bürokomplexe Europas mit insgesamt 303.000 Quadratmetern Bruttogeschoßfläche. Er bildet eine der größten Hochbau-Baustellen Österreichs. Die Gebäude befinden sich aktuell in verschiedenen Baustadien.

Bild: Zeppelin Streif Baulogistik Österreich hat direkt auf der Baustelle des Austria Campus eine Mietstation für Baumaschinen und Geräte eingerichtet.

Daher sind am Bauareal bis zu 60 Gewerke parallel im Einsatz, 350 Fahrzeugbewegungen am Tag sind keine Ausnahme. In der Baulogistik ist nicht alles schwarz oder weiß, es muss Grauzonen geben. Müller nennt im Gespräch mit dem Bau & Immobilien Report dazu das Thema Zeitfenster, die für Anlieferung und Abtransport von Material vergeben werden. »Die betroffenen Firmen liefern oft verspätet, benötigen manchmal aber nur einen kleinen Teil ihres Zeitfensters.« Aufgabe eines Baulogistikers ist es dann, die Ladezeiten zu hinterfragen und im Extremfall die Zeitfenster zu verschieben bzw. zu kürzen. Bei Verschiebungen von Zeitfenstern ist zu überlegen, wie man das Abladen in einer kürzeren Zeit schafft, ob auf eine andere freie Ladezone ausgewichen oder welche Tätigkeit in ein anderes Zeitfenster verschoben werden kann. »Das ist unsere tägliche Challenge«, so Müller.

Automatisierte Baustelle

Dazu arbeitet Zeppelin Streif Baulogistik Österreich mit dem selbst entwickelten Online Avisierungsportal, OAS. Transportlogistik und die Organisation der Baustelleneinrichtung können damit für alle Beteiligten noch transparenter und übersichtlicher gestaltet werden. »An der Baustelleneinfahrt haben unsere Logistikmitarbeiter immer im Blick, welche Transporte erwartet werden und können ankommende Lieferungen schnell abfertigen. Passiert ein LKW die Schranke, quittiert der Baulogistiker die Einfahrt und sein Kollege am zugewiesenen Bauaufzug erhält in Echtzeit die Information, dass das avisierte Material auf der Baustelle eingetroffen ist«, informiert Geschäftsführer Dominik Müller.

Bild: Schachinger Baulogistik ist mit seinen Transportfahrzeugen rund 3 Millionen km pro Jahr unterwegs, 200.000 Tonnen Material werden geliefert.

OAS organisiert Entladehilfen und benötig­te Aufzugsfahrten. So ist alles vorbereitet, wenn die Lieferung an der Entladezone ankommt. Am Aufzug organisiert ein Logistiker die einzelnen Fahrten. »Jedes Gewerk schaut v.a. auf sich selbst. In die Aufzüge wird ein- und ausgeladen, danach bleiben vielfach die Türen offen. Damit fallen Aufzüge oft die halbe Zeit aus«, so Müller. Mit der Aufzugskontrolle wird die Auslastung optimiert. Nach getaner Leistung checkt der Transporteur bei der Ausfahrt aus, der Baulogistiker quittiert den Vorgang. »Damit ist am Ende eines Arbeitstages auf einen Blick sichtbar, ob alle angemeldeten Transporte tatsächlich stattgefunden haben. Das ermöglicht uns, täglich weitere Optimierungspotenziale festzustellen und Mängel zu heben.«

Baulogistikkonzepte umfassen auch den letzten Schritt am Bau, die Entsorgung. »Die gesetzlich vorgeschriebene Trennung bedeutet einen erhöhten Logis­tikaufwand«, stellt Martin Car vom BRV fest. Für den getrennten Abtransport seien zahlreiche Container und Transportfahrzeuge nötig. Die Lösung von Zeppelin: Rollbehälter mit 770 l Fassungsvermögen, alle ausgestattet mit einem Barcode. Damit kann jederzeit eine Zuordnung über die entsorgten Mengen und Fraktionen erfolgen. Firmen erhalten die Rollbehälter nach Bedarf, zahlen nur, was als Fraktion an Zeppelin als lizensiertem Abfallsammler übergeben wird. Individuelle Betreuung erfahren die Bauunternehmen auch mit Zeppelin OnSiteRental.

