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Für den perfekten Raum

Foto: Schlüsseldisziplin. Für ein perfektes Gebäude braucht es eine Symbiose von Gebäudetechnik und -management. Foto: Schlüsseldisziplin. Für ein perfektes Gebäude braucht es eine Symbiose von Gebäudetechnik und -management.

Steigende Anforderungen an Komfort, Sicherheit und Energieeffizienz bringen der Gebäudetechnik eine Schlüsselposition. Gebäude sollen energieeffizienter, funktionaler, nachhaltiger werden. Die heimische Baubranche ist auf diesem Weg erfolgreich unterwegs.

Gebäudetechnik ist keine Erfindung der heutigen Zeit. »Schon vor 2000 Jahren nutzten die Römer eine ausgeklügelte Fußbodenheizung aus Rauchrohren«, wirft Martin Öller, Gründer und CEO von Loxone, einen Blick in die Vergangenheit. Wohnkomfort hat damals schon eine bedeutende Rolle gespielt, heute werden zusätzlich Energieeffizienz und Sicherheit gefordert. Eines der Ziele für die Zukunft ist laut Klaus Reisinger, CEO von Engie Gebäudetechnik, dass Gebäude als Kraftwerke fungieren. Gearbeitet wird auch an der Aufbereitung der Daten für Planer und Architekten. Das Gebäude muss als Gesamtes gesehen werden – es braucht eine Symbiose zwischen Gebäudetechnik und Gebäudemanagement. »Diese Ehe ist bereits geschlossen. Sie funktioniert wie im realen Leben – mal besser, mal schlechter«, meint er lächelnd. Es gebe immer Verbesserungspotenzial. Konkret spricht er die Schnittstellen zwischen Gebäudeübergabe und Betriebsführungsphase an. Hier geht viel Know-how verloren.

Reisinger fordert ein Bekenntnis zum Digitalen Zwilling und zur Gebäudetechnik 3.0 oder 4.0. Zum Digital Twin gebe es zwar bereits erste Lösungen am Markt, diese seien aber noch nicht zufriedenstellend. Vor zu viel den Menschen beherrschende Technologie warnt Sebastian Spaun, Geschäftsführer der Vereinigung der österreichischen Zementindustrie, VÖZ. »Wir alle rufen nach kostenoptimiertem Bauen und leistbarem Wohnen. Die Gebäudetechnik stellt einen immer größeren Anteil an den Baukosten. Da müssen wir uns intensiv Gedanken machen, wie technifiziert Wohnen werden soll.« Grundsätzlich stellt er der Gebäudetechnik ein Top-Zeugnis aus, etwa hinsichtlich thermischer Bauteilaktivierung.

In Bewegung

Dass sich die Gebäudetechnik ständig weiter entwickelt, beweist Bosch. »Seit Anfang 2013 bündeln wir das weltweite Energie- und Gebäudetechnik-Geschäft im Unternehmensbereich Energy and Building Technology«, berichtet Niederlassungsleiter Alexander Liess – damit das kommerzielle Gebäude effizienter und komfortabler wird. Anfang 2015 wurde Climatec übernommen, ein Dienstleister für die Integration und Automatisierung von Gebäudesystemen wie Energieerzeugung, Klimatisierung und Sicherheit. Mit dem chinesischen Technologieunternehmen Midea wurde ein Joint Venture für die Fertigung von »Variable Refrigerant Flow«-Systemen geschaffen, die für die Heizung und Klimatisierung gewerblicher Gebäude mittels variablem Kältemittelfluss eingesetzt werden. Mitte 2015 folgte die Übernahme des Vernetzungsspezialisten ProSyst. mozaiq operations ist die offene Software-Plattform von Bosch, ABB und Cisco. Auf Vernetzung setzt auch Tado.

»Die Vernetzung der Heizung mit dem Smartphone erleichtert den Alltag und hilft beim Energiesparen«, betont Gründer und Geschäftsführer Christian Deilmann. Innovativ sind auch Einzelraumtemperaturregelung und Lichtszenen von Loxone. Siemens setzt auf die Gamma Gebäudesys­temtechnik, die auf dem weltweiten offenen Standard KNX basiert und so die flexible Vernetzung aller Komponenten der Haus- und Gebäudesystemtechnik über die zwei Adern der Busleitung ermöglicht. Johannes Knoblechner, Vertriebsleiter Comfort, erwähnt im Gespräch mit dem Bau & Immobilien Report auch Synco Living, das energieeffiziente Home-Automation-System, mit dem geregelt und gesteuert werden kann. Mit der HomeControl-App steht eine intuitive und einfache Bedienung von Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen wie auch Licht- und Beschattungssteuerung zur Verfügung.

Apropos Regelung und Überwachung. Dazu bringt Thomas Kimberger, Vertriebsleiter Home Automation bei Eaton, ein Beispiel. »Sollte ein Rauchmelder auslösen, ist der Mensch im ersten Moment erschrocken. In dieser Zeit kann das Gebäudemanagement bereits die Lichter in den Fluchtwegen einschalten, die Beschattung hochfahren, um auch Fluchtwege über Terrassen oder Fenster zu ermöglichen und eventuell Einfluss auf die Wohnraumlüftung zu haben.« Ein Raumcontroller mit Touch-Display ist das neueste Produkt in der Eaton-Familie xComfort. Die Steuerung beginnt bei Temperatur, geht über Beschattung bis hin zu Beleuchtung. Für Sicherheit im Gebäude sorgt das

Gebäudemanagementsystem BIS von Bosch, das alle Sicherheitssysteme eines Gebäudes auf einer Plattform vereint, von Videoüberwachung über Evakuierungssystemen bis zu Zutrittskontrolle. Bei allen Gebäudetechniken ist wichtig, sich für ein dezentrales System zu entscheiden. »Fällt eine Komponente aus, spielt es für den Rest der Anlage keine Rolle«, betont Thomas Kimberger.

Gestern, heute, morgen

»Energiemessung und Management spielen eine immer zentralere Rolle«, betont Thomas Kimberger. Bosch bietet dazu eine Energy Platform, die die Effizienz aller Energieanlagen mit vernetztem Energiedatenmanagement fortlaufend erfasst und kontinuierlich bewertet. Siemens identifiziert mit Desigo CC Energiesparpotenziale, in einzelnen Gebäuden ebenso wie in verteilten Liegenschaften. Tado überzeugt u.a. mit smarten Thermostaten, die beim Energiesparen helfen und gleichzeitig den Wohnkomfort erhöhen. Eaton setzt auf Dimmer für LED-Leuchtmittel oder Schaltaktor mit integrierter Energiemessung. Für Martin Öller von Loxone ist die Richtung für die nächsten Jahre klar. »Das Smart Home wird sich durch die steigenden Anforderungen an Komfort, Sicherheit, Energiesparen usw. als Standard etablieren.«


Fokus Energiesparen

Das Potenzial, Energie zu sparen, ist die entscheidende Aussage einer Umfrage von Bosch aus dem letzten Jahr unter 6.265 Twitter-Nutzern aus Österreich, Deutschland, Spanien, Frankreich, Großbritannien und den USA zum Thema Gebäudetechnik. Befragt nach den Gründen, warum sie ihr Heim noch nicht vernetzt haben, nennen mehr als die Hälfte der Befragten hohe Anschaffungskosten, wobei dieser Faktor mit zunehmendem Alter an Bedeutung verliert.

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