Betongold glänzt weiter

Foto: UBM hat das neue Zalando-Headquarter eineinhalb Jahre vor der Fertigstellung um 196 Millionen Euro verkauft. Foto: UBM hat das neue Zalando-Headquarter eineinhalb Jahre vor der Fertigstellung um 196 Millionen Euro verkauft.

Mit der S Immo und der UBM können zwei der wichtigsten Immobilienentwickler Österreichs auf ein sehr erfreuliches Jahr 2016 zurückblicken. Für die S Immo war es das beste Jahr der Firmengeschichte, für die UBM immerhin das zweitbeste. Kurz- und mittelfristig sind die Projektpipelines beider Unternehmen gut gefüllt. Die Strategien, mit denen weiteres Wachstum erzielt werden soll, sind aber unterschiedlich.

Die S Immo hat im Jahr 2016 mit einem Jahresüberschuss von 204,3 Millionen Euro das beste Ergebnis der Unternehmensgeschichte eingefahren. Das ist immerhin ein Plus von ordentlichen 165 Prozent. Zu verdanken ist dieses Ergebnis vor allem verstärk­ten Verkaufsaktivitäten in Deutschland. »Wir sind ja kein Immobilienmuseum«, sagt Ernst Vejdovszky, Vorstandsvorsitzender der S Immo. »Es ist wesentlicher Bestandteil unserer Unternehmensstrategie, von Immobilienzyklen zu profitieren.« Mit 1.500 Wohneinheiten in Berlin und Hamburg wurde flächenmäßig ein Drittel des deutschen Wohnportfolios veräußert. 

Das EBIT erhöhte sich von 165,7 Millionen Euro auf 278,7 Millionen Euro, was nicht zuletzt einer Verdoppelung des Bewertungsergebnisses auf 194 Millionen Euro zu verdanken ist. Dazu haben sowohl die auf Wertsteigerung der Immobilien ausgerichteten Maßnahmen im Asset Management als auch insbesondere die sich stetig verbessernde Stimmung am deutschen Immobilienmarkt beigetragen. Zwei Drittel des Bewertungsergebnisses entfallen auf Objekte in Deutschland. Insgesamt beläuft sich das Bewertungsergebnis für die Segmente Deutschland/Österreich auf 174,8 Millionen Euro, während auf CEE/SEE in Summe 19,2 Millionen Euro entfallen.

2017 will die S Immo defensiv angehen. In den Märkten, in denen die S Immo aktiv ist – neue sollen übrigens keine dazukommen –, ist das Preisniveau schon sehr hoch. Das Umfeld ist für Akquisitionen also nur bedingt geeignet. Als Alternative hat die S Immo in die Marktbegleiter CA Immo und Immofinanz investiert. »Aktuell investiere ich als Unternehmer lieber in Vermögenswerte, die ich bis zu 40 % unter ihrem inneren Wert bekomme, als in Immobilien, wo das Wertsteigerungspotenzial oft schon erschöpft ist«, sagt Vorstand Friedrich Wachernig.

Zukäufe sind deshalb lediglich dort geplant, wo das Preisniveau noch attraktiv ist und sich gute Gelegenheiten bieten. Vor allem mittelgroße deutsche Städte, in denen das Renditepotenzial noch hoch ist, stehen im Fokus.  Deshalb will die S Immo verstärkt in ihre Bestandsimmobilien sowie in Projektentwicklungen investieren. »Unsere Pipeline ist gut gefüllt«, bestätigen Vejdovszky und Wachernig. In Wien wird eine Wohnimmobilie entwickelt, in Bukarest mit The Mark eine Büroimmobilie in bester Lage gebaut sowie das Shoppingcenter Sun Plaza erweitert und in Bratislava wurde eine Büroentwicklung gestartet. Parallel dazu laufen mehrere Gewerbeentwicklungen in Berlin.

Erfolgreiche Premiere

Das immerhin zweitbeste Jahr der Firmengeschichte konnte UBM-Vorstandsvorsitzender Thomas Winkler bei seiner ersten Bilanz-Pressekonferenz präsentieren. Das Ergebnis vor Steuern (EBT) von 40,1 Millionen Euro liegt deutlich über dem Wert von 2014 (31,4 Mio. Euro), jedoch unter dem Rekordjahr 2015 (50,3 Mio. Euro). Die Gesamtleistung des abgelaufenen Geschäftsjahres liegt mit 557,5 Millionen Euro ebenfalls unter dem Vorjahreswert von 593,3 Millionen Euro. Dennoch ist Winkler überzeugt: »UBM spielt heute in einer ganz anderen Liga.« UBM ist laut Winkler der führende Hotelentwickler in Europa und entwickelt Hotels mit über 500 Zimmern pro Projekt. Darüber hinaus entwickelt UBM Wohnbauprojekte mit 450 bis 500 Wohnungen. Und auch vereinzelte Büroentwicklungen erreichen mittlerweile Dimensionen von 200 Millionen Euro, wie etwa das neue Zalando-Headquarter in Berlin, das soeben eineinhalb Jahre vor Fertigstellung für 196 Millionen Euro an Capstone Asset Management verkauft wurde. Ebenfalls forward verkauft wurden die beiden Hotels und Bürohäuser des Quartier Belvedere Central, die in der zweiten Jahreshälfte 2017 fertiggestellt werden, der Pilot Tower in Krakau, eine Logistikimmobilie für Magna in Graz-Thondorf sowie das Hotel Holiday Inn City Centre in Warschau.

Winkler verzichtet mit diesen Forward-Deals auf mögliche höhere Preise nach Fertigstellung der Objekte, kann so aber sowohl das aktuelle Ergebnis als auch das langfristige Ziel der Unabhängigkeit absichern.  Für 2017 plant Winkler Verkäufe mit einem Gesamtvolumen von 600 Millionen Euro, die Hälfte davon hat die UBM schon nach dem ersten Quartal im Haus. Im laufenden Jahr folgen Investitionen in der Höhe von rund 400 Millionen Euro. Dabei bleibt UBM seinen drei Kernmärkten Deutschland, Österreich und Polen treu. Ein Ende des Booms in Polen ist für Winkler übrigens nicht in Sicht. Aufgrund einer hohen Dezentralität werde es vor allem in Sekundarstädten wie Danzig, Krakau oder Kattowitz auch in Zukunft noch signifikantes Wachstum geben. Deshalb erwartet Winkler für 2017 eine steigende Entwicklung der Gesamtleistung und des Ergebnisses.

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