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Empfindliche Delle

Foto: Alfred Graf und Karl Wurm bei der Präsentation der GBV-Bilanz 2016. Foto: Alfred Graf und Karl Wurm bei der Präsentation der GBV-Bilanz 2016.

Nach dem Rekordjahr 2015 haben die gemeinnützigen Bauträger 2016 deutlich weniger Wohnungen fertig gestellt. Aber schon 2017 soll das Pendel wieder in die andere Richtung ausschlagen. Für eine langfristige Sicherstellung der vor allem in Ballungszentren stark nachgefragten kostengünstigen Wohnungen, ist laut Dachverband der Gemeinnützigen jetzt die Politik am Zug.

Mit 14.840 neuen Wohnungen haben die Gemeinnützigen Bauvereinigungen (GBV) 2016 um knapp 20 Prozent weniger Fertigstellungen zu verzeichnen als im Jahr davor. Was im ersten Moment dramatisch klingt, relativiert sich bei genauerer Betrachtung. »Über einen Zeitraum von mehreren Jahren gesehen, erbringen die Gemeinnützigen eine konstante Bauleistung von etwa 16.000 Einheiten pro Jahr«, erklärt Karl Wurm, Obmann des Dachverbands der Gemeinnützigen. Schon für heuer kündige sich wieder ein Anstieg um rund zehn Prozent auf 16.100 Wohnungen an, für 2018 sei ein ähnliches Ergebnis zu erwarten.

Der Rückgang der Fertigstellungen ist vor allem auf das Baugeschehen in Wien zurückzuführen. Nach dem Leistungshoch von 2015 mit 6.400 Fertigstellungen, unter anderem mit der Komplettierung von über 1.000 Wohnungen im ersten Abschnitt der Seestadt Aspern, wurden in Wien im letzten Jahr nur rund 3.400 Wohnungen übergeben. Aber bereits heuer geht es mit 3.800 Einheiten wieder bergauf, ein Trend der sich 2018 mit erwarteten 5.600 Einheiten noch verstärken wird.

Zu den absoluten Musterschülern zählen die Gemeinnützigen in Sachen Sanierung. Die durchschnittliche jährliche Sanierungsrate des vor 1980 errichteten GBV-Mietwohnungsbestandes liegt bei fünf Prozent. Damit rangieren die Gemeinnützigen weit vor den gewerblichen und privaten Bauträgern und Vermietern mit einer Sanierungsrate von rund zwei Prozent. Alleine im Jahr 2017 sollen rund 950 Millionen Euro in Sanierungsarbeiten fließen. Das sichert laut Wurm nicht nur etwa 10.000 Arbeitsplätze sondern trägt auch überproportional zur CO2-Reduktion bei. »Während im durchschnittlichen Haushalt 1,5 Tonnen an Emissionen anfalle, sind es in GBV-Wohnungen nur 0,7 Tonnen.«

Steigende Nachfrage

Die konstant steigende Nachfrage nach kostengünstigen Wohnungen, speziell in den Ballungszentren, muss laut Alfred Graf, Obmann-Stellvertreter des Verbandes der GBV, die Politik auf den Plan rufen. »Die Ankurbelung des Neubaus und eine Offensive in Richtung leistbares Wohnen sind ein Gebot der Stunde.« Zur Erreichung dieses Zieles wäre ein Bündel an Maßnahmen erforderlich, die in ihrer Dringlichkeit allesamt »hoch auf der politischen Agenda anzusiedeln sind«.
Akuten Handlungsbedarf orten die GBV bei der Mobilisierung von Bauland. Die Reservierung von Vorbehaltsflächen für den geförderten Wohnbau bei Umwidmungen, die Forcierung von Maßnahmen der Vertragsraumordnung in den Kommunen und eine Rückwidmung von länger als zehn Jahren unbebauten Grundstücken stünden dabei auf der Vorschlagsliste. Zudem müsse die »Flut an kostentreibenden Normen und Auflagen eingedämmt werden«.  Zur Senkung der Baukosten anbieten würden sich laut Graf etwa eine Entschärfung der Brand- und Schallschutzauflagen sowie eine maßvolle Lockerung des 100%-igen barrierefreien Bauens. Außerdem plädieren die Gemeinnützigen für eine »Vielfalt in der Wohnbauförderung«, was sich etwa durch die Einführung einer Billigschiene ausdrücken könnte. Und schließlich fordern Wurm und Graf, dass die schon Ende 2015 im  Parlament beschlossene Wohnbauinvestitionsbank (WBIB) nach dem nun anstehenden Prüfungsverfahren bei der EU »endlich ihren Betrieb aufnimmt.«

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