Bild: »Firmen, die die Digitalisierung am Bau verschlafen, spielen in ein paar Jahren nicht mehr mit«, ist Dominik Müller, Zeppelin Streif Baulogistik, überzeugt.

Damit können Baumaschinen und Geräte direkt auf der Baustelle spontan nach Bedarf gemietet werden. Die Gewerke auf der Baustelle profitieren, da sie nicht Maschinen aus ganz Österreich anfordern und Transport zahlen müssen. Gleichzeitig erhöht die Station ihre Auslastung und gewinnt auf komfortable Weise neue Kunden. Anrainer und Baubeteiligte profitieren von weniger Lieferverkehr. Das Online Avisierungsportal von Zeppelin umfasst mehrere Logistikleistungen. Diese können aber auch einzeln genutzt werden, was laut Müller für viele Kleinbaustellen interessant ist.

Faktor Zeit

Die digitale Abwicklung am Bau ist auch für Andreas Gobiet, Geschäftsführer von Ingenos.Gobiet, entscheidend. »Digitalisierung und Automatisierung bilden die Zukunft der Baulogistik, die einfacher und schneller handlebar werden muss.« Mitarbeiter können sich somit stärker auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren. »Auf Großbaustellen kommt man mit Online-Tools bereits häufig in Kontakt, dort sind sie unumgänglich«, berichtet Gerald Mayrwöger von Schachinger Baulogistik. »Bei kleineren Projekten sagt noch der Polier dem Fahrer, wo er hinfahren und abladen soll.«

Der Faktor Zeit ist die größte Herausforderung am Bau. Früher hat man in der doppelten Zeit gebaut, man war mit Zetteln und Durchschlagblöcken unterwegs, die dann in Excel-Tabellen überführt wurden. Das war ein riesiger Aufwand und fehlerbehaftet. Heute sind Mitarbeiter mit digitalen Tools ausgestattet, sehen just in time, was auf der Baustelle passiert. Durch den beschleunigten Planlauf sind alle Gewerke am Bau gezwungen, ihre Leistung schneller zu bringen, Baustellen werden hektischer. Für den Baulogistiker stellt sich damit die Aufgabe, den Terminplan genau zu prüfen – wo können Gewerke bereits parallel arbeiten, wo gibt es Überschneidungen, wo muss das eine Gewerk auf das andere warten? »Pünktlichkeit ist auf jeder Baustelle unumgänglich«, betont Gerald Mayrwöger.

Bild: »Entsorgung findet am Bau noch zu wenig Beachtung. Der BRV bietet daher auf seiner Website seit einigen Monaten Ausschreibungstexte an, um die Entsorgungslogistik von Anfang an zu berücksichtigen« sagt BRV-Geschäftsführer Martin Car.

Die gesamte administrative Abwicklung läuft vollelektronisch über Smartphones, um teure Wartezeiten zu verhindern – von der Übernahmebestätigung der Ware über Abweichungen bis zu den Retouren der Leergüter. Schachinger versorgt mit 200.000 Tonnen Material jährlich sowohl B2B- als auch B2C-Projekte. Gerhard Höfinger, Projektleiter der Strabag: »Bei uns gibt es für die Logistikplanung und -optimierung kein Standardsoftwareprodukt. Wir arbeiten mit mehreren, teils selbst programmierten Systemen aus Mathematik, Simulationstechnik und Operations Research.«

Zukunft Warehouse

Der Großteil ist noch Streckengeschäft. »Der Trend geht in Richtung flexible Lagerstandorte im urbanen Bereich. Es ist von Nachteil, wenn man nur einen Lagerstandort hat«, betont Gerald Mayrwöger. Schachinger verfügt über vier Zentren. Vor allem für innerstädtische Großbaustellen mit hoher zeitlicher Brisanz bedürfe es der gebündelten Anlieferung. Dominik Müller berichtet von einem Projekt in der Wiener Innenstadt: »LKW werden so beladen, dass sie mit derselben Fuhre mehrere Gewerke bedienen können, z.B. Lüftung, Elektro und Trockenbau.« In skandinavischen Ländern und auch in Großbritannien ist Warehousing bereits eine gängige Art der Versorgungslogistik.

Last modified onFreitag, 11 August 2017 12:57
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