Effizienzsteigerungen ab dem ersten Projekt

»Ich glaube nicht, dass es den Druck seitens der öffentlichen Auftraggeber zwingend braucht. Die Unternehmen werden selbst erkennen, dass sie ohne BIM einen Wettbewerbsnachteil haben«, ist Matthias Artaker überzeugt. »Ich glaube nicht, dass es den Druck seitens der öffentlichen Auftraggeber zwingend braucht. Die Unternehmen werden selbst erkennen, dass sie ohne BIM einen Wettbewerbsnachteil haben«, ist Matthias Artaker überzeugt. Foto: Artaker

Im Interview mit dem Bau & Immobilien Report erklärt Matthias Artaker, Geschäftsführer des Autodesk-Partners Artaker CAD Systems, warum Autodesk Revit bei Bauunternehmen einen schweren Stand hat, warum gerade KMU auf BIM setzen müssen und was es mit AAD auf sich hat.

Report: Laut unserer aktuellen Umfrage (Link) verwendet fast ein Drittel der heimischen Bauunternehmen das klassische AutoCAD, Revit folgt nur auf Platz vier hinter Allplan und ArchiCAD. Wie erklären Sie sich dieses Ergebnis?

Matthias Artaker:
Es ist sicher richtig, dass die Mehrzahl der Bauunternehmen auf AutoCAD setzt, einfach aus dem Grund, weil man das schon länger im Haus hat. Abgesehen von den Branchenriesen wie Strabag oder Porr spielt BIM und damit auch Programme wie Revit noch nicht die ganz große Rolle. Die kleinen und mittleren Bauunternehmen hinken derzeit in Sachen BIM sicher noch hinterher. Wir spüren aber gerade jetzt eine starke Nachfrage aus mittelgroßen Baufirmen, die aktuell vor der Entscheidung stehen, auf BIM zu wechseln.

Report: Unsere Umfrage zeigt auch, dass für 90 Prozent der Bauunternehmen BIM eine »kleine« oder »keine Rolle« spielt. Wird das Thema BIM überschätzt oder unterschätzen viele Bauunternehmen, wie wichtig BIM werden wird?

Artaker:
Es ist definitiv so, dass viele unterschätzen, wie wichtig BIM noch werden wird. Natürlich gibt es aktuell auch eine gewisse BIM-Überflutung mit vielen Veranstaltungen, die inhaltlich sehr ähnlich sind. Wir sehen aber auch, welche enormen Vorteile BIM für die Unternehmen bringt. Wir begleiten die Betriebe ja nicht nur in der Entscheidungsphase, sondern auch in der Umstellungs- und Produktivphase. Wir haben keinen einzigen Kunden, der den Umstieg auf Revit bereut hätte.

Report: Warum sollten auch kleine und mittlere Bauunternehmen jetzt schon auf BIM setzen?

Artaker:
An BIM führt kein Weg vorbei. Und gerade für KMU ist es wichtig, frühzeitig auf den Zug aufzuspringen. Denn nur mit den durch BIM zu erzielenden Effizienzsteigerungen werden sie mittelfristig konkurrenzfähig sein. Was viele KMU auch völlig falsch einschätzen, ist, wie schnell sich diese Effizienzsteigerungen umsetzen lassen. Diese sind oft schon im ersten Projekt nachweisbar, spätestens aber im zweiten.

Report: Wo steht Österreich im internationalen Vergleich in Sachen BIM?


Artaker:
Skandinavien, Großbritannien oder die USA sind sicher voraus, aber in Mitteleuropa zählt Österreich jedenfalls zu den Vorreitern. Aber man muss das Thema differenziert betrachten. Wir haben in Österreich eine sehr anspruchsvolle Normierung und hohe Bauqualität. Damit steigen auch die Anforderungen an BIM, womit dessen Einführung verzögert wird. Außerdem fehlt in Österreich im Gegensatz zu Skandinavien und jetzt auch Deutschland, wo BIM zwingend vorgeschrieben ist, bei uns der Druck von außen. Wir haben in Österreich seit 2015 eine BIM-Norm, die ein Meilenstein ist und zentraler Bestandteil der Europäischen Norm werden soll. Das ist ein sehr deutliches Zeichen, dass wir ganz vorne mit dabei sind.

Report: Wird es nicht trotzdem diesen Druck von außen brauchen, von öffentlichen Auftraggebern, die BIM verlangen?

Artaker:
Der öffentliche Druck könnte die Entwicklung beschleunigen. Ich glaube aber nicht, dass es ihn zwingend braucht. Die Unternehmen werden selbst erkennen, dass sie ohne BIM einen Wettbewerbsnachteil haben. Das ist sicher ein langsamerer Prozess, wird aber zum selben Ziel führen. Außerdem sind die öffentlichen Stellen ja nicht untätig. Die BIG unternimmt sehr viel in diese Richtung und auch viele Magistratsabteilungen beschäftigen sich intensiv mit BIM.

Report: Unsere Umfragen zeigen, dass die User sehr treu sind und nur selten Programm und Anbieter wechseln. Wie wollen Sie Kunden zum Umstieg auf Revit bewegen – sowohl die aktuellen AutoCAD-Kunden als auch die Kunden des Mitbewerbs?

Artaker:
Das ist auch unsere Erfahrung, dass die Kunden sehr treu sind. Jemand, der AutoCAD einsetzt, bleibt gerne im selben Softwarehaus und wechselt dann zu Revit. Autodesk Revit hat gegenüber dem Mitbewerb auch den Vorteil, dass es die drei Hauptgewerke Architektur, Tragwerksplanung und Gebäudetechnik in einem Tool vereint. Das ist schon ein Killerargument für Revit, mit dem man auch Kunden vom Mitbewerb abholen kann.

Report: Welche weiteren Trends sehen Sie aktuell?

Artaker:
Plantausch, Bauabwicklung, Mängelmanagement – das alles wird zunehmend in digitalen Prozessen abgewickelt. Es wird in nicht allzu ferner Zukunft Standard sein, dass der Bauleiter mit seinem Tablet auf der Baustelle steht und mit dem Einsatz von Augmented Reality das digitale Gebäudemodell über die Baustelle legen kann, dort die Mängel einträgt, die sofort in den digitalen Workflow übertragen und an die zuständigen Personen weitergeleitet werden. Die Mängel werden bearbeitet, zur Freigabe übergeben und abgenommen. All diese Prozesse werden zunehmend digital.

Spannend wird auch das Thema AAD, also Algorithms-Aided Design, das neben dem klassischen CAD eine immer wichtigere Rolle spielen wird. In Verbindung mit dem Internet of Things wird dabei die Brücke vom digitalen Modell hin zum tatsächlich gebauten Gebäude geschlagen. Wir verbauen immer mehr Sensoren und generieren damit Unmengen an Daten, dank derer man Visualisierung, Kalkulation und Simulation mit der Realität abgleichen und mit einer Art Feedbackschleife weiterentwickeln kann. Die Simulations-Algorithmen werden dabei durch real gewonnene Daten stetig optimiert. Das wird zu einer sukzessiven Verbesserung der Prozesse führen.

Letzte Änderung amSamstag, 13 Mai 2017 11:27
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